Sie hat mit ihrer Mutter gebrochen, eine neue Liebe gefunden und die Anerkennung für ihren Roman die demütige Königin bekommen, die ihr gebührt. Eigentlich könnte Josephine glücklich sein, aber sie ist es nicht. Ihre Tochter Hortense zu Liebe ist sie in ein nobles Stadtviertel von Paris gezogen, aber die Leute liegen ihr hier so gar nicht. Alle sind überaus korrekt, missgünstig oder anderweitig verrückt. Im Park wird eines Abends ein Mordanschlag auf Josephine vergeübt, den sie nur dank des Turnschuhs ihres verstorbenen Mannes überlebt. Auf die Nachricht vom Überfall reagiert ihre neue Liebe Luca eher unterkühlt und bei der Gelegenheit stellt sie schockiert fest, dass die Liebe zu ihm abgekühlt ist und ihr Herz für ihren Schwager schlägt. Aber kann sie mit ihm glücklich sein, während ihre Schwester mit Depressionen in einem Sanatorium liegt. Nein dafür ist Josephine zu gutmütig, eher ist sie bereit auf ihr Glück zu verzichten. Aber hat ihre egoistische Schwester, die ihr mit Schuldzuweisungen begegnet solch eine Opfergabe überhaupt verdient? Lange habe ich mir die Fortsetzung von „Die gelben Augen der Krokodile“ herbeigesehnt. Zu gern wollte ich Josephine und ihrer Liebe zu Worten wieder begegnen. Eintauchen in den manchmal eher schnörkeligen Sprachstil der Autorin. Ich wurde mit einem tollen zweiten Teil belohnt. Auch wenn ein bisschen viel Voodoo in dieser Geschichte untergebracht wurde und darunter das Gefühl realen Charakteren zu folgen litt. Das mit dem Fluch war ja noch okay, aber die Wiedergeburt Albert Einsteins als Junior, war mir eine Spur zu unrealistisch. Vielen anderen wird vielleicht auch die selbstzweiflerische Art von Josephine auf den Geist fallen, die manchmal zwei Schritte in die richtige Richtung macht und dann drei zurück, aber so liebe ich diese Figur. Vielleicht weil ich mich in ihr ein Stück weit wiederfinde. Und ich war mehr als einmal zu Tränen gerührt wütend, wenn Henriette und Iris, sie mit Vorwürfen überschütten. Doch Josephine emanzipiert sich im Laufe der Geschichte. Längst ist sie nicht mehr gewillt, alle Demütigungen hinzunehmen und so schwimmt sie sich frei, wenn auch mit kleinen Rückschlagen. Aus dem dummen Schaf, wird eine Frau, die selbstbewusst das Leben genießt und genau das habe ich mir seit Band eins gewünscht. Das ist einfach keine Geschichte zum herunterlesen, sondern zum genießen. Ich kann es kaum erwarten Band 3 zu lesen und zu erfahren, mit welchen Wandlungen die Autorin mich diesmal überrascht.
20. Okt.Oct 20, 2022
La valse lente des tortuesby Katherine PancolHachette
