
Unter diesem Titel stelle ich mir etwas Spektakuläres, Abenteuerliches, auch Kriminelles vor. Die Geschichte entpuppt sich aber als weitaus harmloser. Die Romanfigur schreibt einen Lebensbericht - vom Aufwachsen als Sohn eines mittelmäßigen Sektkellereiinhabers über den notgedrungenen Wegzug mit der Mutter nach dem Tod des Vaters nach Frankfurt in ärmliche Verhältnisse. Durch schauspielerische Meisterleistung entzieht er sich dem Militärdienst und tritt eine Stelle in einem Pariser Hotel an. Um von dort durch glückliche Zufälle eine einjährige Weltreise anzutreten, erste Station: Lissabon. Felix Krull ist mit einem schönem Aussehen und einer guten Figur gesegnet. Diese Vorzüge und sein Drang zu Staffage, Ausstattung und dem Blick fürs Detail erleichtern ihm den Kontakt mit anderen Menschen, auch mit denen aus finanziell besseren Kreisen. Als Kind gelernt, dass Kleider Leute machen, gelingt es ihm im Laufe seines Lebens immer wieder, sich ihm bietende Chancen zum Vorankommen zu nutzen. Geschickt im Schauspielern, Vortäuschen, Schmeicheln und dem "Heranwanzen" an die feinen Herrschaften kommt er allmählich nach oben. Dabei nutzt er auch die Gelegenheit zum Diebstahl, wenn sie sich ihm bietet. Die ersten zwei Drittel des Romans unterhalten mich. Zuweilen sind mir die Detailschilderungen der äußerlichen Schönheiten (Gesichtszüge, Schmuck, Kleidung) zu ausladend. Aber die Geschichte stammt aus Felix Krulls Feder und für ihn haben solche Oberflächlichkeiten entscheidende Bedeutung, der Stil passt daher zum Erzähler. Mit der Zugreise nach Lissabon im letzten Drittel wird der Roman langatmig. Es gibt mehrere zähe Monologe und Schilderungen (Vor- und Frühgeschichte, Flora und Fauna), die die Geschichte lähmen. Durch die letzten Seiten muss ich mich fast durchkämpfen. Das Buch endet plötzlich mit einer Pointe an einer aus meiner Sicht unpassenden Stelle. Fortgeführt hat Thomas Mann die Geschichte nie.



















