25. Feb.

(Dies ist Buch 2 Der "Bücher, die meine Freunde bewegt haben"-Challenge, die ich zu meinem Geburtstag begonnen habe) Unfassbar spannendes Buch über Datenschutz, Überwachung, Terrorismusbekämpfung, Unterdrückung und immer mit der Frage im Blick "Wie weit darf Einschränkung gehen, um böses zu verhindern". Das Buch geht super schnell los, man wird gleich mitgerissen. Und dann lässt es einem bis zum Ende eigentlich nicht mehr atmen. Einige Bereiche waren mir eindeutig technisch, da habe ich auch (ehrlich gesagt) nicht immer alles so ganz verstanden, das tut der Geschichte aber keinen Abbruch. Ich muss zugeben, dass ich mich teilweise bei dem Gedankengang "boah, jetzt folg doch einfach den Regeln, dann passiert auch nichts" erwischt habe und bin froh, dass das buch mich da immer wieder eingefangen hat und gezeigt hat, warum das keine gute idee wäre.

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
4. Juni
Rating:4

Eine facettenreiche Geschichte, die das Thema der Totalüberwachung der Bevölkerung interessant darstellt und auch durchaus bereit ist, beide Seiten zu betrachten, auch wenn eine Seite doch relativ klein gehalten wird. Ab und zu hatte ich den Eindruck, dass die Geschichte eine gewisse Länge aufbaut, was wahrscheinlich vermehrt an den ganzen Erklärungen lag, die sicherlich notwendig waren, aber dennoch für immer wieder für Unterbrechungen in der Geschichte gesorgt haben. Ein Glossar wäre für mich hier an der Stelle sicherlich die bessere Lösung gewesen, um der Geschichte nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
30. Mai
Rating:3

Das Cover des Romans ist leider nicht sehr aussagekräftig, aber weckt durch das schrille Rot Aufmerksamkeit. Die Geschichte hinter dem Auto ist tatsächlich gar nicht so uninteressant. Er engagiert sich für den Datenschutz, was sich auch in seinem Roman widerspiegelt. Gleichzeitig hat er seine Romane unter der Creative-Commons-Lizenz herausgegeben. Interessant dabei ist auch, dass der zweite Band der Reihe von Heyne publiziert wurde. Die Kurzbeschreibung des ersten Bandes trifft den Plot so ziemlich auf den Kopf und erzeugt auf jeden Fall Spannung. Zunächst beginnt die Handlung eher gemächlich, aber das ändert sich bereits nach den ersten dreißig Seiten. Der Protagonist wird sehr schnell extremen Situationen ausgesetzt und fast gebrochen. Das wirkte aber nicht überzogen, sondern passte zur Geschichte und den Ereignissen darin. Denn im San Francisco dieses Romans geht es nach der Sprengung der Bay Bridge nur noch um eines: Terroristen finden. Um welchen Preis auch immer. Der Protagonist ist sehr computeraffin und dadurch vertraut mit den Möglichkeiten sich vor Datenraub zu schützen. Dies erklärt er auch immer wieder auf verschiedene Arten und die Stellen hätten durchaus interessant sein können, wenn sie nicht so ausschweifend wären. Mir persönlich fiel es schwer alles im Detail zu verstehen, daher hätte es auch gereicht die Grundelemente zu erklären. Ein Beispiel ist hierbei das Web of Trust. Der Name erklärt schon grob, was es bedeuten könnte: Ein Netz des Vertrauens. Anstatt aber nur grob zu erklären, dass man mit dieser Methode verschlüsselt kommunizieren kann und die Methodik kurz anzureißen, palavert Marcus erst einmal ein paar Seiten darüber. Auch gibt er einen langen Einblick über seine LARPER-Vergangenheit, die an sich spannend war und in den Kontext passt, aber da man unvorbereitet hineingeworfen wurde, hat sich auch diese Stelle etwas zäh gelesen. Marcus‘ Verhalten an sich fand ich gegen Ende des Romans ohnehin etwas fragwürdig. Das Thema an sich war faszinierend und spannend, aber leider konnte das Buch nicht richtig packen, was aber vor allem an der ganzen Handlung drum herum inklusive der ganzen langatmigen Erklärungen liegt. Das Ende war etwas ernüchternd. Einerseits fand ich es gut, weil es weder ein Happy End noch ein Katastrophenende hatte, aber Marcus bekommt schon kurz davor die Gelegenheit zu tun, was nötig ist. Aber anstatt das zu tun, macht er etwas völlig Anderes, was gar keinen Sinn ergeben hat. Der Ich-Erzähler Marcus ist ein gleichzeitig tapferer, aber auch sehr egoistischer Protagonist. Man hat immer wieder das Gefühl, dass er gar nicht an andere denkt. Er will zwar etwas bewegen – und das ist an sich bewundernswert – aber oft denkt er überhaupt nicht über die Konsequenzen nach. Zudem ist er auch noch sehr stur und muss einfach gegen alles anrennen, ob er nun davon profitiert oder nicht. Es gab eigentlich gar keinen Charakter, den ich so richtig mochte, aber dafür sind die verschiedenen Beziehungen zwischen den Charakteren etwas zu offensichtlich gehalten. Die einzige Ausnahme dabei war vielleicht Ange, bei der sich meine Vermutung nicht bestätigt hat. Alles in Allem wurden dennoch Figuren gezeichnet, die man sich vorstellen kann. Doctorows Schreibstil war nicht ganz mein Fall. Er liest sich ein bisschen schwerfällig und plump, tritt dadurch aber auch in den Hintergrund und hilft, sich auf die Handlung und Erklärungen zu konzentrieren. Die Ich-Perspektive las sich recht flüssig und lässt einen Marcus‘ Gedanken aus erster Hand erfahren. Das wird dadurch bestärkt, dass er innerhalb des Romans den Leser direkt anspricht. Das Thema Datenschutz wird in „Little Brother“ auf interessante Art angesprochen und dabei überspitzt umgesetzt, was die Brisanz des Themas verdeutlicht. Gleichzeitig kann die Handlung nicht richtig packen und plätschert nur vor sich hin. Eine wirkliche Gefahr spürt man nur unmittelbar am Anfang und Ende und Marcus scheint auch der einzige zu sein, der sich für den neuen Überwachungsstaat wirklich interessiert und ihn verhindern will. Der Roman ist in sich abgeschlossen. Fazit: „Little Brother“ beschäftigt sich mit einer auch heute noch aktuellen Thematik und kann diese auf spannende Art verdeutlichen. Als Roman hat der Plot leider einige Schwächen, die vor allem das Ende ausbremsen. Gesamt: 3/5 Inhalt: 3/5 Charaktere: 3/5 Lesespaß: 3/5 Schreibstil: 2/5

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
17. März
Rating:5

Ein Roman, der vor seiner Zeit war

Ich habe das Buch vor mindestens 15 Jahren erstmals gelesen (damals ohne Vorwort von Edward Snowden). Habe es sehr gerne erneut gelesen, da es an Aktualität nicht verloren hat. Ganz im Gegenteil. Damals gab es nur diesen Teil, deswegen werde ich jetzt mit großer Freude weiter lesen!

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
16. März
Rating:5

Der 17-jährige Marcus, im Cyberspace besser unter dem Namen <> bekannt, lebt mit seinen Eltern in San Francisco. Als er sich mal wieder gemeinsam mit seinen besten Freunden aus dem Unterricht stiehlt um das Reality Spiel "Harajuku Fun Madness" zu spielen, gelangen sie bis zur Bay Bridge. Marcus und seine Freunde geraten mitten in einen Anschlag von Terroristen, die die Bay Bridge in die Luft sprengen wollen. Agenten der Heimatschutzbehörde halten Marcus und seine Freunde für verdächtig, und verschleppten sie auf ein geheimes Gefängnis auf einer Insel. Dort werden sie tagelang unter schlimmsten Bedingungen verhört, gedemütigt, schikaniert und erniedrigt. Besonders schlimm nehmen sie Marcus in die Mangel. Endlich wieder in Freiheit muss Marcus feststellen, dass sich seine geliebtes Land immer mehr in einen Überwachungsstaat verwandelt. Überall wird er durch Kameras, Schritterkennungssysteme und Chips kontrolliert. Von jedem Bürger werden anhand dieser Daten Durchschnittsmuster erstellt. Jeder Bürger der von diesem Muster abweicht ist ein potenzieller Terrorist der von der Heimatschutzbehörde aufgegriffen und verhört wird. Marcus kann einfach nicht aktzeptieren wie sehr der Staat seine Menschenrechte und seine Freiheit unterbindet. Vor allem der Verlust seines besten Freundes Darryl, durch die Heimatschutzbehörde, treibt ihn an gegen die Sicherheitsbehörden zu kämpfen. Zusammen mit vielen anderen Jugendlichen bildet Marcus eine Untergrundorganisation, die durch Nutzung neuer Medien die staatliche Überwachungssystem manipuliert und die Regierung stürzen will. Cory Doctorow spricht in seinem Science Fiction Roman "Little Brother" ein leider nicht nur fiktives Thema an: Terroristen die durch eine übergreifende Installation von Sicherheitssystemen bekämpft werden. Im Mittelpunkt dieses realitätsnahen Ereignisses steht der 17-jährige Marcus. Wie jeder Jugendliche liebt er seine Freiheit und seine Freunde über alles. Als ihm beides genommen wird sieht er keinen anderen Weg als sich gegen die Staatssicherheit zu wehren. Der Autor übermittelt durch seine gute Recherche glaubwürdig die Möglichkeiten der heutigen Überwachungssysteme, aber auch die Tatsache das diese Systeme nie sicher sein werden vor Hackern. Cory Doctorow stellt die Hacker in "Little Brother" keineswegs negativ dar, sondern spricht die Wichtigkeit von diesen an. In dem Nachwort von Andrew Huang (einem Xbox-Hacker) und dem Sicherheitsexperten Bruce Schneider, bekommt man einen noch eindrücklicheren Überblick über die Bedeutung von Sicherheit und Hackern in unserer Gesellschaft, was mich als Leser fasziniert und gefesselt hat. "Little Brother" ist nicht nur ausgestatte mit technischen Details und einem gut recherchierten fachlichen Hintergrund, sondern überzeugt auch durch seine facettenreichen Charakteren. Der Hauptprotagonist Marcus durchlebt die typische Zeit eines Teenagers für den Freunde, Spiele und seine Familie im Vordergrund stehen. Dadurch das Cory Doctorow Emotionen, Gedankengänge und sogar die Sprache (Cybersprache etc.) mit einbezieht wirk "Little Brother" noch realistischer und authentischer. Gespannt verfolgt der Leser die gigantischen Auswirkungen des Terroranschlags auf den Staat und die Sicherheitsbehörden. Besonders schockierend fand ich die Tatsache, dass die Überwachungssysteme wie sie Cory Doctorow beschreibt, schon lange nicht mehr zu den SciFi-Elementen von Autoren gehören sondern Wirklichkeit geworden sind. Die Reaktion von Markus' Vater spiegelt nur allzu deutlich wie die Bevölkerung aus lauter Angst um Kinder, Verwandte etc. reagiert. Man unterwirft sich der staatlichen Sicherheit um seine Kinder, Verwandten und Partner zu schützen ohne den Hintergedanken das einem somit die wichtigsten Menschenrechte geraubt werden! Mein Fazit: Authentisch und erschreckend realitätsnah! Cory Doctorows "Little Brother" stellt den Einfluss von Terrorismus und staatlicher Sicherheit aus einem beängstigendem Blickwinkel dar

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
30. Okt.
Rating:1

I'm really interested in cyber/network security and computer science but this book seemed like a mere accumulation of unnecessary wikipedia-nice-to-know-facts, which deverted the readers attention from the story. It drove me nuts till I started skipping paragraphs, just reading couple of the beginning sentences and still kept track of the story without missing anything important! The story itself is rather mediocore but it's technological foundation thoughtful, which leads back to all the unnecessary sidetracks that slow down the pace. I really liked the basic concept (cz it's pretty much happening right now) but was really upset by the half-hearted implementation of it(everything the main character does is contratry to what a fight for your privacy and human rights should look like. And yes, I know Marcus is a 17yo greenie, but apparently he's a smart cookie, so I thought). The characters are shallow. Since it's a YA book the teens are mainly focused on self-portrayal, sex and and wrecking chaos out of revenge. It was boring to no end. What I liked was the writing style, thus the one star. It's authentic but not everybody likes reading ramblings of a teen for almost 500 pages. It's maybe a nice start for young people who're interested in the technological part but an Introduction to Computer Science would do better here. So, what was the Message Doctorow tried to convey? I honestly can't figure it out. But maybe my judgement is clouded by Orwells grand 1984.

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
18. Dez.
Rating:4

Schönes Jugendbuch: Überwiegend jugendliche Akteure (inklusive den Eltern als Nebenrollen) und ein gradliniger Handlungsstrang. Das ganze aus der Ich-Perspektive geschrieben, was ich persönlich sehr gerne mag - selbstverständlich auch für ältere Leser zu empfehlen. Etwas speziell sind die teilweise längeren Ausführungen zu den Themen Kryptografie und Anonymität im Internet. Man kann diese Abschnitte auf Wunsch auch überspringen, ohne etwas von der Handlung zu verpassen. Ich finde aber, dass gerade jetzt im Zeitalter von Snowden, NSA und Co. dieses Wissen verbreitet werden sollte. Nicht alles ist 100% aktuell, wer ein sicheres Betriebssystem wie das beschriebene "X-Net" sucht, kann sich mal "Tails" ansehen, welches nicht zuletzt von Snowden verwendet wird: https://tails.boum.org

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
1. Mai
Rating:5

Der 17-jährige Marcus, im Cyberspace besser unter dem Namen <> bekannt, lebt mit seinen Eltern in San Francisco. Als er sich mal wieder gemeinsam mit seinen besten Freunden aus dem Unterricht stiehlt um das Reality Spiel "Harajuku Fun Madness" zu spielen, gelangen sie bis zur Bay Bridge. Marcus und seine Freunde geraten mitten in einen Anschlag von Terroristen, die die Bay Bridge in die Luft sprengen wollen. Agenten der Heimatschutzbehörde halten Marcus und seine Freunde für verdächtig, und verschleppten sie auf ein geheimes Gefängnis auf einer Insel. Dort werden sie tagelang unter schlimmsten Bedingungen verhört, gedemütigt, schikaniert und erniedrigt. Besonders schlimm nehmen sie Marcus in die Mangel. Endlich wieder in Freiheit muss Marcus feststellen, dass sich seine geliebtes Land immer mehr in einen Überwachungsstaat verwandelt. Überall wird er durch Kameras, Schritterkennungssysteme und Chips kontrolliert. Von jedem Bürger werden anhand dieser Daten Durchschnittsmuster erstellt. Jeder Bürger der von diesem Muster abweicht ist ein potenzieller Terrorist der von der Heimatschutzbehörde aufgegriffen und verhört wird. Marcus kann einfach nicht aktzeptieren wie sehr der Staat seine Menschenrechte und seine Freiheit unterbindet. Vor allem der Verlust seines besten Freundes Darryl, durch die Heimatschutzbehörde, treibt ihn an gegen die Sicherheitsbehörden zu kämpfen. Zusammen mit vielen anderen Jugendlichen bildet Marcus eine Untergrundorganisation, die durch Nutzung neuer Medien die staatliche Überwachungssystem manipuliert und die Regierung stürzen will. Cory Doctorow spricht in seinem Science Fiction Roman "Little Brother" ein leider nicht nur fiktives Thema an: Terroristen die durch eine übergreifende Installation von Sicherheitssystemen bekämpft werden. Im Mittelpunkt dieses realitätsnahen Ereignisses steht der 17-jährige Marcus. Wie jeder Jugendliche liebt er seine Freiheit und seine Freunde über alles. Als ihm beides genommen wird sieht er keinen anderen Weg als sich gegen die Staatssicherheit zu wehren. Der Autor übermittelt durch seine gute Recherche glaubwürdig die Möglichkeiten der heutigen Überwachungssysteme, aber auch die Tatsache das diese Systeme nie sicher sein werden vor Hackern. Cory Doctorow stellt die Hacker in "Little Brother" keineswegs negativ dar, sondern spricht die Wichtigkeit von diesen an. In dem Nachwort von Andrew Huang (einem Xbox-Hacker) und dem Sicherheitsexperten Bruce Schneider, bekommt man einen noch eindrücklicheren Überblick über die Bedeutung von Sicherheit und Hackern in unserer Gesellschaft, was mich als Leser fasziniert und gefesselt hat. "Little Brother" ist nicht nur ausgestatte mit technischen Details und einem gut recherchierten fachlichen Hintergrund, sondern überzeugt auch durch seine facettenreichen Charakteren. Der Hauptprotagonist Marcus durchlebt die typische Zeit eines Teenagers für den Freunde, Spiele und seine Familie im Vordergrund stehen. Dadurch das Cory Doctorow Emotionen, Gedankengänge und sogar die Sprache (Cybersprache etc.) mit einbezieht wirk "Little Brother" noch realistischer und authentischer. Gespannt verfolgt der Leser die gigantischen Auswirkungen des Terroranschlags auf den Staat und die Sicherheitsbehörden. Besonders schockierend fand ich die Tatsache, dass die Überwachungssysteme wie sie Cory Doctorow beschreibt, schon lange nicht mehr zu den SciFi-Elementen von Autoren gehören sondern Wirklichkeit geworden sind. Die Reaktion von Markus' Vater spiegelt nur allzu deutlich wie die Bevölkerung aus lauter Angst um Kinder, Verwandte etc. reagiert. Man unterwirft sich der staatlichen Sicherheit um seine Kinder, Verwandten und Partner zu schützen ohne den Hintergedanken das einem somit die wichtigsten Menschenrechte geraubt werden! Mein Fazit: Authentisch und erschreckend realitätsnah! Cory Doctorows "Little Brother" stellt den Einfluss von Terrorismus und staatlicher Sicherheit aus einem beängstigendem Blickwinkel dar

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
26. Okt.
Rating:3

"Little Brother" ist eines dieser E-Books, das ich schon vor längerer Zeit einmal von einem Bekannten geschickt bekommen habe, dann aber vergessen habe, dass ich es überhaupt habe :). Die Leserunde, die jetzt einige Blogger angeregt haben, hat mich aber daran erinnert, dass ich es ja auch besitze. Dann noch die Entdeckung, dass es auch eine Hörbuchfassung gibt - sehr fein. Und wie so oft, wenn ich zufälligerweise an Buch und Hörbuch komme, habe ich abwechselnd gehört und gelesen (Zum Schluss eher gelesen, weil ich zu einem Ende kommen wollte). Zur Hörbuchfassung: Fabian Neidhart macht einen tollen Job, gar keine Frage. Aber man merkt natürlich, dass es eine Fan-Fassung ist, kein professionell produziertes Hörbuch, das Kapitel für Kapitel veröffentlicht worden ist. Warum das so ist? Weil jedes Kapitel mit dem Hinweis auf den Buchtitel, den Autor und den Sprecher beginnt. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Ein weiterer Unterschied zur Hörfassung sind die fehlenden Hinweise auf verschiedene Buchhandlungen, die in der Textfassung am Anfang jedes Kapitels stehen. Empfand ich positiv, weil ich beim Lesen diese Hinweise irgendwann nur noch übersprungen habe. "Überspringen" ist übrigens ein gutes Stichwort, denn damit kann ich zur eigentlichen Rezension überleiten. Wie bewertet man ein Buch, das von den Themen her, die es anspricht, einfach großartig ist, als Roman mich aber nicht wirklich fesseln konnte? Eigentlich müsste man das trennen, das Buch also unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten bewerten. Fangen wir mal mit dem an, was ich mochte: Die Anspielungen auf "Big Brother" beginnen schon sehr früh, wenn man es genau nimmt, schon mit dem Titel des Buchs. Marcus ist am Anfang ein technisch versierter Jugendlicher, der zusammen mit ein paar Freunden eine Art von Augmented-Reality-Game spielt, als Terroristen die Bay Bridge in San Francisco sprengen und einen Tumult auslösen. Inmitten des Wirbels wird er von seinen Freunden getrennt und in Gefängnis gebracht, wo in Leute von der Homeland Security verhören. Im Verlauf der Geschichte kommt Marcus aber wieder frei, steht aber nun unter Beobachtung des DHS. Die im weiteren Verlauf der Geschichte einsetzende Paranoia und Hysterie bezüglich des Terrors hat der Autor meiner Meinung nach sehr gut eingefangen, die Fragen, wie weit man als Gesellschaft zu gehen bereit ist, um ein subjektives Gefühl von Sicherheit zu bekommen, haben mir gut gefallen. in dem Zusammenhang war wohl meine absolute Lieblingsszene die, wo sie in der Schule darüber diskutieren, inwiefern die Regierung überhaupt noch eine Existenzberechtigung hat, wenn sie schon die Verfassung mit Füßen tritt. Also Unterhaltungsroman halte ich die Geschichte aber für nicht besonders gelungen. Nicht mal mit der Hauptfigur konnte ich mich so richtig identifizieren - es blieb bis zum Schluss eine gewisse Distanz da. Die Nebencharaktere kamen für meinen Geschmack fast zu stereotyp rüber, manche Metaphern fand ich etwas merkwürdig (Ich sag nur: Rennpferd). Der absolute Spannungskiller jedoch waren für mich die (technischen) Exkurse, die waren zum Teil so weitschweifig, dass ich sie vor allem gegen Ende großteils übersprungen habe, um den Faden nicht komplett zu verlieren. Ich verstehe zwar, warum sie da sind (Viele Dinge gerade im IT-Bereich erschließen sich Außenstehenden nicht so ohne weiteres), aber ich hätte es für sinnvoller gehalten, hier Fußnoten oder etwas ähnliches anzubringen, um den Lesefluss nicht so stark zu stören. Oder die Erklärungen kürzer zu halten und im E-Book mit Hyperlinks auf weiterführende Infos zu versehen. Mein Fazit: Der Roman spricht in unserer modernen Gesellschaft ein wichtiges Thema an, mit dem sich eigentlich noch viel mehr Menschen auseinandersetzen sollten. Als dystopischer Thriller hat das Buch aber einige Mankos, die mich gerade gegen Ende das Buch mehr als einmal überfliegen hat lassen.

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH
22. Sept.
Rating:3

„Little Brother“ von Cory Doctorow ist ein Jugendroman, der sich mit wichtigen Themen wie Sicherheit, Freiheit und Privatsphäre auseinandersetzt. Das Buch ist unter einer Creative-Commons-Lizenz frei im Internet verfügbar und erstmals 2008 erschienen. Als Taschenbuch wurde es im rororo-Verlag herausgegeben. Während eines Terroraktes auf die Bay Bridge in San Francisco befinden sich Markus und seine Freunde zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie werden als Terroristen verhaftet und verhört, aber anschließend unter ständiger Beobachtung des DHS wieder auf freien Fuß gesetzt. In Folge des Anschlages wurden auch weitere Maßnahmen ergriffen, die die Freiheit und Privatsphäre der übrigen Bevölkerung einschränken. San Francisco hat sich in einen Überwachungsstaat verwandelt. Markus beginnt sich zu zu wehren und gründet zusammen mit Freunden das XNet. Ein Kräftemessen mit der Regierung beginnt und der Ausgang ist ungewiss. Zu diesem Buch fällt es mir recht schwer eine Rezension zu schreiben. Das Thema finde ich super wichtig, gerade auch vor dem aktuellen politischen Hintergrund, aber die Umsetzung hat mir teilweise nicht so zugesagt. Es war mir vorher nicht wirklich bewusst, aber Little Brother ist ein Jugendbuch. Ich glaube Jugendliche und junge Erwachsene erkennen sich hier auch durchaus wieder und sind definitiv eher die Zielgruppe als ich mit meinen Anfang 30. Markus ist 17 und auf dem Weg zum Erwachsen werden. Mit Ange erlebt er zum Zeitpunkt der Geschichte seine erste große Liebe. Dieser Teil der Geschichte hat mich absolut gar nicht interessiert. Mir gingen sein Rumgefummel und die abschweifenden Gedanken in diese Richtung total auf die Nerven. Es hat mich persönlich emotional auch überhaupt nicht erreicht, so dass ich diese Passagen irgendwann einfach überlesen habe. Der Roman ist komplett aus der Sicht von Markus geschrieben. Man wird als Leser auch direkt von ihm angesprochen, so dass eine gewisse Nähe entsteht. Ich konnte mit seiner jugendlichen Sprache und dem überheblichen Gehabe aber nicht immer etwas anfangen. Das Thema des Buches mit Privatsphäre, Freiheit und Sicherheit ist top. Es ist aktuell, es betrifft uns alle und es ist wichtig, dass sich jeder hierzu Gedanken macht. Das Szenario, dass ein Terroranschlag eine massive Ausweitung der Überwachung nach sich zieht, halte ich für durchaus realistisch. Wie oft wird danach geschrien, wenn wieder mal etwas Schlimmes in der Welt passiert und dass das ja das kleinere Übel wäre, wenn man nichts zu verbergen hat. Will man wirklich für ein bisschen trügerische Sicherheit seine Privatsphäre aufgeben? Wie weit soll die Überwachung gehen, um mehr Sicherheit zu gewährleisten? Wann wird die Grenze überschritten? Bringen uns die gewählten Maßnahmen überhaupt wirklich mehr Sicherheit? Das Buch hat in dieser Hinsicht einige Schreckensszenarien zu bieten. Alleine die ganzen Überwachungsmaßnahmen in der Schule mit Schritterkennung, Schullaptops, die jede Eingabe überwachen und Schulbüchern mit integriertem Tracking-Chip fand ich schon heftig, um nur einige Beispiel zu nennen. Ich bin mehr als froh, dass ich nie auf so eine Schule ging. Das Ganze hat mich mehr an ein Gefängnis erinnert als an eine Schule, in der die zukünftige Generation auf ihr späteres Leben vorbereitet werden soll. Aber wenn unser zukünftiges Leben aus kompletter Überwachung bestehen soll, dann ist dies vielleicht auch wieder konsequent. In wieweit es realistisch ist, dass einfache Schüler einfach wie Terroristen behandelt werden, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren, ist für mich schwer zu beurteilen. Es erscheint mir heutzutage auf jeden Fall realistischer als es das glaube ich 2008 getan hätte. Wichtig ist auf jeden Fall, dass wir auch heute Menschen brauchen, die für die Freiheit und Privatsphäre kämpfen und hierbei sind Typen wie Markus, die bereit sind sich zu wehren, auf jeden Fall gefragt. Nicht alle Methoden, die in dem Buch angewandt werden, müssen unbedingt der richtige Weg sein, aber diesen Weg und seine Entwicklung mitzuverfolgen, fand ich auf jeden Fall sehr spannend und interessant, auch wenn mir die technischen Erklärungen so manches Mal ein bisschen zu ausschweifend waren. Gut fand ich auch, dass die Beweggründe der Menschen, die sich lieber anpassen wollen und nicht den Mut haben sich zu wehren, nachvollziehbar erklärt wurden und das dies auch nicht verurteilt, sondern durchaus Verständnis dafür aufgebracht wurde. Fazit: Ein Jugendbuch mit einigen Schwächen, das sehr wichtige Themen aufgreift, mit denen sich jeder beschäftigen sollte. In der Umsetzung aber mehr für Jugendliche als für Erwachsene geeignet.

Little Brother
Little Brotherby Cory DoctorowKlett Sprachen GmbH