
Übersetzt von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck Als begeisterte Anhängerin gut erzählter Kriminalliteratur kann ich diese natürlich ganzjährig lesen, obwohl sie meiner Ansicht nach Richtung meiner Lieblingsjahreszeit, dem Herbst, atmosphärisch am meisten hergibt. Wenn aber eine meiner favorisierten britischen Kriminalautorinnen einen Roman schreibt, der "Tödliche Sommerfrische" heißt, dann musste natürlich der Sommer herhalten. Und was war ich begeistert Josephine Tey und Archie Pembrose wieder zu begegnen. Wer mein Geschreibsel regelmäßig verfolgt, wird bemerkt haben, dass die beiden schon öfter in meinem begeisterten Lobgesang aufgetaucht waren und so ist das auch wieder bei diesem Band der Reihe, der nun mehr der vierte ist, den ich bereits gelesen habe. Die Autorin Nicola Upson erweckt die real gelebte Meisterin der Kriminalliteratur Josephine Tey in ihrer Kriminalreihe wieder zum Leben, in dem sie sie zu einer ihrer Hauptfiguren macht und sich natürlich selbst spielen lässt. Immer an ihrer Seite, der Ermittler von Scotland Yard Archie Pembrose, der in Upsons Reihe als liebevolle Vorlage für Teys Figur des Ermittlers in ihren Romanen Alan Grant, gehandelt wird. Viel Geschichte in der Geschichte also, aber auch ein immerwährendes Bekenntnis wie viel Nicola Upson über Josephine Teys Leben, das eigentlich weitestgehend zurückgezogen statt gefunden hat, weiß. Und dann schreibt sie noch diese wunderbaren klugen Kriminalromane um dieses ganze Wissen herum. Einfach nur großartig. In "Tödliche Sommerfrische" begleiten wir Josephine und Archie im Sommer 1936 in den Urlaubsort Portmeirion in Wales, wo Josephine mit Freunden ihren vierzigsten Geburtstag feiern möchte. Gleichzeitig bemüht sich niemand anderes als Alfred Hitchcock um die Filmrechte an ihrem Roman "Klippen des Todes" (übrigens vor kurzem erneut erschienen unter dem Titel: "Ein Schilling für Kerzen"), der zufällig auch gerade mit seiner Frau Alma in Portmeirion verweilt. Die Feierlichkeiten enden allerdings jäh, als eine brutale Mordserie den Ort heimsucht und mit ihm die Frage, ob sich ein Mörder unter den Gästen dieses eigentlich erholsamem Urlaubsortes verbirgt. Auch "Tödliche Sommerfrische" reiht sich in der großartigen Kunst britischer Kriminalliteratur ein, die Nicola Upson so gut beherrscht. Ein unglaublich klug konstruierter Kriminalroman, bei dem nichts so ist wie es scheint und der immer wieder zwischendurch von liebevollen Zwischenspielen der Hauptfiguren oder auch seltsamen psychologischen Machtspielen Hitchcocks unterbrochen wird. Tatsächlich straft die wirklich brutale Mordserie, die den Ort heimsucht der eigentlich heimeligen Cozy Crime Atmosphäre des Romans Lügen aber dieser im Nachhinein im erzählerischen Aspekt aufgelöste Punkt fügt sich am Ende ebenfalls nahtlos in die Handlung ein. Dem standesgemäßen Bösewicht gingen erst gegen Ende meine misstrauischen Vermutungen entgegen, aber wer nun einen Kriminalroman erwartet, den man mal locker nebenbei weglesen kann, irrt. Durch die verzwickten menschlichen Beziehungen untereinander und den teils vielen auftretenden Personen, muss als lesende Person tatsächlich wirklich, um das Erzählungkonstrukt am Ende zur besten Zufriedenheit zu entwirren. Bei mir hat das hervorragend funktioniert und so bleibe ich dabei, dass die Krimiromanreihe um Josephine Tey und Archie Pembrose zu meinen liebsten gehört. Freue mich schon den Rest zu entdecken. "Es gab nichts Furchterregenderes als eine Meute, die gemeinsamer Hass vereinte, sich im Recht wähnte und ihre tief verwurzelten Vorurteile durch Angst rechtfertigte." S. 71-72 Kurz die Weltsituation zusammengefasst, Nicola Upson.
