Und schon wieder Schweigen in der Familie
Als Zoeys Mutter stirbt, kommen alte, vergessene Erinnerungen wieder hoch: Vor über 20 Jahren ist ihre kleine Schwester Oda spurlos verschwunden. Zoey fragt sich: Was ist damals genau passiert? Und warum hat eigentlich niemand ernsthaft nach ihr gesucht? Um ihre Fragen zu beantworten, reist sie zurück an den Ort des Geschehens: einen Campingplatz an der französischen Atlantikküste. Es war mein erster Roman von Franziska Gänsler. Ich brauchte ein paar Seiten, um voll in »Wie Inseln im Licht« anzukommen, aber dann fand ich die Geschichte doch sehr spannend und packend. Zoeys Gefühlswelt wird glaubhaft beschrieben: Sie steckt tief in der Trauer für ihre Mutter, zu der sie eine schwierige und irgendwie toxische Beziehung hatte. Psychisch ist sie kaum in der Lage, die Einäscherung zu organisieren, und überlässt dies ihrer Freundin Ari. Anstatt den Verlust zu verarbeiten, stürzt sich Zoey in die Nachforschungen zum Verschwinden ihrer Schwester. Dabei lernt sie die Instagram-Wahrsager-Oma Madame Future kennen. Diesen Handlungsstrang fand ich allerdings etwas zu skurril, weshalb er für mich nicht ganz zum Rest der Geschichte passte. Die Auflösung am Ende kommt ganz ohne den großen Knall oder WTF-Moment aus. Ich fand sie sogar sehr logisch und realistisch. Zoey hatte jahrelang eine bestimmte Erinnerung, die sich durch das Schweigen in ihrer Familie wie eine Wahrheit in ihrem Kopf verfestigt hat. Erst als sie beginnt, dieses Denkmuster zu durchbrechen und aktiv zu hinterfragen, stürzt das Konstrukt aus Lügen und Nicht-Gesagtem in sich zusammen. Die Autorin zeigt sehr schön, dass Erinnerungen nicht rein individuell sind, sondern kollektiv geformt werden. Das Schweigen in der Familie fungiert hier als sozialer Mechanismus, der bestimmt, was wahr sein darf und was eben nicht. Erst als Zoey weitere Erinnerungsteile zu ihren eigenen hinzufügt, ist das Bild komplett.















































