15. Mai
Rating:3.5

Vincent van Gogh. Theo van Gogh. Jo van Gogh-Bonger. Ein berühmter Name. Ein tragender Bruder. Und eine Frau, über die viel zu selten gesprochen wird. „Die Entflammten“ bewegt sich zwischen Kunst und Künstlertum. Zwischen Werk und Leben. Zwischen Genie, Förderung und Vermächtnis. Vincent ist da. In seiner Zerrissenheit. In seiner Sehnsucht. In seiner Kunst. Theo auch. Als Verbindung. Als Ermöglicher. Als der, ohne den vieles vielleicht anders verlaufen wäre. Und dann Jo. Nicht laut. Aber beharrlich. Gerade dort wurde es für mich am interessantesten. In dem Blick auf eine Frau, die nicht nur geliebt, verloren und überlebt hat sondern getragen. Geordnet. Weitergeführt. Briefe. Bilder. Sichtbarkeit. Nicht nur Kunstgeschichte. Auch das, was Kunst überhaupt erst in die Welt hinein bestehen lässt. Darin liegt für mich die eigentliche Stärke dieses Buches. Und gleichzeitig auch mein Abstand dazu. Denn immer dann, wenn genau diese Geschichte ihre größte Kraft entfaltet, wollte ich oft noch näher dorthin. Noch mehr Jo. Noch mehr von jener Frau, die zwischen Verlust, Zeitgeist und einer männlich geprägten Welt etwas bewahrte, das weit über Bewahrung hinausging. Es gibt schöne, kluge, auch berührende Passagen. Gedanken über Kunst. Über Farbe. Über Leben. Aber mein Blick blieb immer wieder dort hängen, wo dieses Buch für mich am stärksten gewesen wäre: noch näher bei ihr. So blieb „Die Entflammten“ für mich nicht nur ein Roman über Kunst, Leben und all ihre Verflechtungen. Sondern auch über die Frage, wer dafür sorgt, dass sie bleibt.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein & Aber
22. März
Rating:4.5

Dieses Buch hat mich positiv überrascht

Nachdem ich letztes Jahr in Amsterdam war und natürlich auch dem Van Gogh-Museum einen Besuch abgestattet habe, war ich umso erfreuter, mit "Die Entflammten" von Simone Meier eine literarische Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk des Künstlers gefunden zu haben. Anders als man vielleicht im ersten Moment erwarten mag, legt der Roman den Fokus allerdings nicht auf Vincent selbst, sondern auf seine Schwägerin Jo van Gogh-Bonger, der es überhaupt zu verdanken ist, dass van Goghs Werke heute zu den bedeutendsten der gesamten Kunstgeschichte zählen. In "Die Entflammten" treffen wir in alternierenden Kapiteln auf zwei unterschiedliche Erzählebenen mit je einer eigenen Protagonistin. Im Hier und Jetzt begegnen wir Gina, Studentin der Kunstgeschichte und Tochter eines Schriftstellers, dem es nach einem Bestseller-Roman nie wieder gelang, auch nur ein weiteres Werk zu schreiben. Gina verspürt eine ungemeine Faszination für Jo und wandelt auf ihren Spuren, um schließlich mit der Unterstützung ihres Vaters einen Roman zu schreiben, der Jo in den Mittelpunkt der Geschichte um van Gogh stellt. Auf der zweiten Erzählebene tauchen wir ein in das Holland und Frankreich um 1900 und begleiten die junge Jo von ihrem ersten Aufeinandertreffen mit Vincents Bruder Theo van Gogh über die Hochzeit und die Tode der beiden Brüder bis hin zu dem Moment, in dem Jo es sich zur Aufgabe machte, die Werke ihres verstorbenen Schwagers weltberühmt zu machen - mit Erfolg. Je weiter die Erzählung voranschreitet, desto mehr verschmelzen die beiden Erzählebenen miteinander und Jo dringt zunehmend in die Welt von Gina ein. In angeregten Dialogen, in denen nicht immer ganz klar ist, wer gerade spricht, kommen sich die beiden immer näher, was die Faszination, ja geradezu Besessenheit Ginas mit Jo auf besonders eindrückliche Art und Weise verdeutlicht. "Die Entflammten" ist ein recht schmales Büchlein, das mal laut, mal ganz leise daherkommt und mit einer unglaublich schönen, bildhaften Sprache überzeugt. Was Vincent mit seinen Bildern auszudrücken vermochte, wird hier über das geschriebene Wort vermittelt, wobei auch viele Kunstwerke van Goghs geschickt in die Handlung eingebunden werden. Wer sich auf dieses ungewöhnliche Buch einlässt, wird belohnt mit einer ganz anderen Art zu erzählen und einer weiblichen Perspektive auf das Werk van Goghs, die bisher kaum repräsentiert ist. Obendrein lernt man nicht nur über den Künstler selbst einiges, sondern auch über das Leben und die Herausforderungen im Europa um die Jahrhundertwende. Die vollen fünf Sterne vergebe ich nicht, da der Klappentext suggeriert hat, der Fokus der Geschichte liege darauf, wie es Jo gelang, die Werke ihres Schwagers weltberühmt zu machen. Dieser Teil nimmt aber tatsächlich nur sehr wenig Raum ein und bis jetzt habe ich nicht ganz verstanden, was hier der entscheidende Auslöser war. Alles in allem aber trotzdem eine große Empfehlung für jede Person, die sich etwas genauer mit dem Werk van Goghs auseinandersetzen möchte und sich für Kunst begeistern kann!

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein & Aber
20. Aug.
Rating:3

Ich wusste kaum etwas über Van Gogh und gar nichts über seine Schwägerin Johanna Van Gogh-Bonger. Simone Meier verstrickt die Geschichte von Johanna geschickt mit der von Gina, einer Kunsthistorikerin. Der Schreibstil, die Sprache und das Tempo gefielen mir gut. Je länger je mehr, intressierte mich aber nur noch die Geschichte von Johanna, und der 'Nebenschauplatz' von Gina und ihrem Vater wurde für mich überflüssig. Ich werde mich nach einer Biografie über Johanna Van Gogh-Bonger umschauen.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein & Aber
14. Juni
Rating:4

Hinter jedem "großen" Mann steht eine noch größere Frau, und hier im speziellen Jo van Gogh-Bonger. Wir begleiten Sie durch eine kurze aber nicht minder zärtliche Ehe und der sich anschließenden Mammutaufgabe in einer männlich dominierten Welt das Ausnahmetalent ihrer auch zu früh verstorbenen Schwagers Vincent der Welt für immer sichtbar zu machen. Ich mochte den Schreibstil und auch die freche Arte von Jo, allerdings fand ich die zweite Zeitebene deutlich schwächer. Gina hat eine Schreibblokade und flüchtet sich zu ihrem "er konnte nur den einen Roman schreibenden" Vater. Auf den Vaterteil hätte ich gerne verzichtet für mehr Jo, auch wenn ich etwas Skurriles über Meerjungfrauenfliesen gelernt habe, was sich wie in hartnäckiger Ohrwurm als Stummfilmdoku in meinem Kopfkino manifestiert hat.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein & Aber
3. Jan.
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Rating:2.5

Ohne sie würde die Welt Vincent van Vogh höchstwahrscheinlich nicht kennen. Einer Frau ist es zu verdanken, dass wir uns heute an Vincents Gemälden erfreuen können. Johanna van Gogh-Bonger, Jo genannt, war die Frau von Theo van Gogh, der Bruder von Vincent. Der Roman hat 2 Handlungsstränge. Eine zu jener Zeit als Jo Theo und Vincent kennen und lieben gelernt hat und eine spielt in der heutigen Zeit. Ich muss gestehen, dieser Teil hat sich mir nicht wirklich erschlossen, ich empfand ihn eher störend. Der Erzählstrang von Jo, Theo und Vincent und wie sie es schafft Vincent berühmt zu machen, sind dagegen sehr gut.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein & Aber
6. Sept.
Rating:4

Ein mitreißender Schreibstil, der eher monologartig angelegt ist und mit einer hohen Dichte an Informationen, was aber durch den Stil nicht dokumentarisch wirkt. Ich habe es sehr gerne gelesen. Komplexe Figuren, die mit sich ringen und scheinbar doch zu sich finden.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein & Aber
27. Juni
Rating:3.5

Wahnsinnig schön geschrieben. Der Autorin gelingen die Übergänge der Charaktere teilweise mitten im Satz und verleiht der Geschichte dadurch einen ganz gewissen Charme. Man fühlt so unglaublich viel während dem Lesen, vor allem den Drang nach Freiheit und die große Liebe der Johanna Van Gogh-Bonger. Leider hat mich das Ende nicht wirklich abholen können, dennoch eine großartige Geschichte <3

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber
22. Mai
Rating:4

Interessantes Frauenporträt

Gina ist die Tochter eines Schriftstellers, der ein einziges, hoch gelobtes aber nicht sonderlich erfolgreiches Buch geschrieben hat. Sie ist anders, als andere, ist schon als Kind fasziniert von Wunden und Verletzungen. Und so wird sie natürlich auch magisch von dem Gemälde eines Mannes, dem ein Ohr abeschnitten wurde, angezogen: Vincent van Gogh. Jahre später schreibt Gina wie bessessen an einem Roman über Jo van Gogh-Bonger, der Schwägerin des berühmten Malers, die Frau, die dafür gesorgt hat, dass seine Gemälde nach seinem Tod teuer verkauft wurden und sein Name bis heute für einen der bedeutendsten und bekanntesten Künstler der Welt zählt. Es fällt mir recht schwer, meine Gedanken zu diesem Roman niederzuschreiben. Einerseits ist es ein faszinierender Einblick in das Leben um die Jahrhundertwende, besonders in das Leben der Bohème, der Künstler, der ewig getriebenen. Viel erfährt man über das Leben der jungen Ballerinen an der Pariser Oper, die Armut, unter der van Gogh zeit seines Lebens litt, das Leben und Sterben an der Syphillis. Und man erfährt eine Menge über eine ungwöhnliche und starke Frau, eben jene Jo van Gogh-Bonger, Ehefrau, Schwägerin, Muse der Künstler und harte Geschäftsfrau. Das alles hätte für meinen Geschmack ausführlicher sein können. Dafür ist die Geschichte der Schriftstellerin Gina, die auch ihren eigenen Reiz hat, stellenweise störend, vor allem die Erzählungen über ihren Vater. Mein Fazit: ein interessanter Roman über die Pariser Künstler um die Jahrhundertwende, der etwas unter dem zweiten Handlungsstrang leidet.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber
21. Apr.
Rating:5

Die Geschichte einer berühmten Unbekannten

Die Wittwe Jo van Gogh-Bonger hat einen Plan, sie will ihren toten Schwager, einen unbekannten Maler namens Vincent van Gogh, weltberühmt mache. Da ich die Bilder von van Gogh sehr mag, bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Beim Lesen wurden viele Details aus dem Leben der Familie van Gogh bekannt. Ein sehr schönes Buch.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber
9. Apr.
Rating:4

Die weibliche Perspektive auf Vincent van Gogh

Auch auf mich üben die Bilder von Vincent van Gogh eine besondere Anziehung aus. Dabei fällt es mir schwer zu entscheiden, welches ich am liebsten mag. Die Farbenpracht, das Grelle, Quirlige lassen mich darüber nachdenken, ob sich in ihnen sein Geisteszustand widerspiegelt Jo van Gogh-Bongeren hat die Faszination seiner Bilder schon früher erkannt. Sie war seine Schwägerin, verheiratet mit ihrer großen Liebe, seinem Bruder Theo. Doch das Glück fährt kurz, denn schnell wurde sie mit den geistigen Leiden beider konfrontiert. Nach dem Tod der Brüder, war sie es, die seine Bilder bekannt machte und somit das erreichte, was Vincent van Gogh versagt blieb. Gina eine 24-jährige Studierende der Kunstgeschichte, taucht ein in das Leben von Jo. Und je tiefer sie sich mit ihr befasst, desto mehr verschmelzen beide Frauen miteinander. Ist die Erzählung beider Frauen am Anfang stark getrennt verweben Sie sich zunehmend miteinander und führen einen Dialog. Dieser wirkt wie ein rauschhafter Tanz, in dem sich Gina und Jo immer mehr verbinden, sich vor und zurück wiegen und eng umschlungen in die Gedanken, der jeweils Anderen tauchen. Immer wieder erreichen wir kleine Erzählerinseln welche den Text voranbringen und in der wir als Leser*innen nicht nur Jos Leben näher kennen lernen, sondern auch die Obsession van Goghs und seines Bruders spüren können. Obendrauf erhaschen wir kleine Blicke hinter die Kulissen von Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Zum Ende hin scheint die Leidenschaft für Vincent und Theo auch Gina gepackt zu haben und die Hitze und das Fieber machen sich auch körperlich bemerkbar. Der Text ist nicht immer leicht zu lesen. Neben der Verschmelzung beider Frauen verschmelzen auch die Dialoge. Die Perspektiven wechseln im gleichen Satz, Anführungszeichen gibt es keine und sucht man andere Satzzeichen, die einen Wechsel bemerkbar machen – Fehlanzeige! Das erfordert höchste Konzentration. Am besten, man lässt sich in den Text fallen, ohne Anspruch immer genau zu wissen, wer gerade spricht und tanzt mit den Beiden. Während mich die Geschichte Jo van Gogh- Bongeren sehr fesselte, hätte ich die Einblicke in Ginas Leben nicht unbedingt gebraucht. Ein Buch über die Leidenschaft für Kunst das mitreißt und fordert.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber
30. März
Rating:3

Erst gut, dann doch etwas quälend

Zum Anfang konnte ich begeistert folgen, aber je mehr es fortschritt empfand ich es langgezogen. Die Geschichte mit dem Vater hätte ich gar nicht gebraucht. Die Teile nur über Jo van Gogh waren toll. Das Verschwimmte zwischen Gina und Jo dann nicht so.

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber
23. März
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Rating:4

Wenn man über ein Gericht sagt, es wäre “interessant” gewesen, dann ist das meistens kein Kompliment für die Köchin oder den Koch. Mir will allerdings vor allem das Adjektiv “interessant” in den Kopf kommen, wenn ich an den Roman “Die Entflammten” von Simone Meier denke, der momentan gefühlt in aller Hände und Köpfe ist. Formulieren wir es aber anders, denn dieses Buch ist keineswegs mit einem schlecht schmeckenden Essen zu vergleichen. Ich bin froh, dass mir diese Geschichte erzählt wurde, die ich so noch nicht kannte. Es ist einerseits die Geschichte der historischen Johanna van Gogh-Bonger (1862-1925). Sie war die Witwe von Vincent van Goghs Bruder Theo van Gogh und machte die Werke ihres Schwagers durch geschicktes Kunstmanagement und Marketing posthum weltberühmt. Und genau über diese ihre zentrale Lebensleistung wurde mir leider zu wenig berichtet. Es wird so anerzählt, wie in etwa der Vertrieb der Kunstwerke und die Logistik des Verschickens war, dass die Bilder schlecht verpackt wurden und Beschädigungen erlitten, aber nur ganz kurz. Und dass sie ja die geniale Idee hatte, das Werk Vincents durch den Vertrieb von Postkarten niederschwellig zugänglich zu machen, das wird nur von einem ihrer späten Freunde lobend eingeworfen. Ich hätte sie gerne erlebt, wie ihr das alles eingefallen ist, aber letztendlich wird aus diesem Lebenswerk der Johanna van Gogh-Bonger, weswegen sie heute in die Kunstgeschichte eingeschrieben und unvergessen ist, nur eine kleine Episode gemacht. Und das ist schade. Aber nun kommen alle Aspekte, die mir gefallen haben und die ich positiv hervorheben möchte: Das Buch hat zwei Erzählstränge, die zwar getrennt sind, aber sich an manchen Stellen berühren bzw. ineinanderfließen. Durch die beiden Erzählstränge ist der Roman sehr abwechslungsreich. Die Geschichte von Jo wird einmal aus ihrer Perspektive und einmal aus der Zukunftsperspektive von Gina beleuchtet. Gina ist die junge Autorin aus der Gegenwart, die Johanna van Gogh-Bongers Geschichte aufschreibt. Sehr metatextuell, denn wir lesen quasi Ginas Buch. Die junge Frau stolpert etwas orientierungslos durch ihr Kunstgeschichte-Studium, bis sie auf Johannas Geschichte aufmerksam wird. Gina sagt über Jo: “Eine junge Frau wie ein Stück Brot, unscheinbar und zugleich lebensnotwendig” (S. 100). Jo ist eine sehr pragmatische, geschäftstüchtig auftretende Protagonistin, heute würde man sagen eine “Macherin”. Wahrscheinlich ist es diese “no nonsense”-Einstellung, die ihr letztlich den Erfolg gebracht hat. Bemerkenswert war für mich: Jo machte als Frau bereits Ende des 19. Jahrhunderts einen Abschluss in englischer Literaturgeschichte. Die Abhängigkeit von einem Mann wollte sie nie und nach der nur sehr kurzen Ehe ist sie ihr auch entkommen. Johanna wurde zwar durch einen anderen Mann reich, aber das kam durch ihre eigene Initiative. Es geht in diesem Roman nicht nur um den Vertrieb und die Vermarktung von Kunst, sondern auch darum, was Kunstrezeption mit uns machen kann, was Kunst in der Lage ist, in uns auszulösen. Gina erlebt folgendes, als sie vor Vincents blühendem Mandelzweig steht: “Ich stand davor, ich wollte meine Hand ausstrecken, wollte sie in den Blüten kühlen [...] das Bild wühlte mich ungewöhnlich auf, die Endzeit der Schönheit, dachte ich, und brach mitten in einem nüchternen Museumssaal in Tränen aus.” (S. 157) Gina sagt, ihr Schreiben sei “impressionistisch”, das ihres Vaters, der bislang aber nur ein Buch veröffentlichen konnte, wäre es auch und letztlich kann man auch Simone Meiers Art und Weise einen Text zu formulieren als “impressionistisch” bezeichnen. Ihre Wortwahl ist bildhaft, ihre Szenen und Zeitebenen fließen ineinander über, alles wirkt ein bisschen verschwommen. Sehr interessant und originell finde ich, dass Gina und Jo an ein paar Stellen miteinander in einen Dialog treten. Hier berühren sich und verschwimmen die Zeiten, die Plotstränge und letztlich die beiden Protagonistinnen zu einer. Das Buch selbst will ein sprachliches Gemälde sein und schafft dies auch an manchen Stellen. Sprache und Ausdrucksweise sind intellektuell gehoben, was angesichts des Themas zwar passend erscheint, was man aber als Leser:in auch mögen muss. Fazit: Ein wirklich sehr gut erzählter Roman, in dem ich mir ein Weniger an “ Männern in Särgen” und ein Mehr an historischen Frauen im Kunst-Business gewünscht hätte. Triggerwarnungen: Tod/Sterben/(exhumierte) Leichen, (psychische) Krankheiten

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber
19. März
Rating:3.5

Simone Meier nimmt uns mit, auf eine Reise durch die Kunst, zwischen Liebe, Verzweiflung, Verlangen und Kraft. Worum geht es? Ende des 19. Jahrhunderts versucht Johanna (Jo) Bonger ihren Platz im Leben zu finden. Ihre Gefühlswelt ist dabei geprägt von Romanzen, wie sie in Romanen zu finden sind und der Realität dieser Zeit; sie möchte als Frau zwar einem Ehemann genüge tun, sich jedoch auch in der Literatur, in der Kunst und im Leben bewegen. Sie hat einen Verehrer, Eduard, der ihr jedoch nicht nahe kommt - der sie nicht einmal küsst. Dann trifft sie Theo van Gogh - bzw. er trifft sie. Und er macht ihr einen Antrag, den sie jedoch ablehnt; doch Theo gibt nicht auf. Eduard lässt sie fallen und sie muss sich auf ein anderes, als ein erhofftes Leben, besinnen. Nach einigen eigenmotivierten Anläufen erkennt sie doch die Vorzüge von Theo und nimmt - in ehrlicher Liebe - seinen Antrag an. Doch Theo ist nicht nur für sie verantwortlich, sondern auch für seinen Bruder Vincent. Dieser versinkt in seinem Kunstwahn und Theo als Kunsthändler - versucht den Bruder aufzufangen. Er schafft es nicht und Vincent erleidet das bekannte Schicksal - er bringt sich schließlich um. Theo selbst folgt seinem Bruder, nachdem er dem Zerfall und dem Wahnsinn erliegt, den die Syphilis mit sich bringt. Jo übersteht den Verlust mit Mühe, versucht jedoch dem Andenken von Theo - auch wenn sie ihm seine Schuld an der Krankheit kaum verzeihen kann - gerecht zu werden; sie bemüht sich - mit Erfolg - Vincent van Gogh berühmt zu machen. Die Beziehung zwischen Theo und Jo, zwischen Theo und Vincent, zwischen Jo und Vincent - ganz stark! Soweit so gut. Der Erzählstrang um Jo van Gogh-Bonger ist wirklich sehr gelungen und gespickt von grandiosen Sätzen. Der zweite Strang um Gina, Studentin der Kunsthistorik und Tochter eines vermeintlichen Schriftstellers, der deutlich gescheitert ist, erschließt sich mir nicht. Recht konstruiert wird hier eine Parallele zwischen den beiden Frauen aufgebaut; sie führen Gespräche miteinander, die Verbindungen der beiden Frauen aufzeigen sollen, die ohne Substanz sind. Ginas Beziehung zu ihrer Schwester, ihrer Oma, ihrer Mutter wird aufgezeigt - ohne Bezug auf die Verbindung zwischen Gina und Jo. Zudem stellt sich mir Gina als sehr eingebildete, ja zunehmend unsympathische Person dar. Immer wieder betont sie ihre unglaubliche Schönheit, mit der sie ihre Umwelt manipuliert; ganz im Gegensatz zu Jo, die durch ihre Hartnäckigkeit und ihre Cleverness zu überzeugen versucht. Für mich ein Buch mit vielen starken und dichten Teilen - kunsthistorisch hervorstechend; jedoch auch mit einem schwachen Teil um die Ich-Erzählerin. 3,5/5 Sternen

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber
13. März
Rating:5

Ein Roman, dessen Sog ich mich kaum entziehen konnte. Vor allem ab dem Zeitpunkt, als die Geschichte von Jo van Gogh-Bonger in Ginas Erzählgegenwart ankommt. Und dazu auch noch zahlreiche biografische Details aus dem Leben der Van Goghs. Ein besonderes Leseerlebnis und eine uneingeschränkte Empfehlung!

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber
29. Feb.
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Rating:3.5

DIE ENTFLAMMTEN Simone Meier Die angehende Kunsthistorikerin Gina reist zu ihrem Vater nach Italien ans Meer. Eigentlich wollte sie dort ihre Arbeit für die Uni schreiben, doch sie stößt vor Ort auf die Geschichte der Jo van Gogh-Bonger, die Schwägerin von Vincent van Gogh. Jo war mit seinem Bruder Theo verheiratet. Dieser unterstütze unermüdlich seinen Bruder Vincent und versuchte, seine Bilder, die zu diesem Zeitpunkt fast wertlos waren, zu verkaufen. So reisen wir 100 Jahre zurück nach Frankreich - nach Paris, Arles und Auers-sur-Oise und begleiten dort viele Jahre Jo. Eine starke Frau, die auch den Mut nicht verliert, nachdem ihr Ehemann nach nur zwei Ehejahren an Syphilis stirbt und sie mit einem kleinen Sohn und hunderten von Bildern zurücklässt. Doch Jo schlägt sich durch, und nachdem eine neue Generation von Kunstkritikern heranwächst, entfacht auch bei ihr der Geschäftssinn. Ich musste mich ein wenig in dieses Buch mit seinem sperrigen Anfang einlesen. Doch nach ein paar Seiten war ich ganz in der Geschichte zugegen. Die Geschichte Jos ist sehr ergreifend und ich konnte mich mit ihr identifizieren. Ginas Geschichte hingegen konnte mich weniger berühren. Insgesamt ein gutes und lehrreiches Buch. Ein wenig geschockt war ich von der Geschichte Edgar Degas und den Gepflogenheiten an der Paris Opéra. Aber um was es da genau geht, müsst ihr selber lesen. 3½/ 5

Die Entflammten
Die Entflammtenby Simone MeierKein &amp; Aber