Nettes Extra
Mit Games Untold: Die The-Inheritance-Games-Geschichten kehrt Jennifer Lynn Barnes erneut in das beliebte Universum der Hawthorne-Familie zurück. Der Band ist zwischen den Ereignissen der bisherigen Bücher angesiedelt und enthält mehrere Kurzgeschichten, die sich unterschiedlichen Figuren und Zeitabschnitten widmen. Im Mittelpunkt stehen erneut die vier Hawthorne-Brüder, Avery Grambs sowie weitere bekannte Charaktere aus der Reihe. Die Geschichten sollen offene Fragen beantworten, Hintergründe beleuchten und den Leserinnen und Lesern einen tieferen Einblick in die Welt voller Rätsel, Intrigen, Liebe und Familiengeheimnisse ermöglichen. Die Charaktere Die größte Stärke des Buches sind ohne Zweifel die Figuren. Jennifer Lynn Barnes versteht es nach wie vor, ihren Charakteren Persönlichkeit und Charisma zu verleihen. Besonders die Hawthorne-Brüder stehen erneut im Mittelpunkt und erhalten durch die einzelnen Geschichten mehr Raum, ihre Gedanken, Gefühle und Beweggründe zu zeigen. Vor allem Grayson gehört zu den interessantesten Figuren des Bandes. Seine innere Zerrissenheit, sein Verantwortungsbewusstsein und seine oft verschlossene Art machen ihn zu einem Charakter, der auch außerhalb der Haupthandlung fesseln kann. Ebenso sorgen Nash und Libby in ihren gemeinsamen Szenen für einige der emotionalsten Momente des Buches. Ihre Geschichte wirkt authentisch und bietet einen willkommenen Kontrast zu den oft komplizierten Machtspielen der übrigen Familie. Auch die Hintergrundgeschichte von Toby und Hannah erhält viel Aufmerksamkeit. Hier versucht die Autorin, zentrale Ereignisse der Vergangenheit ausführlicher zu beleuchten und den Leserinnen und Lesern ein besseres Verständnis für spätere Entwicklungen zu vermitteln. Allerdings nimmt dieser Handlungsstrang einen sehr großen Teil des Buches ein, was nicht jedem gefallen dürfte. Während einige Fans die zusätzlichen Informationen schätzen werden, könnten andere den Eindruck gewinnen, dass sich die Geschichte unnötig in die Länge zieht. Avery und Jameson spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Ihre Beziehung steht in mehreren Geschichten im Fokus, entwickelt sich jedoch nicht besonders überraschend weiter. Wer gehofft hat, völlig neue Facetten ihrer Dynamik kennenzulernen, könnte etwas enttäuscht werden. Vieles fühlt sich vertraut an und wiederholt Aspekte, die bereits in den vorherigen Büchern thematisiert wurden. Die Handlung Da es sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten handelt, besitzt Games Untold keine klassische Hauptgeschichte mit einem durchgehenden Spannungsbogen. Stattdessen setzt sich das Buch aus mehreren Episoden zusammen, die an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeitpunkten spielen. Dieses Konzept hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits ermöglicht es der Autorin, verschiedene Figuren näher zu beleuchten und bislang unbekannte Ereignisse zu zeigen. Einige Geschichten greifen Fragen auf, die sich Fans schon länger gestellt haben, und schließen kleinere Lücken innerhalb des Universums. Andererseits wirkt die Zusammenstellung nicht immer harmonisch. Die Geschichten unterscheiden sich deutlich in Umfang, Bedeutung und Qualität. Manche Episoden fühlen sich wie unverzichtbare Ergänzungen an, während andere eher den Eindruck erwecken, dass sie problemlos hätten ausgelassen werden können. Dadurch entsteht ein etwas unausgewogenes Leseerlebnis. Besonders problematisch ist, dass viele Szenen eher ergänzend als wirklich neu wirken. Statt großer Enthüllungen oder überraschender Wendungen erhält man häufig zusätzliche Perspektiven auf bereits bekannte Ereignisse. Wer auf spektakuläre Rätsel oder dramatische Plot-Twists gehofft hat, wie man sie aus der Hauptreihe kennt, wird hier vermutlich nicht vollständig auf seine Kosten kommen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Struktur des Buches. Durch die zahlreichen Zeitsprünge und wechselnden Perspektiven kann die Chronologie zeitweise verwirrend wirken. Zwar hilft die Zeitleiste am Anfang des Buches bei der Orientierung, dennoch entsteht gelegentlich das Gefühl, eher einzelne Puzzleteile als eine zusammenhängende Geschichte zu lesen. Der Schreibstil Jennifer Lynn Barnes bleibt ihrem bekannten Stil treu. Die Kapitel sind kurz, die Sprache leicht verständlich und das Erzähltempo überwiegend hoch. Dadurch liest sich das Buch sehr flüssig und lässt sich trotz seines Umfangs schnell verschlingen. Besonders gelungen sind die Dialoge. Sie transportieren die Dynamik zwischen den Figuren überzeugend und sorgen dafür, dass die Charaktere lebendig wirken. Auch die typische Atmosphäre der Reihe – geprägt von Luxus, Geheimnissen, Rätseln und familiären Konflikten – ist jederzeit präsent. Allerdings zeigt sich hier auch eine Schwäche des Buches. Da viele Geschichten auf bereits bekannten Ereignissen aufbauen, entsteht stellenweise der Eindruck von Wiederholungen. Einige Informationen werden mehrfach aufgegriffen oder aus einer anderen Perspektive erzählt, ohne dass dadurch ein echter Mehrwert entsteht. Dadurch verliert das Buch gelegentlich an Spannung. Dennoch beweist Barnes erneut ihr Talent dafür, Leserinnen und Leser an ihre Figuren zu binden. Selbst dann, wenn die Handlung nicht immer überzeugen kann, sorgt ihr angenehmer Schreibstil dafür, dass man weiterlesen möchte. Fazit Games Untold: Die The-Inheritance-Games-Geschichten ist eine klassische Ergänzungssammlung für Fans der Reihe. Das Buch bietet einige interessante Hintergrundinformationen, vertieft bestimmte Charaktere und ermöglicht ein Wiedersehen mit den beliebten Figuren der Hawthorne-Familie. Besonders Leserinnen und Leser, die sich für die Beziehungen und die Vergangenheit der Charaktere interessieren, werden hier einige schöne Momente finden. Gleichzeitig erreicht der Band jedoch nicht die Spannung und den Sog der Hauptreihe. Viele Geschichten liefern nur begrenzte neue Erkenntnisse, einige Handlungsstränge wirken unnötig lang, und die fehlende durchgehende Handlung sorgt dafür, dass nicht jede Geschichte gleichermaßen fesseln kann. Statt großer Überraschungen erhält man vor allem Ergänzungen und zusätzliche Perspektiven auf bereits bekannte Ereignisse. Für eingefleischte Fans ist das Buch dennoch eine nette Rückkehr in die Welt der Hawthornes. Wer jedoch auf eine echte Fortsetzung oder spektakuläre neue Wendungen hofft, könnte am Ende etwas enttäuscht zurückbleiben. 3 von 5 Sternen!





























































