Uff, wo fange ich bloß an? Beginnen wir doch mit dem Inhalt: Das Buch handelt von Narzissten, Manipulatoren,... ihr wisst schon, diese Art von Menschen, mit denen man nichts zu tun haben will und die ihre Freude daran haben, andere Menschen leiden zu sehen. Ihr kennt sicher alle solche Menschen und wenn auch nur aus Zeitungsberichten oder Fernsehkrimis. Hier geht es um solche Menschen. Um fünf verschiedene solche Menschen, in fünf Kurzgeschichten. Prinzipiell mal eine super Idee aus der man viel machen könnte. Immerhin betrifft dieses Thema sehr viele und deswegen interessiert dieses Thema auch viele Leute. Doch an der Umsetzung mangelt es leider. Das zieht sich durch die einzelnen Kurzgeschichten: Nette Idee, nicht ganz so tolle Umsetzung. Doch warum nicht? Beginnen wir mit dem Aufbau der Kurzgeschichten: Es gab meistens mehrere Sichtweisen und kein klares Ende. Beginnen wir mit den Sichtweisen: Wer meinen Blog liest weiß, dass einem zu viele Sichtweisen bei mir schnell zum Verhängnis werden können. Vor allem, wenn ich die Sichtweisen für nicht notwendig oder störend halte. Hier war beides der Fall. Ständig wurde zwischen Figuren hin und her gewechselt und ich konnte sich trotzdem nicht unterscheiden, da ich die Sichtweisen einfach viel zu ähnlich geschrieben fand. Meist hielt ich die Sichtwechsel auch nicht für unbedingt notwendig und fand, dass sie die Spannung enorm verringern. Nun zum unklaren Ende: Die Enden der Geschichten wurden oft sehr lang hinausgezögert. Meistens dachte ich mir schon irgendwann in der Mitte der Geschichte, dass hier ein gutes Ende wäre. Doch jedes Mal ging die Geschichte immer noch weiter und weiter und weiter, bis zu einem Punkt, an dem die Spannung bereits verflogen war. Dabei wusste ich auch oft extrem lang nicht, wer denn jetzt eigentlich der Narzisst oder der Manipulator wirklich ist und der Verdacht wurde immer und immer und immer wieder umgelenkt. Das kann wirklich toll für die Spannung sein. Kann. Hier war es das meiner Meinung leider nicht. Ich finde es wirklich sehr schade, dass ich dieses Buch so schlecht bewerten muss. Immerhin wäre die Grundidee wirklich, wirklich spannend. Doch eine spannende Grundidee reicht mir persönlich leider nicht.
Meine Meinung Nachdem ich mich etwas näher mit den Begriffen Narzissmus und Narzisst beschäftigt hatte, war ich sehr gespannt auf die fünf Novellen, die jede eine abgeschlossene Geschichte darstellen sollten. Die jeweiligen Novellen sind unterschiedlich lang und gewähren verschiedene Einblicke ins Thema. Wir erfahren einmal über das Leben von Lisa. Sie ist die Mutter von Lucas, der ein narzisstischer Sohn ist und was das für Folgen für sie hatte. Eine weitere Geschichte erzählt von Sophie, die einem narzisstischen Mann begegnet, mit dem sie eine Beziehung eingeht, der fast auch ihr Leben zerstört. Auch über jugendliche Narzissten gibt es eine Novelle. Narzissten sind nicht immer Männer. In einer Geschichte lernen wir Tess kennen, die Opfer einer Narzisstin geworden war und was das mit ihr gemacht hatte. Diese vier Novellen sind überwiegend aus der Sicht der Opfer geschrieben. Am spannendsten aber fand ich die kürzeste Novelle “Der Narzisst”. Hier bekommen wir in erster Linie die Geschichte aus der Sicht des narzistischen Familienvaters, der sich in einer für ihn ungewohnten Situation befindet und nicht versteht, was derzeit passiert. Er war doch immer der Starke und alles drehte sich nach ihm und seinen Wünschen. Wieso fühlt er sich jetzt so hilflos? Diese Story ging mir ins Mark und ich hätte so gerne ein ganzes Buch darüber gelesen. Die Novelle hat m.M.n. das Potential für einen eigenständigen Roman, der die (Vor)Geschichte aus der Novelle erzählen könnte. Obwohl es in H.A. Leuschels Novellen um fiktive Figuren geht, erleben viele Menschen täglich solche oder so ähnliche Schicksalsschläge. Leider sind sie für Aussenstehende oftmals nicht sichtbar, da vordergründig alles schön, heiter und heile erscheint. Dieses Buch schärft den Blick für Narzissten und andere Manipulatoren und lässt die Leser*innen tief in die Gefühlswelt von Betroffenen eintauchen. Es wird klar, dass die Opfer zuerst gar keinen Einfluss auf das Geschehen haben. Sie werden als Spielfiguren benutzt und wenn sie erkennen, was ihnen geschehen ist, ist es oftmals zu spät. Trotz des traurigen und düsteren Themas fühlte ich mich mit jeder Novelle sehr gut unterhalten. Sie sind flüssig und fesselnd geschrieben und jede Geschichte kann eigenständig für sich gelesen werden. Fazit In ihrem Buch schreibt H.A. Leuschel über die extremen und negativen Seiten von Narzissmus und Narzissten. Mir hat die Autorin durch ihr Geschichten die Augen geöffnet. Ich bin etwas sensibler geworden und achte mehr auf das Verhalten meiner Mitmeschen. Durch die verschiedenen Beispiele glaube ich den Unterschied von Narzissten und Meschen mit “nur” schlechtem Charakter verstanden zu haben. Ebenso fällt es mir aber jetzt auch leichter zu verstehen, wie Leute zu Opfern von Narzissten werden. Vieles erscheint sehr beiläufig und zufällig, obwohl von Narzissten genau so geplant und eingefädelt. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch mit fünf verschiedenen Beispielen zu Narzissten und wie ihr Verhalten und ihr Umgang mit den Mitmenschen das Leben dieser immens beeinträchtigt und / oder zerstört hat.

