traurig, wunderschön und zugleich unvergesslich, Hommage an das Leben
Es gibt diese besonderen Bücher, die eine stille Schwere und gleichzeitig etwas Warmes im Herzen hinterlassen. Die beiden "Loving Reaper" Bücher von Jenny Jinya gehören zu diesen Werken – traurig, wunderschön und zugleich unvergesslich... Kommen wir aber zuerst einmal zum Inhalt: Fast neun Millionen verschiedene Tierarten leben auf unserem Planeten. Tiere, die laufen, krabbeln, fliegen, schwimmen und die alle auf die eine oder andere Weise unser tägliches Leben bereichern. Sei es der morgendliche Spaziergang mit dem Hund, die erste Begegnung mit einem Fuchs im Wald oder die wohlige Wärme einer verschmusten Katze auf dem heimeligen Sofa. Unser Leben ist geprägt durch den Austausch mit unseren tierischen Begleitern, egal ob es sich um Haus- oder Wildtiere handelt... "Hiraeth" steht für etwas, das einmal war, aber nun nicht mehr ist – und sehr fehlt. Dieses walisische Wort beschreibt ein weitverbreitetes Gefühl: eine tiefe Sehnsucht nach einem Ort, einer Person, einem Zuhause oder einer Zeit, die unwiederbringlich verloren sind. Eine unerreichbare Nostalgie… Was würden wir nicht alles geben, um diese Stimme, dieses Knarren, dieses Schnurren noch einmal zu hören oder diese Wärme noch einmal zu spüren – all das, was uns endgültig verloren gegangen ist. Schon äußerlich wirken die beiden Hardcover-Bücher überaus hochwertig, doch was sich anschließend dann zwischen den Seiten verbirgt, sind wahrlich kleine Meisterwerke. Viele einzelne, abgeschlossene Kurzgeschichten im Comic-Stil, die sich wie kleine Kapitel einer großen Wahrheit anfühlen... Dass unzählige Tiere tagtäglich durch Menschenhand leiden müssen. Jenny Jinya erzählt in wunderschön gestalteten Bildern und klaren, eindringlichen Worten davon, was so viele Lebewesen auf dieser Erde erleben – Vernachlässigung, Misshandlung, Aussetzung, Gleichgültigkeit etc. Und genau das lässt diese Bücher so weh tun. Denn die Geschichten sind nicht übertrieben oder künstlich dramatisiert. Im Gegenteil, sie sind erschreckend nah an der Realität... Man liest sie und man weiß genau, dass sie tagtäglich geschrieben werden. Und trotzdem sind die "Loving Reaper" Bücher nicht einfach nur grausam traurig. Sie besitzen diese besondere Art von Schönheit, die weh tut – eine Traurigkeit, die das Herz zerbricht und es aber gleichzeitig irgendwie tröstet. Der Loving Reaper selbst ist dabei übrigens keine Figur des Schreckens. Er ist kein kalter Tod, keine dunkle Bedrohung, sondern ein Symbol des Mitgefühls. Er nimmt die Tiere (und Menschen) sanft in Empfang, hört ihnen zu und sieht sie so wie sie wirklich sind. Er schenkt ihnen Trost, Anerkennung und Würde für ein Leben, das viel zu oft nur aus Angst und Schmerz bestand. Diese besondere Art von Menschlichkeit und seine Anteilnahme, wirken fast wie ein stiller Vorwurf an die Menschheit – weil ausgerechnet der Tod mehr Herz besitzt als viele Lebende... Immer wieder werden die Kurzgeschichten durch Infoseiten ergänzt, die mit Fakten, Hintergrundwissen und eindringlichen Appellen zum Nachdenken anregen. Es wird demnach nicht nur erzählt, sondern auch zum Hinschauen aufgefordert. Mit Jenny Jinyas Büchern befindet man sich ständig in einem emotionalen Widerspruch – tröstlich und grausam, herzerwärmend und zugleich zutiefst herzzerreißend. Sie ziehen einen sozusagen hinab in die Dunkelheit, aber lassen einen nicht dort zurück. Diese Künstlerin beherrscht etwas, das meiner Meinung nach heutzutage nur wenige schaffen: Sie erzählt nicht nur von unermesslichem Schmerz, sondern auch von dem leisen Licht, das manchmal selbst in der dunkelsten Stunde bleibt. Von einem (letzten) Funken Hoffnung. Von Liebe, die nicht vergeht sondern weiterlebt. Und manchmal, ganz unerwartet, findet sich zwischen den Tränen dann doch ein kleines Lächeln wieder. Besonders berührt hat mich, dass "Loving Reaper" neben all der Traurigkeit auch die guten Menschen sichtbar macht. Menschen, die ihre Tiere über alles lieben. Menschen, die sie vermissen, wenn sie gehen. Menschen, die nach dem Tod nicht einfach weitermachen können, weil ein Teil von ihnen mitgegangen ist. Und genau diese Perspektive ist irgendwie ein leiser Trost in all der Traurigkeit. Ich musste mich selbst gerade erst von meinem Engel auf vier Pfoten verabschieden und gerade die Vorstellung, dass diese einzigartige Seele nicht einfach verschwindet, sondern behutsam aufgefangen und sanft an die Hand genommen wird, hat mir tatsächlich etwas Trost geschenkt. Für mich persönlich ist der Loving Reaper demnach zu einer der schönsten und tröstlichsten Figuren geworden, die ich je in einem Buch erlebt habe. Die "Loving Reaper" Bücher sind somit sehr viel mehr als nur Geschichten über das Ende. Sie sind eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Tod, und zugleich eine berührende Hommage an das Leben. Ein leises, aber unerschütterliches Plädoyer für mehr Herz, Mitgefühl, Verantwortung und Menschlichkeit. Ich wüsste noch unzählige weitere Themen, die Jenny Jinya aufgreifen könnte, und ich hoffe von Herzen, dass noch viele viele Geschichten folgen werden. Gerade solche Bücher sind es nämlich, die wir in unserer Welt dringend brauchen. Es gibt Seelen, die uns für immer begleiten – leise, unsichtbar, aber unendlich präsent. Und zwischen Tränen und Trost wohnt die stille Poesie des Lebens, und die Verbindung, die nur aus Liebe und Mitgefühl entstehen kann...


