17. Apr.
Rating:5

Für mich einer der interessantesten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre. Ungewöhnlich, nachdenklich machend, philosophisch. Die Idee, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in dieser Form miteinander zu verknüpfen, ist großartig.

Die Passagierin
Die Passagierinby Franz FriedrichS. FISCHER
5. Feb.
Rating:3

Tolle Idee, schlechte Umsetzung

Die Grundidee dieses Buch ist wirklich toll und auch spannend. Leider wurde hieraus nicht viel gemacht. Die Geschichte ist nicht so langweilig wie viele Bewertungen es beschreiben. Viele Abschnitte sind wirklich interessant , jedoch bleiben alle Handlungsstränge unvollendet. Das frustriert wohl am Meisten. Eine interessante Geschichte ohne Ende, ist eben dann leider nicht sehr befriedigend. Warum das Buch auf der Liste des deutschen Buchpreises war, kann ich nicht verstehen. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Die Passagierin
Die Passagierinby Franz FriedrichS. FISCHER
11. Dez.
Rating:4

„So wie ich kam auch Winda aus einer Welt, in der Zeitreisen Science-Fiction und das am weitesten von Menschen erreichbare Ziel der Mond gewesen war.“ Und für uns ist das eben Science-Fiction, und zwar mit Blick auf die Menschen, die ebenjene Zeitsprünge gemacht haben. Aufregendes Konzept!

Die Passagierin
Die Passagierinby Franz FriedrichS. FISCHER
23. Sept.
Ich war mehr außerhalb des Buches als im der Geschichte
Rating:3

Ich war mehr außerhalb des Buches als im der Geschichte

Ich habe ein Faible für Dystopien. Eine Dystopie gepaart mit Zeireisen ist umso perfekter. Dachte ich. Der Klappentext vom Buch machte mich sehr neugierig. Heather, die Protagonistin kehrt an den Ort zurück aus dem sie evakuiert wurde. Alles ist wie damals nur anders. Sie trifft auf Menschen, die aus einer anderen Zeitepoche dort gestrandet sind und sie trifft auf Menschen, die auf eine Evakuierung warten. Das Evakuierungsprogramm wurde jedoch eingestellt, niemand dort ahnt etwas davon. Heather möchte zunächst nur ein paar Tage bleiben, wird aber ihren Aufenthalt um einige Wochen ausdehnen. Und so kam mir auch das Lesen vor. Sehr ausgedehnt. In langen Sitzungen sprechen die Bewohner:innen u.a. über ihre Zeit in den anderen Epochen, über ihre Schuld, über ihre Geschichten. Ich befürchte ich bin anfangs so oft angeschweift, dass sich mir bis zum Ende einiges nicht erschlossen hat. Heather fasst Vertrauen zu Matthias, der aus weit zurück liegenden Kriegszeiten stammt und seinen Platz genau hier gefunden zu haben scheint. Alle anderen Figuren bleiben blass und distanziert, was vermutlich beabsichtigt ist. Mir fehlte der Strang in der Geschichte, an dem ich mich langhangeln konnte. Wer langwierige Gedankenspiele mag, wird dieses Buch gern lesen.

Die Passagierin
Die Passagierinby Franz FriedrichS. FISCHER
8. Sept.
Rating:3.5

aus ihrem Leben 1998 und transportiert in eine Zeit, in der die Grenzen der Zeiten aufgehoben ist und Gerettete aus allen Zeiten der Menschheit aufeinander treffen. Um für eine Evakuierung ausgewählt zu werden, muss sichergestellt sein, dass die Evakuierung genau dieser Person nicht den Gang der Weltgeschichte verändern würde, was dazu führt, dass meist Menschen gerettet werden, die in ihrem aktuellen Leben kurz darauf zu Tode gekommen wären. Die Evakuierten finden sich wieder in einer Art Paradies, in der sie sich von den Strapazen und Verletzungen ihres Lebens erholen können. Wer stabil ist, kann auch Reisen in die eigene oder andere Vergangenheiten unternehmen, sogenannte Missionen, und dort Wissen sammeln und weitergeben. Kann man mit diesem Wissen zurück ins eigene Leben reisen und von da aus Dinge verändern? Ein gut geschriebenes Zeitreisebuch, eine tolle Idee, aber so ganz begeistern konnte es mich nicht

Die Passagierin
Die Passagierinby Franz FriedrichS. FISCHER
3. Sept.
Rating:1

Über dieses Buch ohne zu spoilern zu sprechen, ist nicht möglich, da es überhaupt kein Ende hat, auf das es zusteuert. Das Ende ist kein offenes Ende, sondern eine schmerzhafte Leerstelle, ohne Auflösung. Es ist der Punkt, an dem die Geschichte erst richtig interessant hätte werden können, der, der vom Theoretisieren ins Handeln kommt. Der Konflikt bleibt bestehen. Die Erkenntnisse, die im Buch gewonnen werden, bilden im Grunde den Endpunkt, weshalb ich extrem angepisst bin und jetzt ab hier den Spoiler setze, dennoch versuche nicht zu konkret zu werden, so dass ich jedem nicht all zu überempfindlichen Gemüt zutraue, trotzdem weiterlesen zu können. Unklarer Rahmen und Weltenbau: Der Leser steigt dumm in die Welt des Buches und muss sie nach und nach entdecken. Das Buch bleibt in der Beschreibung der Zukunftswelt und ihrer Mechanismen durchweg vage und lässt viele Fragen offen. Details der Zukunftswelt werden nur andeutungsweise und fragmentarisch vermittelt. Was erfahren wir: Zeitreisen ist möglich. Menschen wurden aus sämtlichen Epochen in diese Zeit evakuiert. Kolchis ist mit seinen zahlreichen Sanatorien der Auffanghafen für die Evakuierten gewesen. Wie selbstverständlich sind aber alle an die Zeit angepasst, reden komplett gleich und haben nur geringfügige Konflikte bezüglicher ihrer soziokulturellen Prägung. Wenn man sich nur ansatzweise Gedanken über die systemischen Konflikte macht, die auftreten, wenn man Menschen aus unterschiedlichen Epochen und Kulturen zusammenführt, merkt man, wie wenig durchdacht das Szenario. Aber darum gehts ja nicht. Also Problem nicht vorhanden. Es scheint eine sozialistisch geprägte Welt zu sein, die auf Konsens und Gemeinwesen aus ist. Hinweise dafür: Kolchis hat eine Hymne: „Kolchis, du Schöne, du wurdest errichtet von Kindern der Erde.“ Die Sozialismus und DDR Anleihen hängen überall im Raum. Ein Café hat sämtliche Getränke und Speisen gestrichen und es gibt nur ein Getränk. Kolchis zerfällt, ist marode. Man hat den Tod nahezu überwunden. Es gibt Mittel gegen Zerfallsprozesse des Körpers. Dies wird an 1-2 Stellen im Buch erwähnt. Keine Details oder näheren Ausführungen. Das Projekt Lazarus – Menschen der ersten Evakuierungswelle. Dies wird bedeutungsvoll erwähnt. Eine Figur Chen-Lu stammt daraus. Mehr passiert mit dieser Info nicht. Das Evakuierungsprogramm wurde eingestellt. Dies löst den Konflikt des Buches aus und tritt eine Reihe an dialoglastigen Szenen los. Warum das Programm ins Leben gerufen wurde und wieso man es beendet hat wird ebenfalls nur vage verhandelt. „Seit wir nicht mehr evakuieren, fühle ich mich in diesem Leben nicht mehr wohl, etwas Wichtiges ist mir genommen worden.“ „Wir alle wurden aus den folgenden Gründen evakuiert: Erstens ist man der Ansicht gewesen, dass es uns hier besser gehen würde als in der Zeit, aus der wir gekommen sind. Zweitens hat man errechnet, dass unser Fortgehen keine negativen Folgen haben würde, weder für uns noch für andere, was sowohl die geschichtliche Dimension meint als auch die nahen Angehörigen, die uns in den meisten Fällen ja sowieso verloren hätten– alle Spielarten des Zu-Tode-Kommens, alle werden wissen, was ihnen zugestoßen wäre. Drittens war man der Meinung, sich durch die Evakuierungen von einer Last zu befreien, einer historischen Schuldigkeit, auf die man mit einem entsprechenden Programm reagieren müsse. Sie sagen, die Vergangenheit müsse ruhen. Man sei zu optimistisch gewesen, das Gefühl der Schuld lasse sich nicht auflösen, nicht, wenn man nur Einzelne evakuiere, und alle seien nicht möglich. Sie sagen außerdem, dass man lernen müsse, damit umzugehen, dass das Programm eine Anmaßung gewesen sei, ergo ein Fehler, und die Probleme der Evakuierten unterschätzt worden seien. Nur weil man etwas könne, müsse man es noch lange nicht machen. Das sagen sie.“ Mehr Infos gibt es dazu nicht. Man frage sich: welche Schuld? Das Thema Zeitreisen spielt überhaupt keine Rolle, außer dass man zur Beobachtung in andere Zeiten reist. Technische Details, Fehlanzeige. Wir erfahren überhaupt nichts darüber wie diese Zeit zusammengehalten wird, wie sie organisiert ist, nichts systemisches, nada, nur Kolchis als dem dahinschimmelnden alten Stern der Rettungsmissionen, dürfen wir bewundern. Kolchis ist die Republik der Kinder, dh. Kinder arbeiten dort und sorgen für Recht und Ordnung, sind kleine bürokratische Ordnungspingel. Scheinbar eine humorvolle Beigabe des Autors, die platziert, jedoch später nicht weiter mit gearbeitet wird. Es wird bereits klar, die Nichtgestaltung der Welt ist schon mal für den Autoren ein einfaches Mittel seine theorielastigen Dialoge herauszustellen. Kein unnötiges Beiwerk das stört. Was will er denn nun von uns? Geschichtsphilosophie! Das utopische Potential und seine Enttäuschung. Sonnenuntergänge- und Aufgänge, Dämmerung, Interregnum, der Wechsel von Alt zu Neu, Unbestimmheit, Bestimmtheit, das Potential, Möglichkeitsräume, individuelle Verantwortung oder Kollektive, Bewertung von Leiden, vom Besonderen ins Allgemeine, vom Allgemeinen zum Besonderen, Schwellen, Licht und Dunkelheit, das Problem des Nicht-Ortes…. All diese Begriffe und damit verbundenen Gedanken werden über hunderte von Seiten in Dialogen, Stuhlkreisen und protokollartigen Sitzungen, die einer Hypnose gleich kommen, beackert. Da wir nichts von den Figuren und der Welt wissen, finden diese Gespräche zunächst sehr abstrakt und allgemein statt. Sie stehen für sich und können daher überhaupt nicht in die dynamische Handlung eingebettet werden, von der es sowieso kaum Szenen gibt, da gute 80% des Textes aus diesen „ wir quatschen uns den Hintern platt“ Runden besteht. Es gibt also überhaupt keine Verankerung dafür. Erst gegen Ende stoßen wir auf ein konkretes Thema, das den Sozialismusgedanken wieder aufgreift. Aber grundsätzlich bleiben die Bezugspunkte der Themen vage. Dies liegt ua. daran, dass die meisten Figuren keine Tiefe bekommen. Sie sind da und dienen in ihrer Funktion der pädagogisch, didaktischen Herausarbeitung, bekommen aber kein Eigenleben. Wir lesen also Seitenweise von Protokollen, die random diese Figuren in ihren Erinnerungen wiedergeben, ohne das diese konkrete Bezugpunkte zu dem Gesamtkomplex herstellen. Lauter lose Fäden, hingeworfene Brocken, die nicht verschnürt werden. Etwas konkreter und eingebetteter muten lediglich die Schwimmszenen im Meer an, die für Diskussionen um Positionierungen herhalten müssen. Was mag ich lieber – entwerder-oder- entscheide dich vs. die Icherzählerin Heather, die für das Sowohl-als-auch steht. Heather die Erzählerin ist witzigerweise ehr eine Figur, die nur durch die Geschehnisse führt und völlig blass bleibt. Sie bekommt einen Auftrag jemanden zu suchen. Diese Person spielt gegen Ende eine wichtige Rolle und wird, da das Buch nun mal als Leerstelle endet, ebenfalls Ergebnisoffen im Raum hängen gelassen. Die eigentlich interessante Figur, die alles zusammenhält ist Matthias, dessen Lebensgeschichte auch die entscheidende Mini-Rahmenhandlung einnimmt, bis auch diese nach einem Entschluss offen bleibt. Das ist alles ein ganz großer Scherz, den Herr Friedrich uns hier präsentiert. Überall wo er mal mächtig Ideen springen lassen müsste, seinem theoretischen Gefasel Taten folgen lassen sollte, um zu sehen, wie wir denn nun damit zurecht kommen, wo denn nun die Möglichkeitsräume liegen, wie sich der Schmerz der Schwellen denn anfühlt, schweigt er sich lieber aus oder duckt sich in seiner verunklarten Welt weg. Matthias liefert uns ein paar schöne Szenen seines möglichen Potentials. Aber nur die vage Andeutung dessen, ist mehr als dürftig. Zumal ich das sprachlich ehr im Jugendbuchstil verorten würde. Klar und direkt. Die Sätze sind schön, haben eine angenehme länge, treten die philosophischen Themen aber so dermaßen durch Überformulierungen breit, dass die didaktische Intention ein fieses Geschmäckle bekommt. Die Sprache wirkt insbesondere in den Dialogen überfrachtet und es fehlt ihr an einer Ausgewogenheit zwischen Theorie und narrativer Leichtigkeit. Das Buch ist das krasse Gegenteil von Subtilität. Zusammenfassend empfinde ich das Buch als eine Frechheit und Unverschämtheit. Da liefert Herr Friedrich ein Buch über Möglichkeitsräume und verschnürt die imaginären Bestandteile und Traumszenen mit einem symbolischen Kitt, dass da nix Mögliches durch kann. Er löst die Möglichkeitsräume dann durch Lippenbekenntnisse gegen Ende aus und lässt den Stift fallen. Das ist Arbeitsverweigerung! Das gewählte Szenario ist beliebig austauschbar. Wir würden lediglich Menschen verschiedener Länder aus einem Abstand von 30-40 Jahren benötigen und könnten die Diskussion laufen lassen. Diese ganze krude Anlage, auch mit der Stadt der Kinder, dient lediglich eine Form des Sozialismus zu etablieren und daraus eine rückwärtsgewandte Möglichkeitsdiskussion zu führen. ZUKUNFT findet in der Zukunft nicht statt. Das verstört mich am meisten. Der Rest ist reine Show, Effekthascherei, die ohne Action, in einem gedehnt, langsam erzählten Stil erfolgt.

Die Passagierin
Die Passagierinby Franz FriedrichS. FISCHER