Gelungene Fortsetzung
Ich hatte bereits "Gelber Krokus" von Laila Ibrahim sehr gern gehört. Der Roman erzählte die Geschichte der Tochter eines Plantagenbesitzers (Elizabeth, genannt Lisbeth) und ihrer farbigen Amme, der Sklavin Mattie, im Virginia der Vorkriegszeit. Zwischen den Beiden entsteht eine innige Bindung, die die auf der Hautfarbe beruhende Abgrenzung und die Sklaverei in Frage stellt und beide Frauen schließlich vor die Entscheidung stellt, aus diesem System auszubrechen und die Plantage in Richtung Nordstaaten zu verlassen. "Eine Handvoll Senfkörner" ist der Fortsetzungsroman, in dem Mattie mit ihrer Tochter und ihrem Sohn zur Plantage zurückkehrt, um eine Verwandte dazu zu bewegen, in den sicheren Norden überzusiedeln. Denn auch nach dem Ende des Bürgerkriegs hat sich die Situation der Sklaven in den Südstaaten nicht gebessert und sie sind weiterhin der weißen Willkür ausgesetzt. Beide Kinder haben studiert. Matties Tochter Jordan, eine Lehrerin, die auch Lisbeths Tochter Sadie unterrichtet, engagiert sich zudem für die Rechte der Frauen. Ebenso begibt sich Lisbeth mit Sadie zurück, da ihr Vater im Sterben liegt. Auch ihre Familie ist den "Südstaaten-Idealen" verhaftet geblieben; ihr Bruder steht in besonderer Weise hierfür. Und so hat die Familie Lisbeth nicht verziehen, dass sie sich für die liberalen Werte des Nordens entschieden hat. Der Roman ist flüssig geschrieben und wird aus den Perspektiven Matties und Lisbeths erzählt. So gelingt es einerseits gut, die Zerrissenheit von Lisbeths Familie und ihren Kampf um die von ihr gewählte liberale Ansicht zu beschreiben. Hierbei wünscht man sich an einigen Stellen eine stärkere Lisbeth, die entgegentritt und ihre Hilflosigkeit überwindet. Und andererseits wird gut dargestellt, welcher Willkür Farbige in den Südstaaten auch nach dem Bürgerkrieg und seinen Errungenschaften ausgesetzt waren. Mattie weiß zum Zeitpunkt des Aufbruchs nach Virginia um diese Gefahr und so zeichnet die Autorin ein Bild einer besonnenen, mutigen und starken Frau. Gemeinsam mit ihren zu Hilfe kommenden Ehemännern kämpfen die beiden Frauen einmal mehr für freiheitliche Werte und gleiche Rechte unabhängig von der Hautfarbe. Wie schon der erste Teil hat mich auch "Eine Handvoll Senfkörner" bewegt. Neben der Geschichte von Lisbeth und Mattie ist insbesondere die Entwicklung Jordans beeindruckend. Der Konflikt um Werte, Wertschätzung und Achtung eines Jeden, die Geschichte von inniger Freundschaft einerseits und die Gegenüberstellung von Zerissenheit auf der einen und Zusammenhalt der Familie auf der anderen Seite machen das Buch für mich insgesamt zu einem gelungenen (Hör-)Erlebnis.


