Interessante Erzählung, die sich in der Charakterstudie zeichnet. 👍 Der Roman Lazarus Man von Richard Price zeichnet ein dichtes, vielstimmiges Bild eines New Yorker Viertels nach einer Katastrophe und stellt dabei weniger die Handlung als die Menschen in den Mittelpunkt. Die Spannung liegt in der Figurenzeichnung. Ausgangspunkt ist der Einsturz eines Wohnhauses in Harlem im Jahr 2008, der das Leben vieler Bewohner abrupt verändert. Im Zentrum steht Anthony Carter, ein ehemaliger Drogensüchtiger, der wie durch ein Wunder lebend aus den Trümmern gerettet wird. Dieses Ereignis macht ihn zu einer Art Symbolfigur für Überleben und Neuanfang, doch seine neue Rolle ist alles andere als eindeutig: Er schwankt zwischen ehrlicher Veränderung und seiner neuen Rolle in der Öffentlichkeit. Neben ihm begleitet der Roman weitere Figuren, deren Lebenswege sich durch das Unglück kreuzen: eine Ermittlerin, die verzweifelt nach Vermissten sucht, ein Bestatter, der zwischen Geschäft und Moral steht und mit der Katastrophe seine Geschäfte macht, sowie ein junger Filmemacher, der versucht, die Geschehnisse mit einer Kamera festzuhalten und ihnen Bedeutung zu geben. Die Handlung entwickelt sich dabei nicht geradlinig, sondern setzt sich aus verschiedenen Perspektiven zusammen, beinahe mosaikartig, was mir persönlich weniger gefällt. Der Roman konzentriert sich weniger auf die Ursachen des Einsturzes als auf dessen Folgen: Verlust, Unsicherheit und die Frage, wie Menschen mit plötzlichen Brüchen umgehen. Besonders auffällig ist, wie fein Price die sozialen Spannungen und die Dynamik eines Viertels einfängt, das zwischen Zusammenhalt und individuellen Interessen schwankt. Insgesamt überzeugt das Buch durch seine glaubwürdigen Dialoge und die präzise Darstellung des Lebens in diesem Milieu. Die Figuren wirken komplex und authentisch, und die Atmosphäre ist dicht und eindringlich. Gleichzeitig verzichtet die Geschichte bewusst auf klassische Spannungsbögen oder klare Linien, was stellenweise auf mich etwas ziellos gewirkt hat. Gerade diese Offenheit würde manchen Lesern den Reiz ausmachen, das Gefühl zu haben, als beobachte man echte Realität, statt einer konstruierten Handlung zu folgen.
Sternebewertung fiktiv
Ein Wohnhaus stürzt ein, mitten in East Harlem, New York. Trümmer, Chaos, Verletzte, Vermisste. Richard Price nimmt uns mit in ein New York, das viele Besucher nie wirklich kennenlernen. Nicht die glänzende Skyline, nicht die Postkartenbilder, sondern ein Viertel voller Geschichten, voller Menschen und voller Leben. Einer der Überlebenden ist Anthony Carter. Er wird aus den Trümmern gerettet und plötzlich steht er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Seine Rettung macht ihn zum Medienstar, doch hinter dieser Geschichte stehen noch viele andere. Was als dramatisches Ereignis beginnt, entwickelt sich zu einem ruhigen, sehr bildlichen Roman über Menschen, über Nachbarschaften und über die Realität eines Viertels. Richard Price ist vielen als Drehbuchautor bekannt, und genau das merkt man seinem Stil auch an. Die Szenen wirken lebendig, die Dialoge authentisch und die Figuren sehr nahbar. Man hat beim Lesen oft das Gefühl, direkt durch die Straßen von East Harlem zu gehen. Besonders gefallen hat mir, wie viel Atmosphäre dieses Buch hat. Es ist kein lauter, actionreicher Roman, sondern eher ein stiller Blick auf Menschen und ihre Geschichten. New York ist ohnehin eine Stadt, die sich einprägt. Wer einmal dort war, vergisst sie nicht mehr. Beim Lesen kamen viele Erinnerungen zurück, dieses besondere Gefühl dieser Stadt, das man schwer beschreiben kann. Für mich daher eine klare Empfehlung.

