"Das Weltgericht (auch Jüngstes Gericht oder Endgericht) ist ein zentrales Motiv der abendländischen Theologie und...
...Kunst. Es beschreibt die eschatologische Vorstellung, dass Gott am Ende der Zeit alle Menschen richtet, um endgültige Gerechtigkeit herzustellen." Maud wächst einsam in einem Haus im Moor auf. Die Mutter ist bei der Geburt ihres Bruders gestorben und sie wird von ihrem autoritären Vater streng christlich erzogen. Als ein altes Gemälde mit dem Motiv des Weltgerichtes entdeckt wird, verändert sich das Verhalten des Vaters und wird gerade zu wahnhaft. Er sieht, hört und riecht Dinge, die andere nicht wahrnehmen. Maud bekommt es immer mehr mit der Angst zu tun, doch niemand will ihr glauben, dass ihr Vater etwas Fürchterliches im Stande zu tun ist. Es wird als weibliche Hysterie abgetan. Bis eines Tages... Ich habe die Geschichte als Hörbuch gehört und Vera Teltz hat mich mit ihrer Stimme in den Bann der Worte gezogen. Das Buch hatte für mich eine überraschende Sogwirkung und die düstere Atmosphäre wurde vortrefflich transportiert. SPOILER ALERT Maud erlebt eine klassische Erziehung dieser Zeit. Der Mann gebietet über das Haus, seine Familie und sein Land. Hier ist das Edmund, der mit harter Hand herrscht und strenge Regeln für das Leben im Haus definiert hat. Wer dagegen verstößt, wird streng bestraft. Er tut dies alles unter dem Deckmantel der Bibel und dem christlichen Glauben. Doch trotz allem halten sich die Angestellten an alte Riten und Mythen, so wie Maud, die ihren Glauben längst verloren hat. Eigentlich erhofft sich Maud nichts anderes als die Anerkennung und Liebe ihres Vaters, doch stattdessen wird sie viel zu schnell erwachsen und blickt hinter sein scheinheiliges Getue. Das Buch wird durch Tagebucheintragungen von 1906-1913 aus der Perspektive von Maud und Edmund erzählt. Als Ausgangspunkt des Buches spielt 1966. Maud überlegt ihre und Edmunds Geschichte in Buchform zu bringen und gewinnbringend zu verkaufen. Das Haus ist mittlerweile alt und das Erbe ist aufgebraucht und Maud fehlen die finanziellen Mittel alles instand zu setzen. Um das Haus und Edmund ranken sich viele urbane Legenden und die Öffentlichkeit möchte schon lange die Wahrheit um die Teufelsnacht erfahren. Maud hat sich komplett aus der Gesellschaft zurück gezogen, da sie Fragen über die Ereignisse umgehen möchte. Doch jetzt bleibt ihr keine Wahl, als endlich an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Quintessenz der Geschichte ist die Frage nach der Schuld. Wann ist ein Mensch schuldig? Und was hat zu seinen Taten geführt? Man kann über die Macht des Glaubens und den Missbrauch dessen viel diskutieren. Klar ist das männliche Patriarchaten gerne ihre Machtposition mit der passenden Auslegung der Bibel bestärkt haben und um so das Verhalten der Familie und der Untergebenen zu beeinflussen und zu steuern. Edmund erreicht damit das Gegenteil bei Maud. Je älter das kluge Mädchen wird, je mehr hinterfragt sie das Verhalten ihres Vaters und erkennt das Perfide dahinter. Am Ende der Geschichte kann man aber nicht nur die Schuld bei Edmund oder der Kirche suchen, Maud hat ebenfalls Schuld auf sich geladen, wenn auch in anderer Form. Ich finde, die Geschichte erinnert mich an die Erzählungen von Lovecraft. Das Böse dringt allmählich durch die Wände des Hauses und in die Köpfe der Menschen. Manches bleibt bis zum Schluss unerklärlich. Ich fand die Geschichte fesselnd und die Entwicklung von Maud erstaunlich, wenn auch tragisch. Wer mal eine andere Gruselgeschichte erleben möchte, sollte hier zugreifen.























