„Meine Mutter hat es aufgegeben, mich vom Fernseher wegzubringen. Nur wenn sie Streit mit Frieda gehabt hat oder mit der Divination ihrer Tarotkarten unzufrieden ist, fordert sie mich auf, das Gerät auszuschalten, wobei ich dann einfach ihr Gesichtsfeld verlasse und warte, bis sie ihr Verbot wieder vergessen hat, um den Fernseher kurze Zeit später erneut einzuschalten.“ Während Toni sich mit Alltagsrassismus, ihrer Zwillingsschwester und den Eigenheiten ihrer Familie herumschlagen muss, hat das Unternehmerehepaar Frau Badeca und Herr Banal ganz andere Sorgen: Ihr Unternehmen wird mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert, die die nun entkräftet werden müssen. Für die beiden steht fest: Nur eine selbstproduzierte Reality-Show kann hier helfen. Zwei Welten, die so gar nicht zusammen zu passen und sich nur durch viele Verzweigungen und Zufälle überschneiden. Wie viel Spaß kann ein Roman machen?? Wirklich, „Daily Soap“ ist so lustig, unkonventionell und erzähltechnisch abwechslungsreich, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Sind die Charaktere sympathisch? Viele nicht. Handeln sie oft komplett irrational und fragwürdig? Absolut. Machen genau diese Faktoren die besondere Dynamik des Buchs aus? JA! Dabei bleibt „Daily Soap“ seinem Titel treu: Während Soaps und Reality TV inhaltlich durchziehende Motive im Roman darstellen, geraten alle Beteiligten selbst in seifenopernartige Beziehungen zueinander, die erst harmlos scheinen, sich aber immer weiter zuspitzen. Die Handlung wird absurder, die Figuren zunehmend verzweifelter. Zudem macht der Roman eine weitere Ebene auf, wenn er satirisch die Schweizer Gesellschaft kritisiert: Rassismus, u.a. in Form von Racial Profiling, ist ein zentrales Thema, ebenso wie Klassismus und vermeintliche Aufstiegschancen. Die Themen treffen dort, wo sie sollen und tun genau richtig weh, trotz (oder wegen?) des satirisch-humoristischen Erzähltons. Wer ein kluges, unterhaltsames & gesellschaftskritisches Buch sucht, der ist bei „Daily Soap“ richtig: Ein Roman, der very much in your face ist, auf genau die richtige Art. 🌟
Ich fand es schrecklich. Aber die Diskussion im Buchclub hat es dann doch irgendwie gut gemacht. Es ist halt Daily Soap...
Böse, bissig, überspitzt und lustig. Ein wahnsinnig unterhaltsames Buch u.a. über Rassismus, Alkoholismus, Macht und Heuchelei. Ich fand es großartig!
Eine sehr empfehlenswerte Schweizer Seifenoper! „Daily Soap“ ist eine ungewohnte satirische Auseinandersetzung mit den Themen Alltagsrassismus und Sexismus. Nora Osagiobare verarbeitet in ihrem Debütroman ihre persönlichen Erfahrungen mit Rassissmus. Den Einstieg ins Buch fand ich etwas anstrengend, da viele verschiedene Personen und Szenen vorkommen. Mit dem Erzählstrang von Toni‘s Geschichte liest es sich dann aber leicht wie eine Seifenoper. Das ganze Buch ist geprägt von überzeichneten Charakteren und skurrilsten Situationen! „Verantwortlich für die Einteilung von Schweizer Bürgern mit Hautfarben außerhalb des eidgenössischen Hautfarbenspektrums ist das Bundesamt für die Rationalisierung Andersfarbiger anhand von Cappuccino beziehungsweise Kaffee, kurz BARACK. „Während Wanda kreideweiß ist, fällt mein Hautton in die Kategorie Cappuccino mit einem Schuss mehr Milch, also Cappuccino Macchiato und einem Löffel Rohrzucker, serviert an einem lauen Novemberabend in Sri Lanka. Quelle: BARACK.“ „…die Kantonspolizei habe sich darauf geeinigt, der Verhaftung lachender Schwarzer absolute Priorität zu geben - da es für Schwarze in der Schweiz kaum Gründe zum Lachen gebe - die nicht illegaler Natur wären.“
Absolut lesenswert!
Oh la la! sehr unterhaltsam, einzigartig, lesenswert: eine knallharte Satire, ein schonungsloses «Gesellschaftsportrait der Schweiz im 21. Jahrhundert» wie @gerhardpfister im #srfliteraturclub treffend zusammenfasst. Nora Osagiobare @_norberto_blanco_ adaptiert die klassische 📺-Seifenoper klug, bildstark, mit viel Wort und vor allem mit unendlich träfen Klischees fürs Buch: Hut ab! 👍👍👍👍 Worum geht’s? Um nichts und um alles: Liebe, Kunst, Hinterlist, Affären, Vorurteile, People of Color, noch mehr Vorurteile, Politik, Rassismus, Polizeigewalt, Macht und deren Missbrauch, Geld, Armut, Mut, Hochmut und vieles andere mehr. Sehr unterhaltsam, sehr bissig, sehr geeignet als Ferienlektüre - vor allem für Ferien in Biel, wo die Autorin literarisches Schreiben studiert hat. Offensichtlich erfolgreich @hkb_literatur_e
Eine gelungene Satire!
**** Mein Eindruck **** Der Titel des Buches hat bei mir schon Neugierde geschürt und spätestens beim Aufschlagen des Personenregisters wusste ich, dass das ein besonderes Buch wird. Sowas eintöniges kann tatsächlich voller Zynismus stecken. Schaut es euch unbedingt an! Der Inhalt des Buches ist on Point, zeitgenössisch, nah an unserer Gesellschaft und voller Kritik und Meinung, ohne dabei unsympathisch daherzukommen. Die Art der Erzählung weiß anzuregen und zu überzeugen. Sprachlich ist das Buch ein wahres Highlight! Bereits die erste Seite zeigt das Potential und in diesem Stile geht es durchweg weiter. Hier muss man sich einfach unterhalten fühlen. Mein persönliches Highlight ist der gesamte Stil des Buches: zynische und doch auch voller Botschaft steckende Erzählpassagen und Dialoge ohne das lästige „fragte sie“ und „sagte er“. Hier steht einfach nur der Name und dann kommt das Gespräch, ein Stil den ich schon bei Caroline Wahl feierte und auch hier passt das ganz und gar zusammen. Und ja, der Titel passt wie Faust aufs Auge. Ich kann von solch einer Art Buch nicht genug bekommen. Authentisch, anders und mit tragendem Inhalt! **** Empfehlung? **** Dieses Buch ist wie eine Daily Soap - aber zu der Zeit, wo das Ganze noch neu, erfrischend und aufregend war! Lest es unbedingt, wenn ihr lachen wollt und eine offenkundige Sicht auf unsere heutige Gesellschaft erleben wollt.
Wow, was für ein grossartiges Debüt! Bei diesem Buch ist der Name definitiv Programm. Absolut herrlich überspitzt, wie in einer Daily Soap eben. Wir begleiten verschiedene, ganz spezielle und kuriose Charaktere, ich weiss gar nicht wo anfangen, es passiert einfach so viel verschiedenes. Es gibt ganz viel Drama, ganz viel Humor, ganz viel Gesellschaftskritik und ganz viele schwarze Penisse. Eingeleitet wird Daily Soap mit einer Triggerwarnung, dass im Verlaufe der Geschichte viele Bananen gegessen werden. Die wichtigsten Charaktere werden ausserdem zu Anfang in der Reihenfolge ihres steuerbaren Einkommens aufgelistet. Am besten haben mir die Werbeunterbrechungen gefallen die immer mal wieder ein Kapitel beendet haben. Einfach grossartig. Nora Osagiobare ist definitiv eine Autorin die ich in Zukunft weiterverfolgen werde.
Ich musste das Buch nach 50 Seiten abbrechen. Ich fand die Handlung und die Menge an bzw. Beziehung zwischen den Figuren sehr verwirrend und den kreativen Schreibstil sehr anstrengend. Mir erschließen sich Sinn und Konzept des Romans, aber wir sind nicht miteinander kompatibel; es war mir schlicht zu anstrengend und bereitete mir kein Vergnügen. Ich habe allerdings auch nichts für seichte Unterhaltung im TV übrig und gehöre wohl eher nicht zum Zielpublikum dieser Satire.
Sternebewertung fiktiv
Darf man bei so einem Thema lachen? Offenbar ja und Nora Osagiobare will genau das. Daily Soap ist schrill, absurd und voll mit Seitenhieben auf unsere Gesellschaft. Zwischen Trash-TV-Ästhetik und Fußnotenwahnsinn hält uns die Autorin einen Spiegel vor. Wie reden wir? Wie urteilen wir? Nora Osagiobare nimmt uns mit in eine Welt, die eigentlich gar nicht so weit weg von unserer ist, nur gnadenlos überspitzt. Man ertappt sich beim Lesen ständig dabei, wie viel von diesem absurden Kram tatsächlich real ist und das tut weh. Aber auf die gute Art. Die Gesellschaftskritik in diesem Buch ist clever und oft bitter komisch verpackt. Was mich allerdings wirklich Nerven gekostet hat, war der Stil. Fußnoten, Textsprünge und Chatverläufe. Ich war oft raus und genervt. Inhaltlich stark, aber formal hat es mich nicht mitgenommen.
Liest sich halt wirklich als würde man eine verrückte Fernseh Show gucken 😂
Ich fands unfassbar witzig! Teilweise auch etwas wirr und unglaublich, aber der sehr trockene, gesellschaftskritische (und politische) Humor hat mich persönlich komplett abgeholt. Glaube, wäre ich ein paar Jahre älter, hätte ich es sogar noch witziger gefunden.

Mit „Daily Soap“ liefert die Zürcher Autorin Nora Osagiobare ein scharfzüngiges, herrlich überdrehtes Debüt ab, das Satire, Gesellschaftskritik und Medienschelte auf geniale Weise verbindet. Das Buch ist nicht nur eine bissige Abrechnung mit Alltagsrassismus in der Schweiz, sondern auch ein humorvolles Spiel mit den Mechanismen von Seifenopern – eine chaotische, absurde und gleichzeitig unglaublich treffsichere Geschichte. Osagiobare nutzt das Soap-Format als literarisches Experimentierfeld, um Machtstrukturen, Stereotype und Diskriminierung bloßzustellen. Im Zentrum steht die Firma Banal & Bodeca, die in einen Imageskandal gerät und mit einer selbstproduzierten Seifenoper ihr ramponiertes Image aufpolieren will. Die geplante TV-Story dreht sich um einen Schwarzen Künstler, der mit der Tochter des Unternehmens liiert ist. Dass diese Inszenierung der Realität genauso heuchlerisch wie die Firmenpolitik ist, versteht sich von selbst – und genau hier setzt Osagiobare ihre bitterböse Demaskierung der gut gemeinten, aber völlig naiven Selbstinszenierung „aufgeklärter“ Eliten an. Dabei wird die Geschichte zunehmend chaotischer – so wie es sich für eine echte Soap gehört. Figuren stolpern durch absurde Situationen, versteckte Anspielungen und überdrehte Dialoge sorgen für ein wahres Feuerwerk an Humor und Ironie. Doch hinter der schrägen Fassade steckt ein kluges, messerscharfes Gesellschaftsporträt, das aufzeigt, wie tief rassistische Strukturen verankert sind und wie unbeholfen viele Menschen damit umgehen. Osagiobares Stil ist rasant, verspielt und voller Überraschungen. Besonders die Fußnoten sind ein Highlight: Sie durchbrechen die Geschichte mit bissigen Kommentaren, ironischen Seitenhieben und unerwarteten Pointen, die Leser*innen gnadenlos mit den eigenen Vorurteilen konfrontieren. Diese Metaebene verleiht dem Roman eine besondere Tiefe – es ist eben nicht „nur“ eine Satire, sondern auch eine Reflexion über Narrative, Macht und Ignoranz. Mit „Daily Soap“ gelingt Nora Osagiobare ein brillantes Debüt, das zugleich unterhält und zum Nachdenken anregt. Wer schrägen, intelligenten Humor und satirische Schärfe schätzt, wird hier auf seine Kosten kommen. Ein Buch, das gleichermaßen zum Lachen und zum Verzweifeln bringt, das Spaß macht und wehtut – und das man nicht so schnell vergisst.
Ein Buch wie eine Telenovela
Daily Soap fühlt sich an wie eine überdrehte Schweizer Telenovela. Alles ist übertrieben, voller absurder Wendungen und überzeichneten Figuren. Im Mittelpunkt steht Toni, die in einer chaotischen Familie lebt, sich mit Alltagsrassismus herumschlägt und Zuflucht in ihrer Lieblings-Soap sucht – bis auch die nicht mehr hilft. Anfangs war der Stil ungewohnt, aber sobald ich drin war, hat das Buch einfach Spaß gemacht. Die Handlung ist bewusst drüber, der Humor schräg, und trotzdem steckt viel Gesellschaftskritik dahinter. Mal komisch, mal unangenehm ehrlich und nebenbei so absurd witzig. Wer Lust auf eine wilde, clevere Geschichte hat, die gleichermaßen albern und nachdenklich ist, sollte Daily Soap eine Chance geben. Der Humor ist speziell, aber genau das macht das Buch so besonders.











