
Nicht immer leicht zu greifen, stellenweise fordernd – aber am Ende sehr stimmig und nachhaltig.
In einer fernen Zukunft steht die Menschheit am Rand ihres Verschwindens. In einer fremd gewordenen Welt begleitet man unterschiedliche Figuren und Perspektiven, die alle auf ihre Weise versuchen zu verstehen, was Leben, Identität und Zusammenhalt noch bedeuten. Stil & Aufbau (spoilerfrei) Der Roman ist ruhig, fragmentarisch und bewusst reduziert erzählt. Statt einer klaren, durchgehenden Handlung bekommt man einzelne Abschnitte, Perspektiven und Situationen, die sich erst nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Die Sprache ist nüchtern, fast kühl, dabei aber sehr präzise. Gefühle werden selten direkt ausgesprochen, sondern eher angedeutet. Genau dadurch entsteht diese besondere Atmosphäre: distanziert, aber gleichzeitig nachhallend. Es ist definitiv ein Buch, das Geduld verlangt – viele Zusammenhänge erschließen sich erst spät, fast schon rückwirkend. Meine Meinung Ich fand es unglaublich spannend, wie bereits eingeführte Figuren später wieder aufgegriffen und vertieft werden. Das ist wirklich clever gelöst und hat dem Ganzen eine zusätzliche Ebene gegeben. Was bei mir allerdings sofort passiert ist: Sobald Mutanten ins Spiel kommen, hatte ich direkt diese typischen X-Men-Vibes im Kopf 🙈 Das hat mich kurz rausgebracht, auch wenn es hier natürlich ganz anders gedacht ist. Sehr gelungen fand ich die Darstellung von Religion. Sie wird extrem nüchtern eingeführt, fast beiläufig – und gerade deshalb wirkt es so logisch und nachvollziehbar, wie sie sich in dieser Welt entwickelt. Die Klone haben es mir stellenweise nicht ganz leicht gemacht. Ich musste mich wirklich konzentrieren, um den Überblick zu behalten, wer jetzt wer ist und was genau die Unterschiede sind 🙈😅 Was ich auch hervorheben möchte: Obwohl ich das Buch auf Englisch gelesen habe, war es überraschend zugänglich. Die Sprache ist klar und einleuchtend, nicht unnötig kompliziert – und ich hatte beim Lesen durchgehend ein warmes, fast ruhiges Gefühl, trotz der eigentlich eher kühlen Erzählweise. Achtung Spoiler: Zum Ende hin wird immer klarer, dass sich eigentlich vieles um das Thema KI dreht – und rückblickend merkt man: Es ging die ganze Zeit darum. Um die Frage: Was ist eigentlich menschlich? Gefühle, Emotionen, vielleicht auch Religion? Gerade ab einem späteren Punkt fügt sich plötzlich alles zusammen. Einzelne Abschnitte, die vorher vielleicht lose wirkten, ergeben auf einmal ein Gesamtbild. Und genau da hat mich das Buch dann auch komplett abgeholt. Im Nachhinein muss ich sagen: Ich habe es wirklich sehr gemocht. Es ist ein sehr leises Buch, aber eines, das sich erst am Ende vollständig entfaltet. Jeder Abschnitt bekommt rückblickend mehr Gewicht. Der Stil ist wahnsinnig durchdacht und pfiffig, ohne laut sein zu müssen. Und auch wenn ich die genaue Message für mich behalte – das Buch hat bei mir ein überraschend hoffnungsvolles Gefühl hinterlassen. Fazit Ein ruhiger, ungewöhnlicher Roman, der weniger durch Handlung als durch Ideen und Atmosphäre wirkt. Nicht immer leicht zu greifen, stellenweise fordernd – aber am Ende sehr stimmig und nachhaltig.

