Malice - der Titel trifft es eigentlich schon perfekt
Auf besonderen Wunsch hin einer lieben Katzenlady, deren Büchermeinung ich sehr schätze, kommt hier mein Beitrag zu Malice nachgereicht. Am Ende von "Malice" bin ich nicht überschwänglich begeistert, aber wesentlich zufriedener als zu Beginn. Dennoch würde ich sagen, dass es sich hier um ein sehr besonderes Buch handelt. Ein Buch auf dessen zweiten Teil ich mich echt freue. Aber der Reihe nach. Malice heißt eigentlich Alyce, aber als sichtbar einzige ihrer Art wird sie - zusammen mit ihrem schlechten Ruf - diesen Spitznamen nie los. Alyce Leben, ihre Ängste, Probleme und die Welt um sie herum werden sehr ausführlich dargestellt. Das bedeutet zugleich, dass die Handlung sich sehr viel Zeit lässt. Etwas zu viel für meinen Geschmack. Die Geschehnisse auf dem Klappentext passieren, wenn ich mich recht erinnere, erst nach 100 oder mehr Seiten. Gerade weil am Ende alles sehr schnell geht, fehlt mir hier etwas die Balance - und auch die Spannung. Ich denke, dass man auch sehr gut hätte folgen können, wenn man mehr in die Handlung/Action geworfen worden wäre. Die Stärksten Aspekte von "Malice" liegen nämlich genau hier in der Mitte des Romans: Die Paranoia, die Selbstzweifel, die Angst benutzt zu werden und es nicht verhindern zu können. Ich liebe Geschichten, in denen nie sp ganz klar ist, wem man wirklich vertrauen darf. Alyce selbst wirkt dabei in ihren Handlungen sehr nachvollziehbar. Teilweise ist sie wirklich gemein, manchmal aber auch naiv oder hoffnungsvoll - ein ganz normaler Mensch eben, der damit kämpft in einer feindlichen Welt akzeptiert zu werden. Grundsätzlich habe ich mir den Schreibstil und die Welt märchenhafter vorgestellt und musste meine Erwartungen erst anpassen. "Malice" ist kein düsteres Märchen, es ist eine volle, eigenständige Fantasy Geschichte. Mit allen Vor- und Nachteilen. Es ist aber auch eine Romanze. Und hier liegt noch eine Stärke des Buchs. Alle romantischen Szenen sind es wirklich. (Ja, das klingt selbstverständlich, aber ich habe schon viel gesehen.) Man spürt richtig die Anziehung der Figuren und will nur, dass sie noch ganz viel Zeit miteinander verbringen. Hach. Am Ende habe ich mich dann wieder etwas schwer getan, da ich es zu vorhersehbar fand, dass es einen Verrat geben wird. Die Handlung überschlägt sich dann förmlich und erst viel zu spät merkt man, dass es kein Zurück gibt. Also macht euch auf was gefasst. Hier wird wirklich etwas gewagt. Da kann der Mund schon mal offen stehen. Was mich dann wirklich überzeugt hat, war der Epilog inklusive Nachwort. Hier habe ich erst wirklich verstanden, worum es dem Buch geht. Und plötzlich versteht man die Metapher über Queerness und Ausgrenzung. Und wie wichtig es ist, einen sicheren Ort zu haben. Insgesamt ein gelungener und durchdachter Roman, mit Schwächen in Tempo und Vohersehbarkeit und durchaus 4 von 5 Sternen wert.





