Ein echter Pageturner, der mich bis zur letzten Seite gefesselt hat!
In „Bevor es geschah“ entfaltet Céline Spierer eine vielschichtige Geschichte über Erinnerungen, Schuld und die feinen Risse im scheinbar perfekten Leben. 🧩 Nach und nach setzt sich das Puzzle um ein erschütterndes Ereignis zusammen, wobei unterschiedliche Perspektiven den Blick auf die Wahrheit immer wieder verschieben. 🔍
Ich fand den Roman wirklich gekonnt konstruiert – die Handlung lief wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. 🎬 Anfangs hatte ich zwar ein kleines bisschen Schwierigkeiten, die Figuren auseinanderzuhalten, doch das hat sich schnell gelegt. Stattdessen entwickelte die Geschichte eine unglaubliche Sogkraft, sodass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. 🔥 Ein echter Pageturner, der mich bis zur letzten Seite gefesselt hat! ✨
Vielen Dank an den @keinundaberverlag für das Rezensionsexemplar! 🩶
Dieses Buch kommt so schmal und unauffällig daher, hat es aber in sich und erzählt eine Geschichte, die nachwirkt.
Beim alljährlichen Familien-Barbecue der Haynes auf dem Anwesen der Matriarchin Elisabeth kommen alle zusammen: Die Geschwister Sean, Rose, Jacquelyn und Winston mit ihren jeweiligen Partnerinnen und Partnern.
Jeder der Anwesenden hat mindestens ein dunkles Geheimnis, das bei der Zusammenkunft an die Oberfläche drängt.
Neben dem Geruch von Sommer und gutem Essen liegen vor allem Spannungen in der Luft.
Jeder ist mit sich, seinen Problemen und der Vergangenheit beschäftigt. Auf den kleinen Thomas, den Sohn von Winston und seiner Frau Mathilde achtet niemand bis ein folgenschweres Unglück passiert…
Celine Spierer beschreibt präzise, fein und bildhaft, sodass man das Gefühl hat, gemeinsam mit den Haynes am Tisch zu sitzen. Die Last von Unausgesprochenem liegt schwer über der Szenerie.
Die einzelnen Kapitel wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Auch die Perspektiven wechseln, man kommt den Protagonisten sehr nah, taucht in ihre Vergangenheit und ihre Geheimnisse ein.
Es geht um komplexe Dynamiken in der Familie, aufgestaute Wut, Neid, Schmerz, Schuld und die Frage nach Sinn.
Bevor es geschah ist ein unaufgeregtes und doch eindringliches Buch, das mich von der ersten Seite an gefesselt und mitgerissen hat.
Absolut lesenswert!
Zwischen einem in seiner Alltäglichkeit erschrecken banalem Anfang und Ende eines Unfalls, wie er immer wieder geschieht, entfaltet sich ein komplexes Gefüge familiärer Verstrickungen. Jeder hat Geheimnisse. Niemand spricht über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Alle wahren den vermeintlich wichtigen Schein. Aus Rücksicht, Scham, Feigheit, Bequemlichkeit.... Bis die Fassade bröckelt und Schicht für Schicht freigelegt wird, auf welch tönernen Füssen der schöne Schein steht.
Ich habe sicherlich schon viele Bücher mit ähnlicher Grundidee gelesen. Dieses hier hat mich überraschend schnell in seinen Bann gezogen und ich konnte es kaum aus der Hand legen.
„[W]as sie stutzig macht, ist die sonderbare Dynamik dieser Familie, mit der ihre Mitglieder wie in einem mysteriösen Sonnensystem umeinander kreisen, sich streifen, einander ausweichen. Ihr Tanz fasziniert sie, und sie fragt sich, was diese so fein orchestrierte Choreografie verbirgt.“ (S. 40)
Zum jährlichen Barbecue finden sich vier erwachsene Geschwister mit ihren Familien im Garten der Mutter ein. Lust hat dazu eigentlich niemand. Alle wappnen sich auf ihre Art für das Zusammentreffen. Sie betrachten einander mit Argwohn und ahnen nicht, welche dunklen Flecken jede und jeder sorgsam verbirgt. Was nach Nähe aussieht, ist ein fragiles Gleichgewicht aus Schweigen, Selbstschutz und aufrechterhaltenen Fassaden.
Der Roman beginnt mit dem Höhepunkt, der zugleich der Tiefpunkt dieser familiären Konstellation ist, und arbeitet sich von dort aus in Rückblenden und Perspektivwechseln vor. Doch eigentlich steht die vermeintliche Katastrophe nur symbolisch für das, was in der Familie bereits seit Generationen schief läuft. Céline Spierer legt den Fokus weniger auf die Handlung als auf innere Bewegungen. Auf das, was gedacht, verdrängt und nie ausgesprochen wird. Sie erzählt von einer Familie, die einander umkreist, ohne sich wirklich zu begegnen.
Immer wieder dachte ich: spannender Gedanke, guter Ansatz. Doch kaum hatte sich eine Figur geöffnet, wechselte die Erzählperspektive bereits weiter. So bekam ich zu keinem der Charaktere einen wirklich tiefergehenden Zugang. Zwei bis drei Personen weniger hätten dem Plot nicht geschadet und der präzise beobachteten Dynamik erst den nötigen Raum gegeben.
Die Geschichte erzählt nichts Neues, aber es wird aufgezeigt, wie wichtig es ist, miteinander zu reden, nicht nur um sich selbst zu kreisen und Verantwortung zu übernehmen, v.a. denen gegenüber, die einem nahestehen.
Ein Sommertag mit der Familie und Schritt für Schritt werden Persönlichkeiten und Geheimnisse aufgedeckt. Erschreckend klar und schnörkellos. Habs sehr geliebt.
Ich hatte Mühe mir die ganzen Charaktere zu merken. Trotz oder vielleicht auch wegen der ganzen Personen, blieb der Roman mit seinen etwas mehr als 200 Seiten oberflächlich.
Welch heftige Konstruktion der Story! Es hat mich sehr beeindruckt, wie präzise die Charaktere ausgearbeitet wurden. Eine Familie, wie es sie sicher häufiger gibt. Mit vielen unausgesprochenen Dingen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen!
Geschichten dieser Art habe ich wohl einfach schon zu oft gelesen!
Nichts Neues
„Bevor es geschah“ von Celine Spierer ist sowohl ein Drama als auch eine Milieustudie.
Das jährliche Familien-BBQ bildet den Rahmen dieser Geschichte, die an einem einzigen Sommertag im Anwesen der Matriarchin Elisabeth Haynes spielt.
Auch nach dem Tod ihres Mannes versammeln sich ihre 4 Kinder, deren Lebenspartner und die Enkelkinder an einem schönen, sonnigen Tag, um zu essen und zu plaudern. Doch die Gespräche bewegen sich an der Oberfläche. Jeder versucht die Fassade der perfekten Familie aufrecht zu erhalten aber durch Perspektivwechsel und Flashbacks werden Geheimnisse und Lebenslügen nach und nach aufgedeckt. Alle sind so mit sich selbst beschäftigt, dass der jüngste Spross des Familienclans unbemerkt in den Pool klettern kann.
Jeder hat seinen Platz in dieser Familie. Die Autorin versteht es die komplexen Eltern - und Geschwisterbeziehungen, sowie die Wahl der jeweiligen Partner und deren Ehen genau zu analysieren.
Es liest sich ein bisschen wie eine Familienaufstellung und bietet leider nichts Neues, auch wenn die Geschichte gut geschrieben ist.
Die Fülle an Personen führte bei mir anfänglich zu Verwirrung, zumindest bis man sich merken konnte, wer zu wem gehört.
Ich habe dieses für mich eher durchschnittliche Buch trotzdem ganz gerne gelesen. Es fehlte aber das gewisse Etwas, dass ein Buch zu etwas Besonderem macht.
Ein spannender Einblick hinter die Fassade einer Familie. Sprachlich auf einem wunderbarem Niveau und somit ein kurzweiliges Lesevergnügen. Inhaltlich taucht man ein in das Innenleben der Figuren und erliest den Unterschied zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung.
„Bevor es geschah“ von Celine Spierer
Verlag: Kein & Aber
Triggerwarnung: sexueller Missbrauch (beim ebook nicht vermerkt)
Das Buch beginnt mit einer Tragödie beim Familien-Barbecue im Hause Haynes. Die vier Geschwister samt Partner:innen und Kindern kommen auf dem Anwesen der Mutter zu dem jährlichen Barbecue, veranstaltet von Jacquelyn der ältesten Tochter, zusammen.
Die privilegierte Familie behält Geheimnisse seit Jahrzehnten für sich; jeder hat sein Päckchen zu tragen und ganz voran Elisabeth, die kühle, distanzierte Mutter.
Der Familienroman wechselt zwischen Zeiten und Perspektiven. Die Konflikte innerhalb der Familie scheinen unüberwindbar; das komplexe Zusammenspiel der Ereignisse aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart zeichnen diesen exzellenten Roman aus.
Beim Eintreffen der Geschwister in ihrem Elternhaus ist die Spannung spürbar.
Rose, eine sehr schillernde und freizügige Frau, versucht Gelassenheit durch Alkohol und einen Joint zu erlangen. Jacquelyn möchte durch das Anordnen und Servieren der Speisen ihrer Person Aufmerksamkeit geben, sie ist die ruhige, besonnene, unscheinbare und immer hilfsbereite Tochter. Winston, nach dem frühen Tod des Vaters, das Familienoberhaupt nach der Mutter, trägt ein Geheimnis mit sich, dass er als Richter nicht nur seinem Arbeitgeber, sondern auch seiner Frau verheimlicht. Das Grauen vor dem BBQ ist nebensächlich im Vergleich zur Aussprache mit seiner Frau Mathilde. Nur sein kleiner Sohn Thomas freut sich auf das verwinkelte Anwesen der Großmutter. Dort gibt es so viel zu entdecken.
Sean ist der unbedarfte Sohn oder auch Nichtsnutz der Familie Haynes. Sein Erfolg besteht aus Lug und Betrug.
Auch Elisabeth hat vieles vor ihren Kindern zu verbergen, sie hat gravierende Fehler gemacht und war zu kalt und distanziert. Kann und will sie sich dies eingestehen? Oder wird sie auch im Alter nur tun was ihr gefällt?
Fesselnd verfolgt man als Leser:in die Geschehnisse der Vergangenheit, die unglaubliche Schuld mancher Familienangehöriger und deren Kunst, dies in den Tiefen der Familiengeheimnisse untergehen zu lassen. Die Ignoranz, das unfassbare Grauen aufgrund des Ansehens der Familie zu vertuschen und alle Schuld zu leugnen.
Die Autorin zeichnet eine authentische Tragödie einer angesehen Familie. Die Protagonisten wurden charakterstark beschrieben, die Szenen sehr realistisch dargestellt und emotional wurde ich als Leserin komplett abgeholt. In ihrem flüssigen, klar strukturierten Schreibstil zieht die Autorin die Leser:innen in den Bann. Das Versagen der Eltern, ihre Kinder zu beschützen, ihnen beizustehen, zu vertrauen, zu glauben und zuzuhören ist Thema in diesem Eltern-/Geschwisterkonflikt.
Die Geheimnisse der einzelnen Personen und/oder deren Schicksalsschläge lassen diese nicht los und beeinflussen ihr Leben. Céline Spierer schreibt über Ansehen, Macht und Vertuschungen in den besten Häusern. Nichts soll das gute Ansehen der Familie gefährden, alle Anschuldigungen werden vom Tisch gewischt und niemand wagte es, gegen diese Regeln zu verstoßen.
Ein Barbecue, welches nach und nach die Ereignisse aufzeigt. Kann jeder mit der Wahrheit umgehen? Oder ist es besser die Geheimnisse zu wahren.
Ein Thriller oder ein Familienroman? Auf jeden Fall ein Pageturner!
Klare Leseempfehlung.
Die Abgründe einer Familie
„Bevor es geschah“, ein Roman von Celine Spierer, ist im August 2024 im Kein und Aber Verlag erschienenen. Er wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar über NetGalley zur Verfügung gestellt.
Der Roman spielt an einem einzigen Tag im Hochsommer. Eine Familie kommt bei der Mutter zu einem Barbecue zusammen. Sehr schnell wird klar, dass es unter der scheinbar perfekten Oberfläche brodelt. Alle Familienmitglieder haben ihre ganz eigenen Geheimnisse. Sie reden und reden, nur nicht über das, was eigentlich gesagt werden müsste. Die Schilderung des Nachmittags wird durchzogen von Flashbacks und Gedanken der einzelnen Personen. Alle versuchen verzweifelt, die Fassung zu wahren. Auch das eingangs entworfene Bild der kalten, unnahbaren Matriarchin bröckelt im Verlauf des Romans, und es kommen unsichere, schuldbeladene Züge zum Vorschein. Bei der Tragödie, die sich am Ende entwickelt, kehrt die Mutter jedoch schnell in ihre anfängliche Rolle zurück und versucht diese zu vertuschen, so wie sie auch den Missbrauch der Tochter durch den Onkel vertuscht hat. .
Der Roman zeigt, wozu es führen kann, wenn keiner wirklich kommuniziert, wenn alles ungesagt bleibt und Geheimnisse immer mehr anwachsen, bis die Personen schier daran ersticken.
Das Buch besteht aus sehr langen Kapiteln, nur unterbrochen von den Flashbacks der jüngeren Tochter. In den langen Kapiteln kommt es oft zu abrupten Perspektivwechseln, die den Leser durchaus irritieren können. Ansonsten - und vielleicht sogar gerade deshalb- ist der Romans spannend bis zum. Schluss.
"Herblassung lässt sich leicht hinter vorgeblichen Komplimenten verbergen"
BEVOR ES GESCHAH (Übersetzung aus dem Französischen: Sina de Malafosse) von CÉLINE SPIERER ist ein Roman, der mich sowohl emotional als auch narrativ überzeugt. Spierer führte mich in eine Welt voller feinfühliger Charakterstudien und sorgfältig aufgebauter Spannung. Der Roman erzählt die Geschichte von einem unscheinbaren Kleinstadtleben, von drei Generationen einer Familie, das durch ein plötzliches und schockierendes Ereignis während eines Familienbrunchs aus den Fugen gerät.
Im Mittelpunkt stehen die 4 erwachsenen Geschwister (die zweite Generation) der Familie Hayes mit ihren Familien, deren jeweilige Leben von einigen Tragödie erschüttert wurde, die die gesamte Gemeinschaft betrifft. Doch Verdrängung gilt in der Familie Hayes als engster Verbündeter und so kocht und brodelt alles unter der scheinbar glänzenden Oberfläche. Spierer beschreibt die Geschehen aus mehreren Perspektiven und Zeiten und verleiht der Geschichte so eine komplexe und authentische Struktur. Ich wurde durchs Lesen dazu eingeladen, mich in die Gedanken und Gefühle der verschiedenen Figuren einzufühlen, was den Spannungsbogen des Romans nur verstärkt. Mit jedem Kapitel entwirrt sich das Netz aus Geheimnissen und vorgefassten Meinungen, und der Autorin gelingt es, den Leser bis zum Ende in ihren Bann zu ziehen.
Spierer's Stil zeichnet sich durch prägnante, aber bildhafte Sprache aus, die Emotionen und die Dichte der Handlung perfekt transportiert. Die Themen Verlust, Gemeinschaft, Missbrauch (psychisch und physisch), aber auch Hoffnung und Überlebenskraft ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch und verleihen ihm Tiefe. Besonders beeindruckend ist, wie es der Autorin gelingt, zwischenmenschliche Beziehungen realistisch und mit einer psychologischen Präzision zu schildern, die selten zu finden ist.
BEVOR ES GESCHAH ist nicht nur eine Geschichte über ein katastrophales Ereignis, sondern auch eine Erzählung darüber, wie Menschen mit Verlust und Veränderung umgehen. Céline Spierer hebt sich mit diesem Werk von der Masse ab, indem sie eine gefühlvolle und zugleich spannende Geschichte liefert, die lange nach dem Lesen nachhallt. Ein Muss für jeden, der Romane liebt, die gleichermaßen berühren und fesseln und keine klassische Familiengeschichte oder großes Happy End mit Feuerwerk benötigt.
Spannender Blick hinter die Kulissen eines FamilientreffenS
Das jährliche Barbecue der Familie Haynes ist ein festes Ritual. Das Treffen findet im Elternhaus der 4 Haynes Geschwister statt. Partnerinnen und Partner sind dabei. Auch Enkel gehören inzwischen dazu. Nach außen eine wunderbare Familientradition, die nach innen aus heißer brodelnder Magma von Ungesagtem, Geheimnissen und unterschwelliger Konkurrenz besteht.
Schicht für Schicht werden hier aus verschiedenen Perpektiven die Charaktere entblättert. Wer fühlt was, wer verheimlicht was, wer hat Angst, wer macht wem Vorwürfe. Welche Traumata stecken hinter welchem Verhalten?
Spannungen und Konflikte, die sich teils über Jahrzehnte angestaut haben, stehen kurz vor der Entladung. Und so nimmt mich die Autorin mit in diese Mischung aus Rückblick und Gegenwart, baut einen Spannungsbogen auf, der mich das Buch nur schwer hat weglegen lassen.
Klare Leseempfehlung für alle, die -wie ich -bei augenscheinlich perfekten Menschen gern mal hinter die Kulissen schauen.
Celine Spierer hat mit “Bevor es geschah” einen fesselnden und zugleich zutiefst berührenden Roman geschaffen, der mich mitten in eine komplexe und emotionale Familientragödie zieht. Auf rund 260 Seiten erleben wir die Familie Hayes, die zu ihrem jährlichen BBQ zusammenkommt – allerdings weniger aus Freude, sondern eher aus Zwang. Von Anfang an spürt man die Spannungen zwischen den Familienmitgliedern, und schon bald wird klar, dass sich hinter der Fassade tiefe Risse verbergen.
Die Handlung entfaltet sich fast beiläufig, aber die Konflikte, die unausgesprochenen Worte und die düsteren Geheimnisse der Vergangenheit sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Jeder Moment während dieses scheinbar harmlosen Treffens wirkt wie ein Pulverfass, das nur darauf wartet, zu explodieren. Als schließlich der kleine Junge der Familie in einem unachtsamen Moment in den Pool fällt, bricht die Fassade endgültig zusammen. Von da an überschlagen sich die Ereignisse, und die tief verborgenen Wunden der Familie kommen unaufhaltsam ans Licht.
Die Autorin versteht es meisterhaft, emotional mitzunehmen. Die Figuren wirken authentisch und nahbar, ihre Konflikte sind nachvollziehbar und real. Der Spannungsbogen ist dabei nicht künstlich konstruiert, sondern baut sich durch die intensive Charakterentwicklung und die psychologisch feinfühlige Darstellung der familiären Beziehungen auf. Was zunächst wie ein gewöhnliches Familientreffen aussieht, entpuppt sich schnell als eine Reise in die Abgründe der Vergangenheit, bei der man kaum vorhersehen kann, was als Nächstes passiert.
“Bevor es geschah” ist kein klassischer Thriller, es ist ein intensives Drama, das tief unter die Haut geht. Celine Spierers Blick für die menschlichen Abgründe und ihre Fähigkeit, Spannung und Emotionen geschickt miteinander zu verweben, machen dieses Buch zu einem echten Pageturner. Eine erschütternde und gleichzeitig fesselnde Lektüre, die noch lange nachwirkt.
Mit „Bevor es geschah" legt Céline Spierer ein kraftvolles und vielschichtiges Familiendrama vor, das sich gekonnt mit den Abgründen hinter der Fassade einer vermeintlich perfekten Familie auseinandersetzt. Der Roman beginnt mit einem schockierenden Vorfall: Beim alljährlichen Sommer-Barbecue der Familie Haynes geht der vierjährige Thomas unbemerkt im Pool unter, während die Erwachsenen zu sehr mit ihren eigenen Konflikten und Geheimnissen beschäftigt sind. Diese tragische Begebenheit dient als Katalysator für die Enthüllung zahlreicher innerfamiliärer Dramen, die die scheinbar makellose Fassade der Familie Stück für Stück zersetzen.
Spierer gelingt es meisterhaft, die komplexen und teilweise beschädigten Beziehungen zwischen den vier Geschwistern Sean, Jacquelyn, Rose und Winston sowie ihrer Mutter Elisabeth und deren Partner*innen zu entwirren. Jedes Familienmitglied trägt schwer an den Schatten der Vergangenheit, die sowohl von finanzieller Macht als auch von emotionalem Versagen geprägt ist. Besonders beeindruckend ist die Art, wie Spierer die unterschiedlichen Perspektiven der Charaktere in die Erzählung integriert und so nach und nach die wahren Motive und Geheimnisse der Familie offenbart. Die Figuren sind realistisch gezeichnet – voller innerer Widersprüche, Ängste und ungelebter Sehnsüchte.
Céline Spierers Hintergrund im Drehbuchschreiben ist deutlich spürbar. Ihr Schreibstil ist visuell und lässt fast schon filmische Bilder im Kopf der Leser*innen entstehen. Die Atmosphäre des Sommer-Barbecues – sonnig, idyllisch und doch von einer unterschwelligen Spannung durchzogen – wird so lebendig beschrieben, dass man das Gefühl hat, selbst Teil der Szene zu sein. Gleichzeitig entwickelt sich die Geschichte durch Rückblenden in die Vergangenheit der Charaktere weiter, was die Spannung kontinuierlich steigert.
Ein zentrales Thema des Romans ist die Frage, wie Familie als soziale Institution funktioniert – oder auch nicht funktioniert. Spierer zeigt, dass Blutsverwandtschaft kein Garant für enge Bindungen oder gar ein funktionierendes Beziehungsgeflecht ist. Im Gegenteil: Die Haynes sind geprägt von Misstrauen, Rivalitäten und jahrelangem Schweigen. Besonders die Matriarchin Elisabeth verkörpert die traditionelle Vorstellung von Ansehen und gesellschaftlichem Status, während ihre Kinder unter der Last dieser Erwartungen zusammenbrechen.
„Bevor es geschah" ist ein meisterhaft erzähltes Familiendrama, das durch seine komplexen Figuren und die spannende Aufdeckung lang gehüteter Geheimnisse besticht. Spierers filmischer Erzählstil lässt die Geschichte lebendig und greifbar werden, während die thematischen Tiefen von Macht, Schweigen und den emotionalen Verstrickungen in Familien für nachhaltigen Eindruck sorgen. Ein empfehlenswerter Roman für alle, die sich für vielschichtige Familiengeschichten mit psychologischem Tiefgang und überraschenden Wendungen interessieren.
Aus dem Französischen von Sina de Malafosse.
Das alljährliche BBQ steht bei der Vorzeigefamilie Haynes an und nicht alle Familienmitglieder freuen sich gleichermaßen, vom kritischen Blick der Matriarchin Elisabeth Haynes beäugt, dem perfekt arrangierten und ausgerichteten Essen beizuwohnen.
Schnell wird beim Lesen klar, das man sich auch in diesem Fall die Familie nicht aussuchen kann, Reichtum nicht vor Kummer schützt und jeder der vier Haynes Geschwister seinen eigenen inneren Kampf auszutragen hat.
Sei er gesundheitlicher, beruflicher, posttraumatischer oder beziehungstechnischer Natur.
Auf den Seiten tummeln sich viele Menschen.
Alaister und Elisabeth Haynes, deren vier Kinder (Jacquelyn, Winston, Sean und Rose), die jeweiligen Lebenspartner und Nachwuchs.
Céline Spierer schreibt eingänging und spannend. Ihre Wortwahl ist überaus angenehm und die zeitlichen Sprünge in gut gesetzten Abständen eingebaut.
Die Geschichte um familiäre Abgründe ist jedoch nichts Neues.
Das Mysterium um das Bewahren des guten Scheins, eine schon oft erzählte Angelegenheit.
„Bevor es geschah“ ist ein Roman um patriarchale Strukturen in Familiensystemen, welche über das Kindeswohl und den einzelnen Personen im Hause Haynes gestellt werden.
Die daraus entstandenen Verbindung zu den Familienmitgliedern finde ich nicht immer schlüssig.
Sie fühlt sich konstruiert und seitenfüllend an und dem Thema sexueller Übergriff an Minderjährige wird m.E. nicht genug Beachtung geschenkt.
Aber vielleicht ist es auch ein literarischer Kniff.
Denn auch in der Story wird dieser Missbrauch beiseite gewischt, um nur nicht an die Öffentlichkeit getragen zu werden.
Bedingt durch die immense Anzahl an Personen, fehlt es mir an Tiefe und Nachhaltigkeit.
„Bevor es geschah“ ist ein Roman, welchem ich gerne mehr Intensität zugesprochen hätte.
Leider bleibt er für mich persönlich „nur“ ein nettes Lesevergnügen, das nicht nachhallt.
Jedes Jahr veranstaltet die Familie Haynes ein Barbecue auf dem Anwesen der verwitweten Mutter; veranstaltet durch Jaqueline, die älteste und leicht pedantische Tochter. Hinzu kommen die beiden Brüder Winston (der korrekte Richter), Sean (der Jungunternehmer) und Rose (die schillernde und freizügige) - alle mit Partner und Kindern.
Schon von Beginn an, baut die Autorin eine Spannung auf, die schnell klar macht, dass es hier nicht zu einem idyllischen Familientreff kommt.
Jeder der Familienmitglieder - leiblich oder angeheiratet - versinkt immer wieder in Gedanken und analysiert seine Probleme; teilweise teilt er diese Probleme mit seinem Partner - dann erfährt der Leser auch dessen Sichtweise. Doch gibt es auch ganz eigene Probleme, die von der entsprechenden Figur für sich behalten und eingeschlossen wird. Allem gemein ist der Fakt: Über Dinge gesprochen wird wenig. Und so taucht der Leser schnell ein, in eine Welt, in der es dunkle Geheimnisse und Tragödien gibt.
Dann passiert etwas dramatisches, was alle wach rüttelt - einige Probleme werden tatsächlich gelöst, teils mit- oder untereinander, teils nur für den Leser (was aber ebenfalls erhellend ist).
Interessant an der Geschichte sind die Sprünge in der Zeit. Es beginnt zunächst mit dem dramatischem Ereignis und springt dann auf 7 Stunden davor; dann wechselt die Handlung zwischen 2021 (jetzt) und 1989 (damals) - kurzzeitig geht es auch noch etwas weiter zurück (da sich auch die Mutter zurück erinnert).
Und zu all diesen Zeitpunkten kommt es zu tragischen Erignissen, die jedoch immerwährend totgeschwiegen werden. Der Leser erlebt die inneren Gedanken der Figuren zu unerklärten Todesfällen, sexuelle Belästigung, Seitensprung, Selbstmord - und wird geschickt immer nur mit Andeutungen versorgt; bis es dann einen Twist gibt.
Mehr mag nicht verraten werden. Ich weiß nicht, ob man hier schon von einem Krimi sprechen kann - aber Elemente eines whodunit sind durchaus gegeben.
Eine Familientragödie, die ich sehr gern gelesen habe und die (für mein Empfinden) keine Längen aufweist, sondern alle Handlungsstränge und Gedanken dicht aufeinanderfolgen und ineinandergreifen lässt.
Eine Empfehlung für alle, die Familientragödien mögen, wie sie auch aus der Feder eines Tennessee Williams oder Truman Capote stammen könnten - die entsprechenden Vibes liegen zumindest vor.
Von mir klare 5/5