17. Dez.
Rating:3

Die Handlung an sich ist nicht sehr spannend, zumal am Klappentext ja schon vieles davon steht was passieren wird. Es geht mehr um die inneren Konflikte des Protagonisten Jakob. Seine inneren, detaillierten Erwägungen finden in Form einer personalen Erzählstimme statt. So viel Gedanken Jakob sich auch macht, er spricht extrem wenig und vor allem niemals über seine Gefühle. Wieso Jakob und Katja zusammen kamen weiß ich eigentlich bis jetzt nicht. Jakob ist sowieso nicht im Bilde seiner eigenen Emotionen aber auch bei Katja erschließt sich nicht wirklich, was genau es jetzt an Jakob ist, das ihr an ihm gefällt. Manche der verschachtelteren Sätze waren unnötig kompliziert und holprig beim Lesen. Insgesamt war es für mich etwas langatmig. Ansonsten fand ich es aber ganz gut geschrieben. Die brutale Tierqualszene fand ich furchtbar… Auch generell fand ich die letzten paar Kapitel sehr schräg. Irgendwie sehr aprupt, sehr viel Geschehnisse auf einmal im Vergleich zu den 300 Seiten davor. Durchaus anschaulich gezeichnet sind die Bilder der bäuerlichen Tristesse, dies lässt einen selber sogar manchmal etwas lethargisch fühlen.

Wilderer
Wildererby Reinhard Kaiser-MühleckerS. FISCHER
3. Sept.
Rating:2

Oh ha, jetzt auch auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises 2022. Bin ich dem Buch nicht gerecht geworden? Das Buch entspricht null meinen persönlichen Präferenzen und Ästhetikempfinden. Wir erfahren auf den ersten Seiten, dass Bauer Jakob ernsthafte psychische Probleme hat und wenig empathiefähig ist. Die Geschichte aus seiner Sicht erzählt zu bekommen, hat dementsprechend einen schalen Beigeschmack. Man weiß nie ob’s stimmt oder wie seine Beobachtungen und Empfindungen einzuordnen sind. Typisches Klischee eines Bauern: Wortkarg, kein Bock auf andere Menschen, stumpfsinnig, ungebildet und säuft viel Alkohol. Insgesamt sind alle Charaktere recht seltsam, teils verstörend. Natürlich redet man nicht über Probleme oder sonstiges was mit Emotionen zu tun hat. Etwas schwelt im Untergrund. Nähe zu den Figuren ist durch Jakobs Art zu erzählen nicht möglich. Insgesamt wird die Geschichte sehr ruhig erzählt. So teilnahmslos Jakob sein Leben wahrnimmt, so angeödet war ich vom Buch. Bis auf 2 kleine Lichtmomente, die erst zur Hälfte des Buches auftauchten, fand ich es quälend belanglos. Sprachlich ist das schon gut gearbeitet. Der Erzählstil ist konservativ und nimmt sich leider viel zu ernst. Social Media, in Form von Tinder und Instagram wird eingebaut und Corona darf kurz zu Besuch kommen, inklusive kleiner Impfdiskussionseinlage. Damit ist doch prima das Jahr abgebildet und das Buch kann als Kandidat für den Buchpreis aufwarten. Nur, dass diese Themen künstlich und deplatziert in dem Kontext auftauchten, bzw. ziemlich mies eingearbeitet waren. Thema des Buches: Was weiß man von anderen und von sich selbst? Wer wäre man wenn.. man will wer sein und verhält sich wie ein anderer…. Verachtung der Geschwister oder Enttäuschung? Das Wildern im Leben eines anderen in das man nicht gehört. Es kommt irgendwann auch das Thema auf, woher die Familie ihr Geld hat : „Judengeld“. Außer dass das fallen gelassen wird, wird nix draus gemacht. Wer meint, dass irgendeine dunkle Vergangenheit hier aufgearbeitet wird, wird enttäuscht. Insgesamt konnte ich recht wenig mit der Message des Buches anfangen.

Wilderer
Wildererby Reinhard Kaiser-MühleckerS. FISCHER