Unerwartet und so gut
1932 das erste Mal erschienen. Die Sprache ist zeitgetreu und dennoch gut verständlich. Die Soziologin Virgina Hutton kauft sich ein abgelegenes, kleines Cottage in England und versteckt sich dort vor der Gesellschaft und Ihrem alten Leben. Sie hat sich einen Orang-Utan Säugling angeschafft und versucht hier das Unmögliche möglich zu machen. Sie möchte diesen Affen zum Menschen erziehen. Ein Experiment, das schnell aus dem Ruder gerät und bald Virginia seltsame Mutter-Kind Gefühle entwickelt, die Sie selber immer mehr ins soziale Aus verfrachtet. Der Zeit der Geschichte sei geschuldet, dass die Erziehungsmaßnahmen heute kaum vorstellbar wären. Virginia ist grob, streng, herrisch und brutal. Beim Lesen steigt die innere Spannung und gleichzeitig diese Neugier, was aus dem Affen wird. Appius kennt nur Virginia und Sie sagt ihm, dass er kein Affe ist, sondern ein Mensch. Wir erleben, wie er angezogen wird wie ein Kind und essen, trinken, schlafen, lesen und sprechen soll. Dieses Buch ist intensiv. Ich habe lange nichts gelesen, dass mich so in den Bann gezogen hat und gleichzeitig mich mit Scham über uns Menschen erfüllt hat. Wir sind so arrogant, dass wir uns über alle Lebewesen stellen und vergessen oft, dass wir nicht perfekt sind. Eine Geschichte mit tragischem Ende. Das Nachwort von Ann Cotton stellt nochmal den gesellschaftskritischen Aspekt in den Vordergrund. Dieses Jahr mein erst zweites Highlight.
