Ein wahrer Lesegenuss! 📖
Anthony Bale hat mit „Reisen im Mittelalter“ ein wunderbares Buch über eine bislang kaum beachtete Perspektive verfasst: Die Reiseliteratur. Ältere Semester kennen sie vermutlich als die kleinen Marco Polo-Büchlein, jüngere folgen vermutlich überwiegend entsprechenden Influencern in den sozialen Medien. Dabei vergessen wir allzu leicht, was reisen vor 1000 bis 500 Jahren bedeutete: Strapazen, Aufbrüche ins Ungewisse, Gefahren, aber auch Erkenntnisgewinn, exotische Erfahrungen und Begegnungen der Kulturen. Das macht wiederum die Gemeinsamkeiten des Reisens, damals und heute, deutlich. Bale schreibt prägnant und fesselnd, ohne den geschichtswissenschaftlichen Anspruch und dessen Präzision zu vernachlässigen. Ein Markenzeichen angelsächsischer Historiker*innen. Besonders erhellend finde ich die vielen Quellen und Vorstellungen damaliger Reisender, die uns heute unglaublich obskur anmuten. Wer dieses Buch liest, wird viel über die zig vermuteten Jungbrunnen, den Alten vom Berge, das sagenhafte Reich des Priesterkönigs Johannes oder die strengen Regeln beim Essen in einer mongolischen Jurte kennenlernen. Viel Spaß damit!


