Lukas Witek bekommt die Chance, bei der wöchentlichen Soap "Schöneberg" als Drehbuchautor einzusteigen. Doch nicht nur beruflich wird sein Leben fortan von Intrigen, verbotener Liebe, Drogen, Tod und Leidenschaft bestimmt, auch sein Privatleben gleicht immer mehr einer Soap. Denn er verliebt sich ausgerechnet in Maria, die hübsche Freundin des Chefautors... Das Buch ist in 26 Kapitel gegliedert, was, wie der Leser im Buch erfährt, der Anzahl der Folgen einer Staffel entspricht. Jedes dieser Kapitel endet auch wie in einer Soap mit einem Cliffhanger, woraufhin das folgende mit einer allgemeinen Einleitung beginnt, bevor es wieder an die Handlung anknüpft. Besonders diese Einleitungen beleuchten die Hintergründe einer Soap und die Arbeit der Autoren. Hier schöpft Michael Meisheit aus seinem Erfahrungsschatz als langjähriger Autor der "Lindenstraße". "Soap" ist sehr humorvoll und flüssig geschrieben und lässt sich gut mal zwischendurch lesen. Auch bei Unterbrechungen kommt man immer wieder gut in die Handlung hinein. Allerdings habe ich mich nicht so häufig unterbrechen lassen, denn das Buch hat durchaus eine gewisse Sogwirkung und besonders in der ersten Hälfte liest man Seite um Seite weiter, begierig, den Fortgang der Geschichte zu erfahren. Da Michael Meisheit versucht, sämtliche große Themen einer Soap abzudecken (Liebe, verbotene Küsse, Sex, Verführung, Intrigen, Selbstmord, Drogenabhängigkeit, Krankheit und Tod), wurde es mir allerdings spätestens im letzten Drittel zu viel und ich war schon fast gelangweilt, weil es mir wie ein Abarbeiten der Themen vorkam, nur um die 26 "Folgen" zu füllen. Ein wenig störte ich mich auch daran, wie schnell die Probleme immer wieder beiseite gewischt wurden. Der große, allwissende Produzent der Serie zieht dann schnell im Hintergrund an ein paar Fäden und schon ist alles wieder entwirrt und die Drogen schlagartig kein Problem mehr. Neues Kapitel, neues Thema. Das Ende hat dem Ganzen dann noch die Krone aufgesetzt, was sicher im wörtlichen Sinne so beabsichtigt war, mir aber dann nachträglich den Spaß am Buch gemindert hat. Keine Frage, das Thema gehört bestimmt in jede Soap irgendwie mit hinein, aber mir war das dann endgültig zu viel an Drama und ich war mir nicht mal mehr sicher, ob ich noch ein Happy End wollte und ob es das überhaupt geben konnte. Großen Spaß beim Lesen hatte ich jedoch bei Szenen wie jener im Karibikurlaub - natürlich gesponsert vom großen Strippenzieher - als Lukas feststellt, wie vieldeutig doch die Kommunikation zwischen Leuten ablaufen kann, die miteinander Geheimnisse und Erlebnisse teilen bzw. davon nichts ahnen. "Soap" ist besonders für Fans von Seifenopern (zu denen ich allerdings nicht zähle) unbedingt lesenswert. Mir haben vor allem der Humor und die genauen Betrachtungen zwischenmenschlicher Beziehungen gefallen. Ich habe während des Lesens oft laut gelacht, wirklich mitgelitten habe ich aber bei keinem der Protagonisten. Trotz aller Kritikpunkte, die genauer betrachtet eher dem dramaturgischen Aufbau des Buches als "Seifenoper" geschuldet sind, habe ich mich mit "Soap" bestens unterhalten gefühlt und würde gern mehr von Michael Meisheit lesen. © Tintenelfe www.tintenhain.de
23. Sept.Sep 23, 2022
Soapby Michael MeisheitMeisheit, Michael
