Spannender Krimi mit flüssigem Stil, wechselnden Ich-Perspektiven und vielen Verdächtigen. Gelungener Reihenauftakt.
Die Stille der Flut (Band 1) von Elke Bergsma & Anna Johannsen Die Stille der Flut ist ein spannender Auftakt einer Krimireihe, der nicht nur mit einem klassischen Mordfall, sondern auch mit einem unterschwelligen internen Konflikt überzeugt. Im Mittelpunkt steht Lina Lübbers, die jüngste Hauptkommissarin Osnabrücks, die undercover nach Aurich versetzt wird, um einen möglichen Maulwurf im dortigen Kommissariat zu entlarven. Schon dieser Ausgangspunkt sorgt für eine dichte, misstrauische Atmosphäre, die sich durch den gesamten Roman zieht. Der Schreibstil der Autorinnen ist flüssig und sehr gut lesbar. Besonders gelungen ist die Erzählweise in der Ich-Form aus wechselnden Perspektiven: Sowohl Lina als auch ihre Vorgesetzte Kea Siefken kommen zu Wort. Dadurch erhält man einen intensiven Einblick in ihre Gedanken, Gefühle und inneren Konflikte. Diese Nähe zu den Figuren macht sie greifbar und menschlich, auch wenn genau hier eine kleine Schwäche liegt: Da sich die beiden Protagonistinnen in ihrer Denkweise stellenweise ähneln, kam es gelegentlich zu Verwirrung darüber, aus wessen Perspektive gerade erzählt wird, auch wenn es immer am Anfang des Kapitels steht. Die Handlung ist sauber aufgebaut und hält die Spannung konstant. Der Mord an einem jungen Mädchen im Watt bildet den zentralen Fall, während der Nebenstrang rund um den Maulwurf im Kommissariat geschickt im Hintergrund mitläuft. Besonders positiv fällt auf, dass es mehrere glaubwürdige Verdächtige gibt – sowohl im Mordfall als auch im internen Ermittlungsstrang. Dadurch bleibt die Auflösung lange offen und vorhersehbare Wendungen werden vermieden. Wer Spannung liebt, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Sehr angenehm ist zudem der zurückhaltende Regionalkrimi-Touch. Ostfriesland dient nicht als überzeichnetes Klischee, sondern als natürlicher, stimmungsvoller Hintergrund. Die Region wird nicht aufdringlich in den Vordergrund gedrängt, sondern unterstützt Atmosphäre und Handlung auf unaufgeregte Weise – ein klarer Pluspunkt. Dass die Identität des Maulwurfs bis zum Ende nicht aufgelöst wird, rundet den ersten Band als gelungenen Serienauftakt ab und weckt Neugier auf die Fortsetzungen. Trotz kleiner Schwächen ließ sich das Buch sehr gut „in einem Rutsch“ lesen, was für die Sogwirkung der Geschichte spricht. Fazit: Die Stille der Flut ist ein spannender, atmosphärischer Krimi mit starken Figuren, einer cleveren Doppelperspektive und einem gelungenen Mix aus Mordfall und internen Ermittlungen. Ein solider und vielversprechender Start der Reihe, der Lust auf die nächsten beiden Bände macht.
















