Das Recht zu schweigen war in unserer Freundschaft immer schon wichtiger gewesen als das Recht zu fragen.
Sara lebt ein ruhiges Leben mit ihrem Freund und einer Avocado in Dublin, als sie ein Anruf ihrer Freundin Lejla erreicht, mit der sie 12 Jahre lang keinen Kontakt mehr hatte. Lejla bittet, nein verlangt von Sara, dass diese sich unverzüglich in ein Flugzeug nach Bosnien setzt, um mit ihr einen Roadtrip zu starten. Sara soll mit Lejla von Mostar nach Wien fahren, wo Lejla ihren Bruder Armin vermutet, der einst spurlos verschwunden ist. So fängt das Buch an. Eigentlich fängt das Buch mitten im Satz an, mit den Worten „von vorne anfangen. Du hast jemanden, und dann hast du ihn nicht mehr. Und das ist ungefähr die ganze Geschichte.“ Man taucht direkt ein in die Geschichte. Folgt Sara auf dem Weg zu Lejla, auf dem Weg in ihre Vergangenheit, in ihr Land, das sie eigentlich hinter sich lassen wollte, als sie nach Irland ging. Sie wollte nie wieder zurückkehren. Aber die Aussicht Armin wiederzufinden nach all den Jahren, den Jungen, in den sie einst verliebt war, reicht aus, damit sie sich auf den Weg macht. Auf den Weg zu Lejla, die bestimmend, unbändig, furchtlos, stark und rebellisch ist. Alles das, was Sara nicht ist. Eine ganz besondere Freundschaft hat sie verbunden, so unterschiedlich sie auch waren. Während des Roadtrips kommen Erinnerungen hoch. Erinnerungen an die Anfänge ihrer Freundschaft, an Lejlas Bruder Armin, an sein Verschwinden, an einen Hasen, den Sara einst für Lejla gestohlen hat und an das Ereignis auf der Insel, das ihre Freundschaft zerstörte. Es gibt viel unausgesprochenes, einiges, das unterschiedlich erinnert wird. Da ist auch sehr viel Wut und Verletztheit zwischen den Freundinnen. Sprachlich wunderschön poetisch und bewegend, aber auch humorvoll und leicht erzählt Lana Bastašić die Geschichte einer Reise durch vergangene Freundschaft, durch die Geschichte Jugoslawiens, erzählt von der Suche nach Identität, Wurzeln, Freundschaft und Familie. Am Ende bleibt die Frage, ob man seine Heimat abschütteln kann, indem man wegzieht. Oder ob der Satz stimmt, der immer mal wieder im Buch auftaucht: „Wir sind immer in Bosnien.“















