
Hitched von Lauren Biel ist definitiv kein gewöhnliches Buch – es ist verstörend, verdreht und stellenweise wirklich krank. Trotzdem hat es eine seltsame Sogwirkung, die einen dazu bringt, weiterzulesen, selbst wenn man sich zwischendurch fragt, was man da eigentlich gerade liest. Die Geschichte bewegt sich stark im Bereich der Dark Romance und schreckt nicht davor zurück, Grenzen auszutesten. Viele Situationen wirken moralisch völlig daneben, und genau das macht einen großen Teil der Atmosphäre des Buches aus. Moral ist hier ehrlich gesagt komplett fehl am Platz – wer ein klassisches Liebesromantik-Buch erwartet, wird hier definitiv schockiert werden. Ein Charakter, der mir besonders im Kopf geblieben ist, ist Lex. Er ist ohne Frage gestört und teilweise wirklich beängstigend, aber gleichzeitig hat er eine sehr direkte, unverblümte Art, die ich überraschend unterhaltsam fand. Er beschönigt nichts, er ist brutal ehrlich und scheint sich seiner eigenen Abgründe sogar bewusst zu sein. Genau diese Selbstreflexion macht ihn irgendwie faszinierend, auch wenn man sein Verhalten natürlich keinesfalls gutheißen kann. Selena hingegen tat mir am Anfang wirklich leid. Sie kommt aus einer schlimmen Ehe und landet dann ausgerechnet bei einem Ex-Gefangenen, der alles andere als ein stabiler oder gesunder Mensch ist. Gerade zu Beginn wirkt sie stark von ihren Erfahrungen geprägt und steckt noch sehr in diesen Zwängen und Ängsten fest. Man merkt, dass sie eigentlich nur versucht, irgendwie zu überleben und mit der Situation klarzukommen. Was ich aber spannend fand, ist ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte. Selena bleibt nicht die ganze Zeit in dieser Opferrolle. Nach und nach verändert sie sich, wird stärker und beginnt, sich aus diesen alten Mustern und Zwängen zu lösen. Dadurch versteht man als Leser irgendwann besser, warum sie trotz allem zu Lex passt. Auf eine sehr verdrehte Weise finden die beiden zueinander, weil sie beide ihre eigenen dunklen Seiten haben und sich gegenseitig auf eine Art verstehen, die Außenstehende wahrscheinlich nie nachvollziehen könnten. Ein großer Teil des Buches besteht aus Spice – und zwar nicht nur ein bisschen, sondern wirklich extrem viel. Teilweise war es für meinen persönlichen Geschmack sogar zu viel. Die Szenen sind sehr düster, intensiv und oft auch ziemlich krank. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass sie stilistisch gut zum Ton der Geschichte passen und die dunkle Atmosphäre der Handlung verstärken. Trotzdem hätte es für mich ruhig etwas weniger davon sein dürfen. Trotz all dieser extremen Elemente hatte das Buch eine gewisse Spannung. Ich wollte immer wieder wissen, wie es weitergeht, auch wenn ich zwischendurch manchmal den Kopf geschüttelt habe. Genau diese Mischung aus Schock, Neugier und düsterer Faszination sorgt dafür, dass man das Buch schwer aus der Hand legen kann.








