Dieses Buch hält noch mehr als der Klappentext verspricht. Historisch sehr gut recherchiert und geschrieben. Es fängt den Wahnsinn zwischen Glanz und Untergang dieser Jahrzehnte sehr gut auf.

Tatsächlich findet sich in diesem Buch keine einzige langweilige Seite.
19. Mai 1990 Eingestaubt in einer klemmenden Schublade. Auf einem Dachboden irgendwo zwischen den Berliner Bezirken Charlottenburg und Wilmersdorf wurde das Tagebuch von Daniel Salazar (bürg. Saporta), einem jüdischen Nachtklubbesitzer aus Syrien gefunden. Heute wird das Tagebuch bei einer Feierstunde in Beverly Hills zurückgegeben, wo Salazar heute ansässig ist. Ganze 4 Jahre hat dieser in der Dachstube gehaust. Zwischen Dezember 1941 bis April 1945 versteckt Salazar sich hier vor Gestapo, SS und der Hitlerjugend. Nun ist es an der Zeit, um tiefer in diese Memoiren einer glitzernden und zerbrechlichen Vergangenheit einzutauchen: In der ersten Erinnerung an Salazars eigene Vergangenheit, finden wir uns auf einer Dachterrasse in Damaskus wieder. Umringt von seiner Familie sitzt der junge Salazar auf einem Perserteppich. Das Grammofon spielt ägyptischen Schlager. Auf dem Tisch ist ein Tablet mit gegrillten Täubchen abgestellt, der Duft nach Jasmin und Zitrone liegt in der Luft. Die Sonne beginnt unterzugehen. Das ist einer der wenigen glücklichen Momente in Salazars Leben. Hin und wieder erinnert sich dieser auf seiner Reise an jenen Moment zurück. Von Damaskus über Konstantinopel in die Obhut von Familienfreunden, begegnet Salazar zentralen Weggefährten die ihn auf seiner Reise zu sich selbst, unterstützen. Ergriffen von der Pracht der deutschen Architektur und dem Fleiß ihrer Arbeiter beginnt Salazar seine Karriere in einem Berliner Büro. Der Zauber hält jedoch nicht lange an und Salazar wird aus der Obhut der Schutzpatronen geschmissen. Von nun an muss er sich selbst in einer fremden Stadt durchschlagen, die ganz anders tickt als seine Heimat. Schon bald ziehen schwarze Wolken am Berliner Nachthimmel auf, der bisher von Neonröhren und Discokugeln beleuchtet wurde. ____________________________________________________ Ein Buch, mit keiner einzigen langweiligen Seite. Einem reflektierten und mutigen Erzähler, der mich nach den ersten Seiten schon in seinen Bann gezogen hat. Ein Buch, das die deutsche Vergangenheit originell aufarbeitet und sich keinesfalls zurückhält. Viel historischer Input ! Ganz klare 5 Sterne. „Das Scheinwerferlicht flutete die Tanzfläche. Da stand Laila, die Sudanesin, deren smaragdgrünes Kostüm das rötliche Schwarz ihrer Haut noch unterstrich. Sie hob die Arme und griff mit den Fingerzwirbeln den Rhythmus des Orchesters auf. […] Jetzt hatte sie die Zuschauer völlig in ihrer hennagefärbten Hand“ S.156 „Du fütterst hier diesen Juden, den du da versteckst, nicht wahr ? Mit Verrätern wie dir wissen wir umzugehen - die werden im Schlachthaus an einem Fleischerhaken aufgehängt, und dabei kommen sie noch viel zu gut weg“ S.265
Eindrucksvoll erzählt
Wie heißt es schon am Anfang des Buches: ,Die in diesem Buch dargestellten politischen und militärischen Ereignisse sind historisch verbürgt und ganz und gar nicht fiktiv.‘ Ich wollte das Buch nicht mehr aus den Händen legen und war schon beim Umschlagen der Seite gespannt wie es weitergeht und wie der weitere Verlauf sein wird. Auch wenn es ein Roman ist, der bittere Ernst und die Gefahr, denen verfolgte Menschen in der NS-Zeit ausgesetzt waren ist beim Lesen immer allgegenwärtig.



