
Anton Weil • Super einsam
hier sitze ich, super einsam (oder auch nicht), auf meinem balkon, höre grillen, vögel und das entfernte brummen der autos, schlürfe einen kaffee nach dem anderen – und merke dabei gar nicht, wie ich dieses buch quasi in einem rutsch wegsnacke. weils einfach ballert! ‚super einsam‘ spricht in der sprache der zwischenräume – zart und wütend zugleich – und fängt dieses flirrende gefühl ein, queer zu lieben in einer stadt, die dir nähe verspricht, aber dir am ende doch oft nur distanz serviert. das buch hat diese vibes von „alles ist schön und traurig gleichzeitig“. vito, anfang dreißig, kreuzberg-alltag: kneipen, nächtliche streifzüge, eskapaden, gentrifizierung im nacken. und mittendrin er – ein bisschen lost, ein bisschen auf der suche nach sich selbst, nach liebe, nach irgendeinem halt. er denkt über seine rolle als mann nach, seine suche nach identität enthält auch subtile auseinandersetzungen mit seiner bisexualität. er trägt den tod seiner mutter mit sich rum und versucht, mit einem vater klarzukommen, der gefühlt auf einem anderen planeten lebt. der schreibstil ist wie ein sprachrausch in kleinen dosen – kurze kapitel, die manchmal wie hingeworfene gedanken wirken, aber zusammen einen sog entwickeln. roh, direkt, ohne netz, aber genau deshalb so nah. Anton Weil jongliert zwischen tieftraurig und plötzlich witzig, zwischen „oh Gott, alles ist verloren“ und „hey, vielleicht doch nicht“. einsamkeit wird hier nicht nur als „mir fehlt jemand“, sondern als dieses schwer zu fassende gefühl transportiert, keinen halt zu haben – egal, wie viele menschen um dich rum sind. für mich hat sich ‚super einsam‘ wie ein leiser schrei im gedränge der großstadt gelesen. einer, der dir kurz den atem nimmt, weil du merkst: das bin ja irgendwie auch ich. das sind irgendwie ja auch wir alle. unbedingte leseempfehlung für alle durch und durch!




























