22. Dez.
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Für Abermillionen von Zuschauern weltweit ist die Premier League im Vereinsfußball das Nonplusultra. Keine andere Liga erreicht derart viele Haushalte, aktuell bringen die lukrativen TV-Deals der Liga geschätzte £3,5 Mrd. pro Saison für die Übertragungsrechte ein, was wiederum die Dominanz englischer Klubs auf dem Transfermarkt erklärt. Was jedoch auffällt ist die historische Verteilung der englischen Meister auf die Ballungsgebiete Greater Manchester, Merseyside und natürlich London. Diese Entwicklung kann man seit den 1970er Jahren beobachten, also noch zu Zeiten der First Division, dem Vorgänger der Premier League. Zuvor war die geografische Verteilung der englischen Meister deutlich ausgeglichener und dabei galt ein Verein aus den West Midlands, die Wolverhampton Wanderers, zeitweise sogar als bestes Team der Welt. Die Wolves gewannen in den 1950er Jahren insgesamt drei englische Meisterschaften. Besonders im Gedächtnis blieben jedoch zwei Freundschaftsspiele der Wolves gegen Spartak Moskau sowie Honvéd Budapest im Jahr 1954. Speziell Honvéd galt damals als das weltweit beste Team, man stellte einen Großteil der ungarischen Nationalmannschaft. Jene „Goldene Elf“ blieb bis zu ihrer Finalniederlage bei der Weltmeisterschaft 1954 gegen Deutschland vier Jahre lang unbesiegt und dominierte dabei seine Gegner. Letztlich konnten die Wolves beide Freundschaftsspiele gegen die Vertreter aus Osteuropa für sich entscheiden und wurden daraufhin von der englischen Boulevardzeitung Daily Mail als „Weltmeister“ gefeiert. Bereits einige Jahre zuvor kam die Idee auf, die besten Mannschaften Europas gegeneinander antreten zu lassen, um zu ermitteln, wer die beste Mannschaft des Kontinents sei, nachdem vor und nach dem Zweiten Weltkrieg bereits einige Formate mit einem kleineren Teilnehmerkreis abgehalten wurden. Letztlich war es die Chuzpe der englischen Presse nach den beiden erfolgreichen Partien der Wolves gegen die Konkurrenz aus der Sowjetunion und Ungarn, die den entscheidenden Anstoß zum Europapokal der Landesmeister gab. Die Wolves konnten diesen Titel selber nie gewinnen und mit dem Gewinn des FA Cups 1960 endete die erfolgreichste Zeit dieses historischen Clubs. In den folgenden Dekaden verabschiedete sich der Traditionsverein aus dem Black Country in die sportliche Bedeutungslosigkeit. Bis auf wenige Ausnahmen dümpelten die Wolves nach dem Ende der 1960er-Jahre im Mittelfeld der First Division herum, bevor man in der Saison 1984/85 in die Second Division abstieg. Für insgesamt 17 Jahre blieb man zweitklassig, einmal ging es sogar hinab in die Third Division, bevor den Wolves in der Saison 2003/04 der Aufstieg in die inzwischen gegründete Premier League gelang. Genau an dieser Stelle beginnt das Buch „Revolution Of Wolves: A Premier League Trilogy 2003-2003“ der beiden Autoren Johnny Phillips und Paul Berry. Die beiden Journalisten gewähren dem Leser einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Wolverhampton Wanderers über die folgenden 20 Jahre und führen dabei diverse Interviews mit den Beteiligten, seien es (ehemalige) Besitzer und Vorstandsvorsitzende, Trainer und Spieler. Gerade diese Nähe der Schreiber zum Verein macht das vorliegende Buch sehr lesenswert. Besonders prägend war zunächst die Ära unter dem Coach Mick McCarthy, der die Mannschaft 2006 in der umbenannten Championship übernahm und stabilisierte, bevor er sie drei Jahre später in die Premier League führen sollte. Allerdings war dies nur möglich, da der damalige Besitzer Steve Morgan für damalige Verhältnisse stark investierte und die Mannschaft gestärkt werden konnte. Insgesamt konnte man sich drei Jahre im Oberhaus halten, eine Trainerentlassung nach sechs Jahren konnte den Abwärtstrend nicht verhindern. Der nächste folgenschwere Umbruch kam im Jahr 2016 als Fosun International, ein stark diversifizierter chinesischer Mischkonzern, dessen Geschäftsaktivitäten u.a. Pharma, Versicherungen, Vermögensverwaltung und Tourismus umfassen, den Verein am unteren Ende der Championship-Tabelle übernahm. Als Vorsitzender wurde Jeff Shi engagiert, der sofort eine oft kritisierte und zuweilen als parasitär bezeichnete Partnerschaft mit dem portugiesischen Sportagenten Jorge Mendes einging, der fortan als Transferberater agierte. Die Wolves nahmen daraufhin einige von Mendes‘ Klienten unter Vertrag, beispielsweise Diogo Jota, Rubén Neves und später João Moutinho. Bereits ein Jahr nach der Übernahme führte der neue Trainer Nuno Espírito Santo, ebenfalls ein Klient Mendes, die Wolves als eines der stärksten Teams, das jemals in der zweiten englischen Spielklasse performte, in die Premier League. Nach dem Aufstieg in die Premier League erzielten die Wolves direkt hervorragende Ergebnisse und belegten in zwei aufeinanderfolgenden Saisons jeweils den siebten Platz. In der Saison 2019/20 erreichte die Mannschaft sogar das Viertelfinale der UEFA Europa League. Bedingt durch die COVID 19-Pandemie fanden in den letzten K.O.-Runden jedoch keine Hin – und Rückspiele mehr statt, stattdessen wurde eine Art Turnier in Deutschland abgehalten, in dem der Sieger gekürt wurde. Die Wolves unterlagen dem späteren Sieger FC Sevilla aus Spanien. Nichtsdestotrotz ein beachtliches Ergebnis für einen Verein, der sieben Jahre zuvor noch drittklassig spielte. Wenn man dieses Buch wenige Jahre nach seinem Erscheinen liest, wirkt der hoffnungsvolle Blick in die Zukunft, den Phillipps und Berry am Ende wagen, nahezu tragisch. Nicht nur verstarb Diogo Jota, der drei Jahre bei den Wolves spielte und auch für dieses Buch interviewt wurde, im Sommer 2025 tragisch bei einem Autounfall auf dem Rückweg von seiner Hochzeitsreise. Auch die Wolves selbst stehen vor einem Scherbenhaufen. Scheinbar hat der Eigentümer Fosun, unter dem der Club eine sehr erfolgreiche Zeit hatte, das Interesse an den Wolves verloren, möchte ihn zugleich aber auch nicht verkaufen. Es wird kaum noch investiert, die besten Spieler werden kontinuierlich an die Konkurrenz verkauft, und gleichzeitig funktioniert das Recruitment, um adäquaten Ersatz zu finden, nicht. Nach den anfänglichen Erfolgen in der Premier League unter Fosun ging es stetig bergab, was Fans fassungslos macht und diesem traditionsreichen Club einfach nicht gerecht wird. Ein wirklich tolles Buch, das eine spannende Ära in der Vereinshistorie sehr lebhaft und detailliert beschreibt, und viele Einblicke gewährt.

Revolution of Wolves
Revolution of Wolvesby Paul BerryPitch Publishing Ltd