13. Mai
Rating:5

„Kaltes Krematorium“ von Jószef Debreczeni ist ein Buch, das mich tief erschüttert hat. Schonungslos und eindringlich schildert der Autor seine Zeit in verschiedenen Konzentrationslagern – Erfahrungen, deren Grauen sich kaum in Worte fassen lässt. Geprägt von Hunger, Kälte, Krankheiten und Läusen müssen die Häftlinge unmenschliche Arbeit leisten. Besonders die ständige Plage durch Läuse beschreibt Debreczeni immer wieder – ein Detail, das die unerträglichen Lebensbedingungen noch greifbarer macht. Sein Leidensweg führt ihn von Bačka Topola über Eule und Fürstenstein bis nach Dörnhau. Dort landet er schließlich im Krankenrevier – einem Ort, an dem die Menschen nur noch dahinvegetieren. Ein „kaltes Krematorium“, wie er es selbst nennt. Debreczeni gehört zu den wenigen Überlebenden, die schließlich von der Roten Armee befreit werden. Bereits 1950 erschien sein Bericht in ungarischer Sprache, geriet jedoch lange in Vergessenheit. Erst mehr als 70 Jahre später wurde das Werk wiederentdeckt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ein Buch, das unter die Haut geht und lange nachhallt. Eine eindringliche Erinnerung daran, was niemals vergessen werden darf.

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
9. Mai
Rating:5

„Kaltes Krematorium“ ist kein Buch, das man einfach liest – es ist ein Buch, das man aushalten muss. József Debreczeni schildert seine Erfahrungen im nationalsozialistischen Lagern, darunter auch Auschwitz, mit einer Klarheit und Nüchternheit, die tief erschüttert. Seine Sprache bleibt dabei oft so sachlich, dass sich das erlebte Grauen mit einer umso größere Wucht zu entfalten scheint. Es gibt keine dramatische Zuspitzung, keine künstliche Emotionalisierung, kein Übertreiben und genau das macht die geschilderten Ereignisse so beklemmend. Schon zu Beginn wie die Menschen ins Lager kommen per Zug, "sortiert" und belogen werden oder der Weg ins Lager. Beim Lesen wird einem immer wieder bewusst, dass hinter jeder beschriebenen Szene wahnsinnig viele reale Schicksale stehen. Dem Autor gelingt es, das Unfassbare greifbar zu machen. Die Unmenschlichkeit des Systems, die Willkür, der tägliche Kampf ums Überleben für die Insassen. All das wird schonungslos, aber nie sensationsheischend dargestellt. Erschreckend ist dabei auch der Umgang der Insassen untereinander. Besonders berührend ist, wie viel Menschlichkeit trotz allem zwischen den Zeilen spürbar bleibt. Egal ob kleine Gesten, Gedanken, Freundschaft oder Erinnerungen. Reste von Würde die bleiben in einer Welt, die genau diese auslöschen wollte für gewisse Menschegruppen. Fazit Dieses Buch hinterlässt keine „klassische“ Leseerfahrung. Es ist schwer, belastend und stellenweise kaum zu ertragen. Und doch ist es wichtig. Es erinnert, es mahnt und es zwingt dazu, hinzusehen. „Kaltes Krematorium“ ist ein eindringliches Zeitdokument, das lange nachwirkt. Keine leichte Lektüre, aber eine, die gelesen werden sollte. Vor allem auch im Unterricht. Von mir gibt es 5 Sterne

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
24. Feb.
Rating:5

Der Holocaust wird seinen Schrecken nie verlieren. Ich zumindest bin bei jedem Zeitzeugnis immer wieder aufs Neue bis ins Mark erschüttert. Dieses Buch ist da keine Ausnahme. Durch die schonungslose Darstellung in einem sachlichen Ton, wird der Schrecken für mich dabei noch viel präsenter. Man mag sich die menschlichen Abgründe gar nicht vorstellen, muss es aber. Diese Zeit darf niemals vergessen werden.

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
25. Jan.
Rating:5

Muss gelesen werden!

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie packend dieses Buch ist. Es ist eine analytische und nüchterne Darstellung der Geschehnisse. Dieses Buch vermittelt sehr genau die Schrecken des Holocaust, deshalb muss man evtl. Pausen einlegen, um das alles zu Begreifen. Aber deshalb ist das Buch gut geschrieben, weil es unmissverständlich klar macht, was passiert ist. Meiner Meinung nach sollte jeder dieses Buch lesen oder generell sich mit Thema auseinandersetzten. In Gedenken an alle Menschen, die ihr Leben auf so eine tragische Art und Weise verloren haben. 🕊🕊

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
9. Sept.
Rating:4.5

METAMORPHOSE Mit Jószef Debreczenis Zeugnis „Kaltes Krematorium“ liegt nun die bereits 1950 erstmals veröffentliche Auseinandersetzung des ungarischen Journalisten mit den eigenen Erfahrungen während des Holocaust auf Deutsch vor. Dabei ist es in meinen Augen schwer zu erklären und noch schwerer zu rechtfertigen, dass eine Übersetzung und eine Veröffentlichung im Land der Täter*innen solange auf sich hat warten lassen, denn Debreczenis „Bericht“ hat es nicht nur inhaltlich ebenso wie jedes andere Zeugnis über diese Zeit, verdient gelesen zu werden, sondern gehört sprachlich und konzeptionell in einer Reihe mit den großen literarischen Bewältigungsversuchen von Klüger, Levi, Kertész, Semprun und anderen genannt. Zudem hat es „Kaltes Krematorium“ vollbracht, meine Aufmerksamkeit auf einen Aspekt des nationalsozialistischen Lager- und Vernichtungssystems zu richten, von dem ich bisher noch nichts wusste. Autobiografisch erzählt Debreczeni die Geschichte einer Verwandlung, die damit beginnt, dass er und die mit ihm, in einem Viehwagon zusammengepferchten Jüd*innen nach zwei Tagen der Deportation nach Auschwitz, ihre Notdurft außerhalb des Wagons an einem Waldesrand verrichten durften. Menschen, die Tage zuvor noch darauf achteten, sich modisch zu kleiden, hockten nun mit stumpfem Blick, halbnackt im Freien. In diesem Moment, in dem die Nazis diesen Menschen die aufrechte Haltung und ihre Würde nahmen, wähnt der Autor den Beginn einer Veränderung, die ihn selbst über Auschwitz, in das sog. Außenlager „Eule“ des KZ Groß-Rosen in Niederschlesien führt. Dieses gehörte zum sogenannten „Komplex Riese“ im Eulengebirge und die dortigen Häftlinge hatten ein schier unüberschaubares Stollensystem zu erreichten, das u.a. eine alternative Rückzugsmöglichkeit für Hitler und seine Gefolgsleute darstellen sollte. Dieser strapaziöse Sklavendienst untertage war nicht nur sehr gefährlich, sondern sorgte zusammen mit der unzureichenden Versorgung der Häftlinge dafür, dass diese zumeist nur wenige Wochen überlebten. Entging Debreczeni in Auschwitz durch Intuition während der Selektion der Ankommenden dem Tod, so meldete er sich nach einigen Wochen in „Eule“ freiwillig, um in den Gaskammern Birkenaus von seinem Leid erlöst zu werden. Allerdings führt ihn die anschließende Deportation nicht zurück nach Auschwitz, sondern in das, ebenfalls dem „Komplex Riese“ zugeordnete „Kranken- und Sterbelager“ Dörnhau, in dem die Nazis die völlig entkräfteten, kranken und aller Menschlichkeit beraubten Häftlinge zu tausenden zwischen Flüssen ihren eigenen Exkrementen und anderen Ausscheidungen, bei geringster Versorgung mit Nahrung dahinsiechen lassen, bis diese sterben, weshalb dieser Ort von den Häftlingen auch als das titelgebende „Kalte Krematorium“ bezeichnet wird. Von diesem Punkt der Metamorphose des Menschen, der erst zum Häftling und Sklaven ohne Namen, Berufe und Moral gemacht wurde und dessen Handeln nunmehr (wenn überhaupt) nur noch auf Instinkten beruht, soll es – wenn es nach den Tätern geht - eigentlich keine Rückkehr geben, aber Debreczeni überlebt durch Intuition, Glück, Zufall, enormem Willen und durch den Wert, der seinem Beruf als Journalist zugemessen wird, wenn es um die Frage danach geht, wer von den Taten der Deutschen und von jenen, die diesen zum Opfer fielen, berichten soll und kann. „Kaltes Krematorium“ ist der Versuch, dem Holocaust mit den Mitteln der literarischen Reportage beizukommen. So schaut das berichtende Ich sehr genau hin, skizziert die Strukturen und Hierarchien, die das Vernichtungssystem der Deutschen prägen und die Debreczeni analog zu den Machtstrukturen einer Nation darstellt und wirft detaillierte, teilweise nur schwer erträgliche Blicke auf alles, was Scham und Ekel hervorruft. Damit liefert der Bericht ein Gegennarrativ zur Vorstellung vom durchorganisierten und „sauberen“ Vernichtungsprozess der Nazis ebenso wie zur Annahme, im Rahmen der Wannseekonferenz gefasste Entschlüsse der Nazis hätten zur einer vereinheitlichten Vernichtung der Opfer im Gas geführt.. Der Gattung der Reportage folgend, verwebt der Autor die Ebene einer, sich als gegenwärtig ausgebenden Erinnerung mit der, eines sich nachträglich erinnernden Ichs, das zur Reflexion und Deutung in der Lage ist. Der immer wieder verwendete Wechsel in der Verwendung der Tempora des Präsens und des Präteritums zeigt zudem, dass das Grauen, das die Überlebenden über sich ergehen lassen mussten, nicht einfach mit deren Befreiung beendet wurde, sondern fortdauert. Dabei verweist Debreczeni bereits in diesem frühen Text der Holocaustliteratur, auf der Problem der Darstellbarkeit der Shoa, wenn er über den Rauch aus Birkenaus Schornsteinen und die Erkenntnis, dass dieser auf die Ermordung derjenigen zurückgeht, mit denen er an diesen Ort kam, schreibt: „Es ist zweifellos wahr und doch unfassbar.“ (S. 51) Anders als Jonathan Glazers, im letzten Jahr viel besprochener Film „Zone of interest“ löst Debreczeni dieses Problem nicht dadurch auf, den Blick auf die Täter*innen zu fokussieren und so nach Motiven und Hintergründen dieser Taten zu fragen, sondern diese Täter*innen der SS kommen im Text, wenn überhaupt nur an der Peripherie des Erzählten als „die Grauen“ vor oder aber als eindimensionale Schlächter. Dies ermöglicht es Debreczeni einerseits die perfide Anlage dieses Systems zu zeigen, in denen Gefangene über andere Gefangene herrschen und andererseits schafft er es so immer wieder durch die, im Gegensatz zu den Täter*innen, sehr detaillierte Beschreibung seiner Mithäftlinge und ihrer Geschichten, den Opfern ein Denkmal zu errichten und so Erinnerungsarbeit im wörtlichsten aller Sinne zu leisten. Im Nachwort sagt die großartige Carolin Emcke @emckecarolin : „Es macht keinem Sinn, 'nie wieder' zu rufen, wenn gar nicht mehr gewusst wird, was es war, das sich nie wieder ereignen soll." (S. 258) Dieser Text trägt auf erzählerisch und sprachlich ebenso drastische wie auch kunstfertige Weise dazu bei, ein wenig besser zu wissen, was mit diesem „Nie wieder“ denn gemeint sein sollte. LESEN! Übersetzt von Timea Tankó.

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
12. Aug.
Ein Zeitzeugnis, dass im Verlauf unter die Haut geht, aber kein literarisches Meisterwerk ist.
Rating:3

Ein Zeitzeugnis, dass im Verlauf unter die Haut geht, aber kein literarisches Meisterwerk ist.

╰ 𝗠𝗘𝗜𝗡 𝗟𝗘𝗦𝗘𝗘𝗜𝗡𝗗𝗥𝗨𝗖𝗞 Die vielen positiven Stimmen zum Buch haben meine Erwartungen enorm hochgeschraubt. Was würde mich erwarten? Wie brutal würde die Geschichte sein? Vor dem Lesen hatte ich Respekt, vielleicht sogar Angst, vor dem was mich erwarten würde. Anfangs konnte mich die Erzählung kaum berühren. József Debreczeni berichtet erstaunlich distanziert, fast nüchtern von seiner Deportation und den verschiedenen Lagern. Wer vor allem über Auschwitz lesen will, könnte überrascht sein: Debreczeni war dort nur kurz. Der Großteil spielt in anderen Lagern. Das schmälert aber keinesfalls die Bedeutung seiner Geschichte! Im Verlauf erschüttert das Buch durch die schonungslose Darstellung der systematischen Brutalität und der fast völligen Abwesenheit von Zivilcourage. Die Schilderungen vom Überlebenskampf und der gnadenlosen Rangordnung unter den Häftlingen sind sehr hart. Der Autor verurteilt auch die Mithäftlinge, die in ihrer Verzweiflung zu Mittätern wurden oder sich dem System beugten. Es ist für mich kein „literarischer Diamant“, aber ein wichtiges Zeitzeugnis, dass einem im Verlauf immer tiefer unter die Haut geht. ╰ 𝗠𝗘𝗜𝗡 𝗙𝗔𝗭𝗜𝗧 Ein Zeitzeugnis, dass im Verlauf unter die Haut geht, aber kein literarisches Meisterwerk ist. ╰ 𝗠𝗘𝗜𝗡𝗘 𝗕𝗘𝗪𝗘𝗥𝗧𝗨𝗡𝗚 3 / 5 ⭐️ Liebste Grüße 📚📖 Jeanette

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
16. Juli
Rating:5

Der Autor/ Ich- Erzähler war Journalist. Lesenswert !

Zu diesem Thema gibt es unglaublich viel Literatur und trotz dessen ich schon etliche Erlebnisberichte zu diesem Thema gelesen habe, ist es doch immer wieder etwas Neues, anders neu irgendwie. Die Inhalte ähneln sich auf die eine oder andere Weise aber sind doch auch ganz anders. Das Buch ist in einem sehr guten Schreibstil verfasst. Der Autor schaffte es, so zu schreiben, daß man zwangsläufig extrem mitfühlt, obwohl man sich kaum ausmalen mag, wie es war und es auch nie begreifen kann, als Nichtopfer. Der Autor ist dem Tod mehrmals von der Schippe gesprungen und das zentrale Thema im Lager waren Hunger und Erkrankungen. In jedem Buch dieser Art spielen diese Dinge eine zentrale Rolle, in diesem Buch hat man das Gefühl, es annähernd zu verstehen. Lesenswert und eines der Besten als Erfahrungsbericht.

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
28. Juni
Rating:4.5

Schonungslos beschreibt Kaltes Krematorium, wie Menschen ihrer Menschlichkeit beraubt worden sind. Wie aus jüdischen Menschen mit einer Familie, einem Beruf, mit einem Leben die reine Verzweiflung wird. Dieses Menschenverbrechen ist und bleibt ungeheuerlich. Für Debreczeni ist nichts nebensächlich, nichts tabu, auch nicht was Ekel und Scham auslöst. Auch in unserer heutigen Gegenwart ist dieser Bericht aus dem Inneren von Auschwitz nötig und zeitgemäß, denn jüdischer Schmerz und Trauer gepaart mit antisemitischer Gewalt und Verachtung bleiben leider bis heute erhalten.

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
9. März
Rating:5

Ein wahnsinnig wichtiges und eindringliches Buch.

„Man kann nicht Millionen von Menschen dazu zwingen, die moralische Verantwortung für solche Handlungen zu tragen, wenn es in ihnen nicht eine unbewusste, stillschweigende Zustimmung gibt. Die Deutschen sind das Volk der Musiker, der Denker und – der Sadisten.“ (S. 88) Der Ungar József Debreczeni war Journalist und Dichter – und Jude. 1944 wurde er zuerst nach Auschwitz deportiert, dann durch verschiedene andere Konzentrationslager gezwungen. Dass er angesichts von Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten und der internen Lagerstrukturen überhaupt überlebt hat, ist kaum zu glauben. Nach der Befreiung verarbeitete er sein Erlebnis in Buchform. Schon 1950 erschien „Kaltes Krematorium“ (Rezensionsexemplar) auf ungarisch – und erst jetzt, über 70 Jahre später, wurde es in die Sprache der Täter übersetzt. Das allein ist schon unfassbar. Aber wenigstens liegt es jetzt, endlich, von Timea Tankó übersetzt und vom Fischer Verlag verlegt, vor. Ich lese vergleichseweise häufig Bücher zur Shoah, aber dabei gilt immer, was Carolin Emcke im Nachwort dieses Buchs so treffend schreibt: „Ganz gleich, wie viel historisches Wissen schon vorhanden ist, ganz gleich, wie viele Texte von Überlebenden, wie viele Dokumente, Filme, Zeugnisse man schon kennt, dieses Menschheitsverbrechrn ist und bleibt ungeheuerlich. Daran lässt sich nicht gewöhnen. Das wird nie nomal. Das lässt in seiner Abscheulichkeit nicht nach.“ (S. 253) Und doch findet täglich ein Angriff auf das Gedenken an dieses Verbrechen, das von in sehr vielen Fälle unseren Großeltern oder Urgroßeltern begangen wurde, statt. Während gleichzeitig das, was da begangen wurde, zunehmend aus dem Blick gerät. Und was da begangen wurde, was dieses Täterland im europäischen Ausland Jüdinnen_Juden, Sintizze*Romnja, politischen Gefangenen, Homosexuellen und anderen angetan hat, darüber schreibt Debreczeni mit eindrücklicher Sprache. Auf jeder Seite wird deutlich, dass da jemand sein monatelanges Martyrium mit den geschulten Augen eines Journalisten beobachtet, bewertet, analysiert hat. Und dass er es mit den Worten eines Dichters in eine Form bringt, durch die sich beim Lesen alle Aufmerksamkeit auf dieses Buch verengt, weil es eigentlich nicht zu ertragen ist. Debreczeni legt den Fokus auf die internen Lagerstrukturen. Er beschreibt das Kapo-System, den ausgeklügelten Psychoterror des NS, der Väter und Söhne einander bekämpfen lässt und der dazu führt, dass Gefangene andere Gefangene erniedrigen, teils aus dem Bedürfnis, die eigene Entwürdigung weiterzugeben, teils aus Angst vor den Konsequenzen bei Ungehorsam. Er beschreibt die alltäglichen Überlebenstricks, den Wert von Suppe, die Zustände von Krankheiten und Not. Er beschreibt, wie noch der größte Abfall einen Wert erhält und eingetauscht werden kann, weil irgendjemand ihn gebrauchen kann. Und er beschreibt, wie oft es gerade von den kleinen Resten Zwischenmenschlichkeit abhängt, ob man überlebt, in diesen Lagern, in denen den Gefangenen zuallererst alle Mesnchlichkeit und alle Würde genommen wird. Ich verstehe gut, warum „Kaltes Krematorium“ als eins der wichtigsten der Holocaust-Literatur gilt. So viele Stellen habe ich mir angestrichen, könnte Zitat um Zitat in diese Rezension reihen, aber die wirkliche Wirkung entfalten sie doch nur, wenn man das Buch in Gänze liest. Und das sollte man. Denn das haben Menschen Menschen angetan. Bitte lest das Buch. Es ist so wichtig.

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
23. Feb.
Rating:5

„Was Debreczeni erzählt: Es ist nicht auszuhalten, und es gehört doch ausgehalten. Es ist unerträglich, und es muss angenommen werden als Aufgabe. Wir müssen es als unerträglich erkennen und es zu ertragen versuchen.“ (Carolin Emcke in ihrem Nachwort zu József Debreczenis Erinnerungen an Auschwitz) Ein bildstarker, sprachgewaltiger , tief erschütternder Zeitzeugenbericht direkt aus der Hölle. Scham, Hass, Mitleid, Ekel, Angst, Fassungslosigkeit…und das immer wieder im Wechsel. Mir fehlen die Worte meine Leseeefahrung besser zu beschreiben.

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER
16. Jan.
Rating:5

Ein unglaublich wichtiges Buch!

Ein unglaublich wichtiges Buch! Kaltes Krematorium von Jozsef Debreczeni ist ein Zeitdokument, das ich nicht auf einmal durchlesen konnte. Zu grausam und unvorstellbar sind die Geschehnisse aus der Hitlerzeit, geschildert von einem Zeitzeugen. Jozsef Debreczeni hat seinen Bericht aus dem "Land namens Auschwitz" bereits 1950 erstmals veröffentlicht, allerdings ist er erst 2024 in 15 andere Sprachen übersetzt worden, darunter auch deutsch. Jozsef Debreczeni ist das Pseudonym des ungarischen Journalisten und Schriftstellers Jozsef Bruner. Er wird 1944 nach Auschwitz deportiert. Nur durch Zufall entgeht er der Gaskammer, weil er statt des LKW-Transports den Fußweg wählt. Zwölf Monate wird er in dem riesigen Lagerkomplex Auschwitz durch verschiedene Konzentrations- und Arbeitslager verlegt, zuletzt befindet er sich im kalten Krematorium, der Krankenbaracke des Arbeitslagers Dörnhau. Er beschreibt aus der Sicht des Journalisten seine Erfahrungen, die Hierarchien innerhalb der Lager zwischen den Häftlingen und die Tagesabläufe und Schikanen mit unglaublicher Präzision. Im Hinterkopf hat der Lesende allerdings immer die Gewissheit, dass es sich nicht um eine fiktive Handlung sondern um grausame und unvorstellbare Tatsachen handelt. Wie Menschen in Not, denen Macht gegeben wird, handeln lässt mich fassungslos zurück. Dieses Werk von Debreczeni kann man nicht beschreiben, man muss es selbst lesen. Und meiner Meinung nach ist es genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen. Einem Zeitpunkt, zu dem es kaum noch lebende Zeitzeugen mehr gibt. Einem Zeitpunkt, zu dem die gewählten Verantwortlichen der Welt immer mehr an den rechten Rand rücken. Einem Zeitpunkt, zu dem viele Menschen immer mehr Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken Glauben schenken. Ein Werk, das als Pflichtlektüre in Schulen eingeführt werden sollte. Es ist gut und wichtig, dass dieses Werk nach 70 Jahren endlich in deutscher Übersetzung vorliegt! Es sollte auch in jeder öffentlichen Bücherei und Onleihe zur Verfügung stehen… Verlag: S. Fischer Verlag ISBN: 978-3-10-397544-4 272 Seiten Erschienen am 27.11.2024

Kaltes Krematorium
Kaltes Krematoriumby József DebreczeniS. FISCHER