Das Potenzial ist da
Wieder einmal habe ich den Zufall entscheiden lassen, welche Geschichte mich als nächstes begleiten darf. Geworden ist es „Adular“, welches ich vor einer halben Ewigkeit beim Verlag erstanden, aber offensichtlich bisher nicht gelesen habe. Zwiegespalten bin ich allerdings beim Inhalt, wie ihr gleich lesen werdet. Grundsätzlich bringt das Worldbuilding faszinierende und interessante Grundsätze mit, doch ich hatte durchgängig das Gefühl, dass nicht das Maximum aus der Idee herausgeholt wurde. Gerade die Unterdrückung der Dunkelelfen, der Konflikt zwischen Rebellen und Stadtwache, wie weit die Macht der Umbra Gilde reicht und auch wie alles miteinander verbunden ist. Das Grundgerüst birgt super viel Potenzial, welches sich leider hin und wieder verliert. Dadurch, dass der Schreibstil eher direkt und ein wenig schnörkellos ist, wirkt diese Welt oberflächlicher als sie es tatsächlich ist. Mir fehlt es an Bildgewalt, Details und Fingerspitzengefühl die Tiefe dieser Welt wirklich zum Strahlen zu bringen. Außerdem bin ich doch etwas überrascht worden, wie gewalttätig und blutig es zeitweilen zu geht, denn damit habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Wenn ihr also ein Problem mit Gewalt etc. habt, würde ich euch empfehlen, euch gut zu überlegen, ob ihr dieses Buch in die Hand nehmt. Leider muss ich zugeben, dass ich emotional ebenfalls zu wenig abgeholt worden bin. Es gab ein paar Momente, die mein Herz erreichen konnten, gerade das letzte Kapitel gehört diesbezüglich zu meinen Favoriten. Doch darüber hinaus? Ist es die Liebe zwischen Elanor und Dûhirion, der Verlust, dem wir zwischen den Seiten begegnen, die Angst, die Verzweiflung der Dunkelelfen oder überhaupt die ansteigende Spannung des nahenden Konfliktes, für mich war es insgesamt einfach nicht emotional genug. Auch wenn ich zugeben kann, dass ich diese Gefühle immer wieder aufschnappen konnte. Die Protagonisten und Nebencharaktere waren herrlich facettenreich und bringen viel Lebendigkeit in die Geschichte. Ich glaube mit Abstand ist Dûhirion mein persönlicher Favorit, was gerade an seinem eher zynischen, aber sarkastischem Charakter, der schweren Vergangenheit und seiner Zuneigung zu Eleanor liegt. Ich weiß noch nicht, ob ich diese Reihe weiterverfolge, doch sollten mir die anderen Bände mal vor die Nase kommen, würde ich auf jeden Fall darüber nachdenken, auch wenn diese Rezension vielleicht einen anderen Eindruck vermittelt. Fazit Trotz einer starken Idee und großartigen Charakteren bin ich der Meinung, dass mit dem vorhandenen Grundgerüst noch viel mehr aus der Geschichte herausgeholt werden könnte - doch das Potenzial ist definitiv da. Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen.


















