18. Mai
Rating:3

Emotionaler Gesellschaftsroman über Vaterschaft und Männlichkeit

"Über das warme Bündel gebeugt, genoss er diesen raren Moment, sich voll und ganz bewusst zu sein, dass er gerade so glücklich war, wie es glücklicher gar nicht ging." In "Zwei Väter" erzählt der schottische Autor John Niven von Vaterschaft, Männlichkeit und Verlust. Scharfsichtig. Emotional. Und mit schwarzem Humor. Sprachlich zum Teil definitiv ein Herausforderung. Daniel Chambers ist Drehbuchautor einer berühmten schottischen Krimiserie. Er verdient gut, wohnt mit seiner Frau Grace in einem luxuriösen Stadthaus und hat auch sonst alles, was man sich wünschen kann. Nur kein Kind. Als Grace nach vielen Jahren und endlosen Versuchen der künstlichen Befruchtung endlich schwanger wird, könnte Dan nicht glücklicher sein. Vor der Entbindungsstation trifft er auf Jada Hamilton. Einen Kleinkriminellen und Drogendealer, der gerade sein sechste Kind bekommt. (Ja, die Welt ist manchmal ungerecht.) Von dieser ersten Begegnung ist Dan etwas geplättet, denn hier prallen Welten aufeinander. Im Laufe der nächsten Monate kreuzen sich die Wege von Dan Jada hin und wieder, bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem sich alles ändert ... "Raus aus diesem schwarzen Loch, das sich anfühlte, als würden sie in einem Tunnel durch den Mittelpunkt der Erde fallen, um sie herum nur Dunkelheit, vor ihnen nur Dunkelheit. Das einzige Licht war das, aus dem sie gekommen waren, und mittlerweile nur noch ein winziger Punkt hinter ihnen." Mit viel Wärme für seine Protagonisten hat John Niven hier einen Roman geschrieben, der viel emotionale Tiefe besitzt. Hauptsächlich wird die Geschichte aus den Perspektiven von Dan und Jada erzählt, aber auch ihre Frauen Grace und Nicola kommen zu Wort - wobei das für mich überflüssig war, da es im Kern um die Männer geht. Dabei sind Niven die Porträts der beiden Männer hier wirklich gut gelungen und in ihren Gegensätzen oft genug urkomisch. Dan, gut situiert, mit gutem Benehmen und wortgewandt, immer gut organisiert und rational, trifft auf Jada, der eigentlich nie Geld hat, der eine Sache nach der anderen vermasselt und mit sechs verschiedenen Frauen Kinder hat. Sein Gedächtnis: ein Sieb. Sein Vokabular: hauptsächlich Kraftausdrücke. Sein Hobby: die Kneipe und Frauen. In ihrem Vaterglück sind die beiden Hauptprotagonisten vereint. Sie sind trotz der Klassenunterschiede gleich. Sprachlich war das hier tatsächlich zum Teil eine Herausforderung. Während es Niven am Anfang noch gut gelungen ist eine Balance zwischen Dans und Jadas Ausdrucksweise zu schaffen, gelingt dies später, als Dan mehr Zeit mit Jada verbringt, jedoch leider nicht mehr. Da wurde es mir manchmal etwas zu viel der Kraftausdrücke und des Fluchens. Doch der Witz und auch der Sarkasmus haben mir durchweg gut gefallen. Über Jada habe ich tatsächlich oft geschmunzelt und augenverdrehend den Kopf geschüttelt ... Jada halt ... Das Ende mag zwar für viele Leser schön sein, für mich allerdings war es zu soft, zu weich, zu sehr happy end. Hier hätte ich mir etwas mehr Realismus gewünscht.

The Fathers
The Fathersby John NivenCanongate Books Ltd.