Hmm unklar
Während des Lesens hat mir die Geschichte eigentlich ganz gut gefallen. Gegen Ende hin, hat sie mich nicht mehr sonderlich abgeholt. Das Ende war enttäuschend.
Hmm unklar
Während des Lesens hat mir die Geschichte eigentlich ganz gut gefallen. Gegen Ende hin, hat sie mich nicht mehr sonderlich abgeholt. Das Ende war enttäuschend.

Spannendes Thema, schwache Figuren
„Blaue Romanze“ von Nora Haddada ist weniger Liebesroman als politischer Diskurs im Beziehungsrahmen. Die Beziehung dient oft nur als Bühne für Debatten über den Gazakrieg, wodurch sich Teile eher wie eine Polittalkshow lesen. Die Figuren bleiben dabei recht flach, da sie vor allem Positionen vertreten. Das macht das Buch zwar intellektuell interessant, aber emotional distanziert. Zudem ist spürbar, welcher Perspektive die Autorin nähersteht und welche mehr Gewicht bekommt. Stark ist, dass der Roman die Ereignisse nach dem 7. Oktober 2023 aufgreift und zeigt, wie schnell politische Diskussionen in Schwarz-Weiß-Denken kippen.
Interessant, aber unausgeglichen
Ich konnte die Debatte der beiden Protagonist:innen irgendwie nicht ernst nehmen. Ich fand, dass Miriam nur so von Wissen und Fakten her gestrahlt hat, und dass Julian neben ihr einfach als ein sehr dümmlicher Typ durchging, der absolut keine Argumente nennen konnte. Ich hätte mir eher gewünscht, dass man dieses Aneinandergeraten deutlicher heraus lesen könnte. Man merkte einfach total, durch welche Figur die Autorin spricht. Anscheinend ist es ihr sehr schwer gefallen, die gegenüberliegende Seite irgendwie authentisch dastehen zu lassen. Sie hat mit ihrer Ansicht ja zu 1000% recht, dass will ich gar nicht sagen. Aber von diesem Gigakonflikt habe ich jz während des Lesens nicht viel gemerkt. Julian wirkte einfach wie so ein dummes Kind, dem man die Welt erklären muss.

Eine Lovestory, die mit High School Musical beginnt 🥺
„Und so waren sie, nach kurzer Zeit, wirklich sehr verliebt; eine durchaus erwähnenswerte Leistung im Berliner Dezember, dessen Tristesse und gesteigerte Gewaltbereitschaft im Allgemeinen nur das Herz von Paartherapeuten und Scheidungsanwälten höherschlagen lassen.“ Bei Myriam und Julian ist es beinahe love on first sight als sie sich in einer Bar in Marseille das erste Mal sehen. Doch erst ein gutes Jahr und Myriams Umzug nach Berlin später lernen die beiden sich kennen und verlieben sich hoffnungslos. Es gibt da nur ein kleines Problem: Während Myriam als Französin mit algerischer Herkunft postkoloniale Theorien an der Uni lehrt, schreibt Julian als freier Journalist für (rechts)konservative Medien. Doch beide sind sich sicher, dass sie diese kleine Ungleichheit verdrängen können. Ihre Freund:innen sehen das aber anders. Eine Goodreads-Bewertung sagt über das Buch: „Romeo und Julia, but make them anti-deutsch und pro-Palestinä“. Und naja, was soll ich sagen, that’s the plot. Der Roman spielt nach dem 7. Oktober 2023 und betrachtet die pro-Palästina-Bewegung sowie das antideutsche Lager, die in der von politischen Spannungen geprägten Zeit immer wieder aneinandergeraten. Nora Haddada packt ins Zentrum dieser gesellschaftlichen und politischen Debatten eine Liebesgeschichte, in der beide Liebenden gewillt sind, über diesen so großen, unüberbrückbaren Konflikt, der die beiden umtreibt, hinwegzusehen. Aber reicht eine „wahnsinnige“ Liebe, um politische Grundsätze auszuhebeln? Der Roman bringt den Nahost-Konflikt auf eine persönliche, leicht greifbare Ebene und verwebt eine Leichtigkeit darin, mit der ich so nicht gerechnet habe, die aber die Lektüre zu einem binge-reading verwandelt. Das Ende hat mich kalt erwischt, aber alles in allem war es auch nur die logische Konsequenz. „Blaue Romanze“ ist ein Buch, bei dem nicht wollte, dass es endet. Mein erster 5🌟 read 2026!
Hab mich vom Inhalt angesprochen gefühlt und fand die Storyline auch interessant gebaut, aber der Sprachstil gefiel mir nicht. War mir persönlich zu geschwollen.
Rezension folgt
Ein sehr aktueller und authentischer Text über die Debatte um den Israel-Palästina-Konflikt. Zum Teil sehr bildungsbürgerlich geschrieben und daher ziemlich exklusiv, aber vermutlich ist das die Wunsch-Zielgruppe des Buches/der Autorin. Find ich bei so einem wichtigen Thema ein bisschen schade.
ROMEO UND JULIA UND DER NACHOSTKONFLIKT Wenn einem Roman ein Zitat aus William Shakespeares „Romeo und Julia“ als Paratext vorangestellt wird, dann darf man mindestens auf eine große Liebesgeschichte hoffen und muss zugleich deren tragisches Ende fürchten. Ersteres – so viel sei verrät bereits der Klappentest - löst Nora Haddadas zweiter Roman „Blaue Romanze“, der diese Woche erschienen ist, ein, denn er erzählt die Geschichte der Beziehung zwischen Myriam aus Paris und Julian aus Berlin. Die beiden lernen sich 2022 in einer Karaoke-Bar in Marseille kennen, verbringen die ganze Nacht redend auf einem Baugerüst mit Blick über die Stadt und verlieren sich anschließend aus den Augen, da sie es verpassen, ihre Kontaktdaten und Namen auszutauschen – ein Fehler, den beide Bald bereuen. Erst über ein Jahr später laufen sich die beiden zufällig und schon fast verkitscht klischeehaft erneut über den Weg als Myriam für eine Promotionsstelle nach Berlin zieht und täglich in der Staatsbibliothek an ihrer Seminarvorbereitung und an ihrer Dissertation arbeitet. Auch Julian zieht es täglich in die „Stabi“, in der er zuvor nach mehreren Anläufen seine Masterarbeit verfasst hat und sich diese Struktur auch für seinen Job als Polit-Journalist bewahrt hat. Und so kommt es, wie es sich Nicholas Sparks nicht kitschiger hätte ausdenken können: In einer Szene, in der Haddadas Text mit alternierender Erzählperspektive und schnellen Schnitten ständig zwischen Myriam und Julian wechselt, verpassen sich die beiden jeweils im wenige Augenblicke, drohen sich erneut zu verlieren und finden dann durch einen Zufall doch endlich zueinander. Ein Happy End also? Nein, denn hier gehen die Probleme erst los, denn die beiden Protagonisten gehören, wie auch Shakespeares tragische Held*innen zwei Gruppen an, deren Wertgrundlage unvereinbar miteinander zu sein scheint und deren Angehörige die Verbindung der beiden Liebenden als Verrat an der eigenen Sache betrachten. Anders als jedoch bei dem berühmten Paar aus Verona sind es aber keine Familiären Widerstände, die die Beziehung zu verhindern versuchen als vielmehr politische und philosophische Grabenkämpfe. So promoviert die Französin Myriam, geprägt von ihren familiären Wurzeln nach Algerien, über die Legitimation von gewaltsamem Widerstand, ist belesen in politischer Theorie und gehört einem Lehrstuhl der postkolonialen Theorie an und einem Freundeskreis, dessen Denken durch solche Denker wie Edward Said und Rashid Khalidi geprägt wird. Auch Julian ist politisch und philosophisch gebildet, denn seine Sozialisation in linken Jugendzentren führten zu einer akademischen Auseinandersetzung mit Denker*innen der Kritischen Theorie, wie Adorno und Benjamin, über den er auch seine Abschlussarbeit schrieb. Da das erneute Zusammenfinden der beiden nun allerdings nach dem 7. Oktober 23, dem terroristischen Massaker das Hamas im Grenzgebiet Israels zum Gaza-Streifen und dem darauffolgenden, bis heute andauernden und ebenso zu verurteilenden Militärschlag Israels in Gaza stattfindet, erzählt Nora Haddada anhand der Geschichte des Paares, das die frische Beziehung vor den Freunden zu verheimlichen und politische Themen untereinander zu vermeiden versucht die Diskurse um den sog. Nahostkonflikt. Zwar begreifen sich beiden und auch ihre Freunde als Links, verstehen darunter jedoch kaum dasselbe. Während Myriams Umfeld sich als primär antirassistische Link versteht, deren Welt nur aus Herrschenden und Unterdrückten besteht und sie immer auf Seiten der Letztgenannten stehen; speist sich das Selbstverständnis von Julians Umfeld aus der Präzedenzlosigkeit der deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs und Adornos Forderung danach, dass alles darauf auszurichten sei, dass sich ein Ereignis wie der Holocaust niemals wiederhole. Konkret bedeutet das für die einen eine nahezu unkritische Solidarität mit den Palästinenser*innen in Gaza und für die anderen eine ebenso unkritische Israel-Solidarität. Wirken die Freunde der beiden in der Radikalität ihrer Ansicht wie comic-relief artige Ausgeburten gegenwärtige Kommentarspalten von Meldungen zu Gaza und Israel. Eine Teil des Paratexts von Shakespeare weist darauf hin, dass tugendhaftes Handeln ins Negative umschlagen kann, wenn es aus den falschen Gründen geschieht, aber zeigt die Geschichte um die beiden Mitzwanziger den Leser*innen, wann es dies nicht tut bzw. was richtiges Handeln im Kontext dieser Debatten ist? Plastisch zeigt Nora Haddada in ihrem Roman, was es auf zwischenmenschlicher und persönlicher Ebene bedeutet, wenn wir die Fähigkeit nicht zurückgewinnen, Gleichzeitigkeit auszuhalten; auf der einen Seite um die Opfer des Angriffs der Hamas und deren Geiseln zu trauern und andererseits die Kamphandlungen der israelischen Regierung zu verurteilen. Dabei bedient sich der Roman auf der gesamten Länge der bereits erwähnten Wechsel zwischen der personalen Perspektive Myriams und Julians, was ihn, zumindest für mich, durch das hohe Erzähltempo zu einem echten Pageturner machte, auch wenn ich inhaltlich durchaus neuralgische Punkte in dem sehe, was dieser Text versucht. Auf einer allgemeinen Ebene wäre da zum Beispiel die Frage, ob es der Autorin wirklich gelinkt, einerseits eine mitreißende Liebesgeschichte zu erzählen und andererseits, ohne ins essayistische Referieren zu verfallen, diesen komplexen Diskurs in die Romanhandlung zu integrieren. Auf Ebene des verhandelten Themas führt die alternierende Erzählweise zudem dazu, dass hier zwei Positionen als gleichwertig dargestellt werden, obschon Kontexte und Ereignisse ausgeblendet werden, die an der Legitimität beider Positionen rütteln. So fehlt die Einordnung der Boykottbewegung BDS in den Antisemitismus-Diskurs und gewalttätige Übergriffe auf jüdische Menschen und andere antisemitische Straftaten im Nachgang des 7. Oktober bleiben ebenfalls weitestgehend unerwähnt. Zudem blieb für mich am Ende die Frage, ob das Thema hier so bearbeitet wurde, dass es auch für jemanden, der diese Diskurse nicht so gut kennt, verständlich und nachvollziehbar aufgearbeitet wurden. Daher hätte ich den Roman gerne mit anderen zusammen gelesen und bin sehr gespannt auf weitere Meinungen zu Nora Haddadas Roman, den ich auch trotz oder gerade wegen der hier erwähnten Fragezeichen meinerseits, wegen seines zwischenzeitlichen Humors, seiner dann doch verträumt-schönen und nie prätentiösen Liebesszenen sehr gerne gelesen habe und über den ich noch Tage nach der letzten Zeit habe nachdenken müssen. Danke an @sfischerverlage für das Rezensionsexemplar.
Hat mich komplett überrascht, mitgenommen, aufgeklärt, überzeugt und zu Tränen gerührt. Wow?