Kurzweilige, herrliche Urlaubslektüre: Was harmlos, witzig mit einem, beim fernsehen erstarrten Huhn auf dem Sessel anfängt, endet ziemlich verstörend für alle Beteiligten
Sternebewertung fiktiv
Dieses Jahr bewege ich mich literarisch viel in Italien. Ich freue mich sehr auf die Frankfurter Buchmesse und das diesjährige Gastland. Ein schmales Buch, das seinen Weg eher zufällig zu mir fand. Nives findet eines morgens Ihren Mann tot im Schweinetrog. Sein halbes Gesicht wurde von einem Schwein gefressen, als er mit einem Herzinfarkt im Trog landet. Der Anfang war unerwartet und überraschend. Aber ab da hatte mich dieses kleine Buch. Nives ist eine robuste, selbstbewusste Frau. Als erstes erledigt sie das Schwein und fügt sich dem neuen Umstand verwitwet zu sein. Kurz darauf taucht ihre Tochter aus der Stadt auf und möchte Sie mitnehmen, doch Nives vermutet, dass es ihr nur um den Verkauf des Hofes geht und beharrt darauf, allein auf dem Hof zu bleiben. Auf die Dauer schleicht sich doch die Einsamkeit ein und kurzerhand beschließt sie ihr Lieblingshuhn Giacomina ins Haus zu holen. Schnell haben sich Nives und Ihre Henne eingespielt. Sie teilen Bett und Tisch und schauen gemeinsam fern. Nives blüht förmlich auf und freut sich über diese Abwechslung. Als allerdings eines abends die Henne vor dem Fernseher, während der Werbung erstarrt, braucht Nives dringend Hilfe. Sie wendet sich an den Dorftierarzt. So ergibt sich aus einem Notfallanruf, ein philosophisch sinnreiches Gespräch zweier Menschen mit Tiefgang. Dieses Buch hat mich sehr überrascht und das Ende wird definitiv auch den Leser überraschen. Amüsant und unterhaltsam. Ich mochte den Schreibstil sehr und freue mich nun auf ein weiteres Werk des Autors.
Lesehighlight
Nach 50 Prozent abgebrochen. Den Beginn fand ich ja noch unterhaltsam aber das Telefonat dann gar nicht mehr. Die 66 jährige Protagonistin wirkt sehr verbittert und unsympathisch. Wäre ich der Mann, ihr Gesprächspartner im Telefonat, hätte ich längst aufgelegt. 10.06.2023 Merged review: Nach 50 Prozent abgebrochen. Den Beginn fand ich ja noch unterhaltsam aber das Telefonat dann gar nicht mehr. Die 66 jährige Protagonistin wirkt sehr verbittert und unsympathisch. Wäre ich der Mann, ihr Gesprächspartner im Telefonat, hätte ich längst aufgelegt. 10.06.2023
"Nives stockte der Atem, einen Augenblick lang entrückte sie und sah einen ganzen Film vor sich; sie ließ ein ganzes Leben ablaufen, das hätte sein können und nicht gewesen war." Nives Mann stirbt und sie bleibt allein mit Hof und Tieren zurück, die Tochter lebt schon lange in Frankreich. Als Gefährtin holt sie sich Huhn Giacomina ins Haus und als es der eines Abends nicht gut geht, ruft Nives den Tierarzt an. Und dieses Gespräch entwickelt sich zu einer Reise in die Vergangenheit. Das Buch hat mich überrascht, positiv überrascht. Mit der Erzählweise, mit den Wendungen, mit seinem Sprachwitz. Und mit der Tiefe und Emotionalität der Geschichte und vor Allem der Personen. Nives ist ein sehr spezieller Charakter, nicht einfach und nicht einfach zu mögen. Die Handlung besteht nur aus diesem einem Telefonat, in dem aber über viele Jahre und viele Geheimnisse und Überraschungen geredet wird. Was da alles ans Licht kommt. Welche Gefühle alles auf so vielen Seiten durchgesprochen und erlebt werden. Ich war nah dran an der Geschichte, was auch an den skurrilen und unterhaltsamen Episoden liegt, die erzählt werden. Etwas anstrengend waren die fehlenden Absätze und Kapitel. Eben ein Telefongespräch, ein Wort ergibt das Andere, es gibt keine Pausen. Ein Buch abseits des Mainstreams, spitzfindig und komplex, nicht ganz einfach aber durchaus unterhaltsam und absolut lesenswert. Und viel zu unbekannt.
Was wäre wenn....? Eine skurrile Geschichte über eine frisch verwitwete Italienerin, die ihren verstorbenen Mann durch ein Huhn ersetzt, um der Einsamkeit zu entfliehen. In einem Telefonat, bei dem sie anfangs eigentlich nur Rat sucht, wie sie ihre zur Salzsäure erstarrte Henne aufwecken kann, entwickelt sich die Geschichte in eine Richtung, die man nicht erwartet. Vergangenheit, Gerüchte, Mutmaßungen, Enthüllungen, Lügen und Verrat werden in einem, teilweise bissigen, derben Dialog ausgekramt und durchgearbeitet.
Ein Telefon Gespräch das Leben verändert
Ein Huhn, eine Waschmittel Werbung, und ein Telefonat sind die Zutaten für eine kurze Geschichte über Wahrheit und Lüge und verlorene Träume. Habt ihr auch schon einmal gedacht: „Wenn ich das erzählen würde, wäre nichts mehr so wie es mal war!“ ? Jeder von uns hat doch irgendwo ein kleineres oder größeres Geheimnis, welches die Realität ordentlich durchwirbeln würde. Zumindest kommt es meiner Meinung nach öfter vor, als man meint. So geht es auch Nives. Nach dem Tod ihres Mannes versucht sie die Einsamkeit mit einer geflügelten Gefährtin aus dem Hühnerstall zu füllen. Doch das Huhn Giacomina erstarrt beim Fernsehen zur Salzsäule und die besorgte Nives ruft den Tierarzt an, um Hilfe zu erbitten. Mitten in der Nacht entwickelt sich zwischen ihr und dem angetrunkenen Freund aus alten Tagen ein Gespräch, welches das Verhältnis einiger Dorfbewohner und ihr eigenes reflektiert und verändert Ich habe mich köstlich amüsiert, wie sich ein vermeintlich hilfesuchendes Telefonat zu einer Chronik entwickelt, die die Wahrheit, des Verborgenen ans Licht bringt. Es fängt ganz harmlos an. Dann kommt Nives von „Hölzken auf Stöcksken“ und lässt irgendwann ihrer Wut über vertane Chance und falsche Annahmen freien Lauf. Ein bisschen erinnerte mich das an „die Kuh Elsa“ (wer das nicht kennt, googele doch bitte mal eben diese Kuh und Didi Hallervorden) Der Text besteht im Großen und Ganzen aus einem Dialog zwischen zwei Menschen. Am Anfang ist es mir etwas schwer gefallen, dem aufmerksam zu folgen. Wurde doch beim Erzählen indirekt Vorwissen, vorausgesetzt. Aber irgendwann war ich drin und es hat mich rasant mitgerissen. Ich liebe diesen italienischen Humor, der ähnlich schwarz wie der britische ist, aber mit einer ordentlichen Portion Bauernschläue und viel Temperament daherkommt. Das Ende der Geschichte lieẞ mich schon sehr schmunzeln. Ein wirklich schönes Buch, das für mich stilistisch neu war und mich hervorragend unterhalten hat.
Eines morgens findet Nives ihren Mann tot im Schweinestall. Das Schwein hat schon mal von ihm gekostet, was ihm leider auch den Tod einbringt. Nach der Beerdingung und der Abreise der Tochter, bleibt Nives allein auf dem Hof zurück. Im Gegensatz zur Trauer, die einfach nicht kommen will, macht sich Einsamkeit breit, woraufhin sie beschließt, dass Giacomina, ihr Lieblingshuhn, mit ins Haus zieht. Beim gemeinschaftlichen abendlichen Fernsehen, wird das Huhn von einer Waschmittelwerbung hypnotisiert und lässt sich nicht mehr aufwecken, was den Tierarzt Loriano auf den Plan ruft. Was folgt, ist ein langes Telefongespräch, was es wirklich in sich hat und sich schnell vom Hihn wegbewegt. - Ich wurde förmlich in die Geschichte hineingerissen und habe das Buch innerhalb weniger Stunden gelesen. Es beginnt recht seicht, spätestens jedoch mit dem Anfang des Telefonats entwickelt es eine regelrechte Sogwirkung. Dies mag zum einen an Naspinis Schreibstil liegen, der einem endlosen Dialog gleicht und ohne Kapitel auskommt. Zum anderen ist es aber auch der Inhalt selbst der diese Wirkung entfacht. Es geht Schlag auf Schlag, alte Geschichten werden ausgekramt, Geheimnisse kommen ans Licht, Vorwürfe und Rechtfertigungen finden Einzug. Die Tatsache, wie es der Autor hier schafft, innerhalb weniger Seiten die Handlung dermaßen zu drehen, hat mich schwer beeindruckt. Überdies zeichnet er die Protagonisten und die Geschichte äußerst tiefgreifend. Verletze oder weggesperrte Gefühle kommen zum Vorschein, unausgesprochene Wut und Enttäuschung, Liebe, Freundschaft… eine ganze Palette an Emotionen, die es erstmal zu verarbeiten gilt. Obendrein wird man mit der Tatsache konfrontiert, dass eine einzelne Entscheidung das Leben komplett verändern kann. Zwischen den Zeilen kommt deutlich die Frage: „Was wäre passiert, wenn…?“ auf und dir Einsicht, dass alles Konsequenzen nach sich zieht, dass jede einzelne Entscheidung nicht nur Auswirkungen auf das eigene Leben hat, sondern auch auf das von Anderen. Dies alles passiert auf gerade mal 156 Seiten. In meinen Augen eine starke Leistung. - Ich denke es ist überflüssig zu sagen, dass ich schwer begeistert bin und das dies hier eine klare Leseempfehlung ist. Ich mach es trotzdem 😊 - Erschienen 2022 im keinundaberverlag







