Ich habe ohne Erwartungen dieses Buch begonnen und wurde überrascht. Es hat etwas gedauert, bis ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte. Die Autorin beschreibt die Natur, die Orte und die zwischenmenschliche Beziehungen so wunderschön. Das Buch ist nicht hektisch und man sollte auch keine großen Spannungskurven erwarten.
Das Ende war, für meinen Geschmack, zu offen. Ich hätte die Geschichte gerne noch weiter begleitet.
Was waren meine Augen lesend? Wenn es das Gegenteil von "ins Buch gezogen werden"gibt, würde es hier zutreffen.
Wir begleiten die frische Witwe Cora mit ihrem autistischen Sohn und dem Kindermädchen von London nach Essex. Dort soll ein Seeungeheuer (Schlange) gesichtet worden sein und Cora ist jetzt Hobby-Paläontologin. Sie sieht sich vor ihrem inneren Auge sogar schon im British Museum wieder.
*Spoilers ahead*
Doch alles, was sie in Essex vorfindet, sind ein Pfarrer, der bemüht ist, seine Gemeinde davon zu überzeugen, dass die Schlange ein Mythos ist, und der einst behandelnde Arzt ihres sterbenden Mannes.
Beide Männer sind schockverliebt in Cora. Der Arzt, weil sie beide Team Science sind und der Pfarrer, weil ihm eine Frau Mal Widerworte gibt.
Cora wird dabei wie ein Stück Fleisch behandelt und das dann ausgerechnet eine Übergriffigkeit des Pfarrers Cora doch dahinschmelzen lässt, ist auf so vielen Ebenen problematisch. Ganz davon abgesehen, dass des Pfarrers Frau im Sterben liegt.
Ich habe mich wirklich arg durch die erste Hälfte des Buches kämpfen müssen, dass ich kurz davor war, das Buch abzubrechen. Doch in der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte um die Schlange wieder Fahrt auf, was dann aber darin gipfelt, dass die Schlange eine Kombination aus stinkendem toten Fisch und einem Boot war. Ja, ein Boot.
Diese Auflösung ist wirklich so schlecht, dass ich mich ärgere, nicht doch abgebrochen zu haben. Das Buch hatte für mich keinen erkennbaren roten Faden und durch den Versuch, gehobene, ja vielleicht viktorianische Sprache zu verwenden, wirkt es arrogant und gekünstelt.
Im übrigen wirbt das Buch dadurch für sich, einen Diskurs zwischen Wissenschaft und Glaube zu führen. Wenn das jedoch darin besteht, dass sich Cora zwischen Arzt (Wissenschaft) und Pfarrer (Glaube) entscheiden soll, fehlt mir hier eindeutig die Tiefe.
Seit dem Erscheinen der Schlange von Essex (er nannte sie nur "das Problem", um das Gerücht nicht auch noch durch Taufe zu beglaubigen) wurde seine Zeit immer häufiger in Anspruch genommen. Anscheinend herrschte die - zumindest in seiner Gegenwart - unausgesprochene Meinung vor, sie alle könnten aus gutem Grund verdammt sein, und nur er könnte sie retten; aber welchen Trost konnte er ihnen schon anbieten, der nicht gleichzeitig ihre Angst befeuert hätte? Genauso gut hätte er zu John, der nachts oft aufwachte, sagen können: "Du und ich ziehen um Mitternacht los und töten das Ungeheuer, das unter deinen Bett wohnt."
Was auf Betrug gebaut ist, in welch guter Absicht auch immer, würde nicht einmal dem ersten Schlag standhalten.
- Zitat, Seiten 80, 81
In einem Brief lässt die Autorin ihre Protagonistin aufzählen, welche Schriftsteller sie beliest: "Brontë und Hardy, Dante und Keats, Henry James und Conan Doyle." Und offensichtlich standen diese Größen der Weltliteratur auch Pate für Sarah Perrys Geschichte, auch wenn sie auch eine beeindruckende Anzahl an Sachbüchern zum Viktorianischen Zeitalter als Quelle im Nachwort preisgibt. Zurecht wurde dieses Werk mit dem Britischen Buchpreis 2017 für den besten Roman ausgezeichnet.
Denn dieser Roman ist ein Fest.
Von Anfang an zieht uns der überaus wortgewandte und ausdrucksstarke Schreibstil in seinen Bann. Oft ist er von einer Sinnlichkeit geprägt, der an einen Korb überreifer Früchte denken lässt, deren Haut an manchen Stellen aufgeplatzt ist. Dann wiederum erscheinen die Worte so zart aufs Papier gesetzt, als würden Schmetterlingsflügel uns streifen. Und natürlich spüren wir die Urgewalt, die uns an Hardys Welt erinnert, mit der die Kraft der alten Mythen und Legenden an den Festen einer scheinbar urbanisierten Gesellschaft rüttelt und das unausgesprochene Grauen sich in weniger christlichen Ritualen und Aberglauben manifestiert.
Doch zuletzt (oder doch als Allererstes?) ist dies eine Geschichte über zwischenmenschliche Beziehungen und welche Windungen das Leben für Freunde oder Liebende bereithält.
FAZIT
Noch nie zuvor hatte ich mir gewünscht, Teil einer Romanwelt zu werden. Aber hier wäre ich nur zu gerne, wie die junge Witwe Cora aus London, im Pfarrhaus von Aldwinter zu Gast gewesen und hätte den Glanz der guten Unterhaltung am Tisch im eigenen Gesicht gespürt und mich an der Gesellschaft von Pfarrer Will, seiner Frau Stella und der anderen Gäste gelabt.
Alle Figuren des Romans sind mir so ans Herz gewachsen, nicht weil sie so liebenswürdig, sondern, weil sie so menschlich und lebenecht gestaltet sind.
Unbedingte Leseempfehlung.
Ein schöner, feministischer Roman in viktorianischer Zeit, angenehm geschrieben. Einige Zeilen könnten genauso gut von heute stammen. Lag ewig im Regal und wurde jetzt in einem Rutsch durchgelesen.
Nur von Architektur hat die Autorin keine Ahnung.
Das Buch beginnt mit einer Witwe, Cora, die sich nach dem Tod ihres Mannes endlich aus den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit befreien kann. Sie selbst und auch die anderen Figuren sind interessante Persönlichkeiten, auch wenn es mir am Anfang manchmal schwer fiel diese auseinanderzuhalten.
Nach dem Kennenlernen plätschert die Geschichte angenehm dahin, man begegnet einigen historischen Persönlichkeiten und ich selbst konnte auch hier und da noch etwas lernen.
Die Geschichte spielt hauptsächlich in einem kleinen Dorf in Essex, das von einem Mystischen Wesen ("Der Schlange von Essex") heimgesucht wird.
Das Ende ist gut im Hinblick auf diesen Mythos, jedoch wäre die Entwicklung der Figuren noch ausbaufähig. Ich hätte mir auch zu ihren Geschichten noch ein abgerundetes Ende gewünscht.
Rezension | Die Schlange von Essex von Sarah Perry Beschreibung
London 1893.
Die junge Witwe Cora Seaborne zieht es nach dem Tod ihres Mannes aus der Hauptstadt nach Essex. In Begleitung ihres Sohnes Francis und ihrer Freundin Martha möchte die begeisterte Naturwissenschaftlerin nach Fossilien suchen
.
In Essex kommen Cora Seaborne Gerüchte über eine unheimliche Schlange zu Ohr, die ihr Unwesen in dem Küstenort Aldwinter ihr Unwesen treiben soll. Natürlich entfachen diese Geschichten Coras Neugier und so geht die Reise weiter nach Aldwinter. Dort gerät sie als Anhängerin der Wissenschaft mit dem Pfarrer William Ransome aneinander.
Meine Meinung
Sarah Perry ist es mit ihrem Roman „Die Schlange von Essex“ gelungen gleich mehrere wichtige Buchpreise in England (wie z. B. den Britischen Buchpreis) zu gewinnen. Durch diesen Überraschungserfolg und dem ansprechend gestalteten Buchcover wurde meine Neugier geweckt.
"Das Pendel schwingt von einem Jahr ins andere, und das Gesicht der Tiefe verfinstert sich." (Die Schlange von Essex, Seite 13)
Ich liebe die klassischen Romane von Jane Austen, Oscar Wilde und Co. und habe mich sofort in den poetischen und altertümlich anmutenden Schreibstil von Sarah Perry verliebt, der mich so sehr an die Werke der großen Weltliteratur erinnert hat. Das gelungene Setting im nebelverhangenen Essex hat direkt Bilder vor dem inneren Auge projiziert, was einfach perfekt zur Gothic Novel Note des Romans passt.
"»Sie haben bestimmt von der Schlange von Essex gehört, die einst der Schrecken von Henham und Wormingford war und vor Kurzem erst wieder gesichtet wurde?«" (Die Schlange von Essex, Seite 56)
Das Geheimnis und die Gerüchte um die Schlange von Essex sind Kern- und Angelpunkt der Geschichte. Dennoch steht nicht unbedingt die Schlange im Mittelpunkt, sondern die Menschen die sich in der unmittelbaren Umgebung des Geschöpfs bewegen und leben. Sehr eindrucksvoll und mit viel Liebe zum Detail hat Sarah Perry ihren Charakteren Leben eingehaucht, so dass man fast das Gefühl hat die Personen würden direkt vor einem stehen.
Das Augenmerk liegt auf der jungen Witwe Cora Seaborne die sich der Wissenschaft verschrieben hat und nicht gerade als Frau des Londoner Stadtlebens daher kommt, sondern eher wie das blühende Leben vom Lande erscheint die am liebsten bequeme Kleidung trägt. Durch den Landpfarrer William Ransom der dem direkten Gegenteil von Coras Weltanschauungen entspricht, kommt Dynamik und eine knisternde Atmosphäre ins Spiel. Die beiden fühlen sich trotz der Umstände, dass William bereits verheiratet und ein Mann Gottes ist, unweigerlich zueinander hingezogen. Dies äußerst sich durch eine wunderbare Freundschaft in der Dinge wie Glaube, Liebe und wissenschaftliches besprochen und erörtert wird.
"»Ich bin durstig, so war es immer – mich dürstet nach allem. […]«" (Die Schlange von Essex, Seite 156)
Leser die eine spannende und temporeiche Lektüre bevorzugen, werden mit dieser Geschichte nicht glücklich werden. Sarah Perrys Roman lebt von der einmaligen Sprache (wirklich jede Seite ist ein Gedicht) und den zwischenmenschlichen Verstrickungen die typisch für einen Roman über das viktorianische Zeitalter sind. „Die Schlange von Essex“ ist ein ruhiges und tiefschürfendes Leseerlebnis, dass einen mit Haut und Haar erfasst.
Dieses Buch ist etwas ganz besonderes. Vor allem Freunde der klassischer Literatur oder Liebhaber des viktorianischen Zeitalters dürften mit Sarah Perrys Roman „Die Schlange von Essex“ gut beraten sein.
Fazit
Es spricht soviel Herz uns Seele aus diesem Buch – einfach umwerfend!
Ein sehr seltsames Buch. Es gab Stellen, die mich in die Geschichte hineingezogen haben und welche, die mich wieder herausgezogen haben. Die ersten und letzten 100 Seiten sehr zäh und langsam erzählt. Nichtsdestotrotz hatte es einen Zauber und interessante Figuren, die einem aber immer zu fremd blieben, um wirklich mitleidig zu können.
Die Leseprobe geht bis Seite 89 und man kann sich einen guten Eindruck von dem Buch machen. Es ist geschrieben, wie ein Buch aus dem 19. Jahrhundert. Schreibstil erinnert an Charles Dickens. Mir persönlich war es etwas zu schwulstig geschrieben, wenn auch Stellenweise sehr flüssig, aber der Sinn einer Aussage wurde unnötig in die länge gezogen oder verschachtelt und noch durch Aussagen in () ergänzt. Die Geschichte an sich interessiert mich, aber der Stil hält mich ab weiterzulesen.
Wir befinden uns im viktorianischen England. Cora, gerade Witwe geworden, verlässt mit ihrem autistischen Sohn und seiner Gouvernante London und zieht nach Essex, wo sie ihrer Leidenschaft, den Naturwissenschaften, frönen kann.
Schon bald hört sie nicht nur von der legendären "Essex Serpent", einem Seeungeheuer, das Menschen beeinflusst und tötet, sondern trifft auch auf den Pfarrer William, zu dem sie eine besondere Freundschaft entwickelt.
Dieses Buch ist geprägt von seinen sehr speziellen, stark überzeichneten Charakteren und der sinnbildhaften Verkörperung der Zeit, in der sie leben. Da ist der Kirchenmann, seiner Frau stets treu ergeben, der nicht an ein gottloses Wesen wie die Essexschlange glauben kann. Da ist die junge Dame aus der höheren Gesellschaft, die - befreit von den gesellschaftlichen Pflichten als Ehefrau - auf die Suche nach dem natürlichen Ursprung alles Lebens geht und in der Schlange eine bislang unentdeckte Tierart vermutet. Da sind der Arzt und sein Freund, die Anästhesie und neuartige Operationen erforschen und vorantreiben. Da ist die Kinderfrau, die sich für die Unterschicht einsetzt. Figuren voller Symbolik, in sich schlüssg, dennoch berechenbar.
Es steckt sehr viel Liebe zu Details in dieser Geschichte, viel Wissen über den historischen Hintergrund, ein wunderbarer Schreibstil - doch leider hat die Autorin so stark mit Bildern und Metaphern gearbeitet, dass ich mich beim Lesen oft in den Deutschunterricht versetzt fühlte und nicht so recht in das Geschehen eintauchen konnte.
Wer Spannung sucht, liegt mit diesem Roman falsch.
Wer interessante Persönlichkeiten, eine etwas düstere Atmosphäre und bedeutungsvolle Verwicklungen mag, wird Gefallen an "The Essex Serpent" haben.
Es war nicht meins. Keine Ahnung, ob es nicht die richtige Zeit war für dieses Buch & mich oder ob es wirklich an der (für mich) zu "trockenen" Story lag -.-
Ich habe es sehr gemocht. Die Schlange bringt eine mysteriöse Stimmung ins Buch. Das Cora sich der Naturforschung verschreibt, ist nicht der Tatsache geschuldet, dass sie es als Beruf ausübt, sondern eher als Hobby. Fande das etwas schade! Hat auch sehr melancholische und düstere Passagen, passt perfekt in den Winter.
Mir war die Geschichte zu verworren, zu viele kauzige Charaktere und ich konnte keine Sympathie aufbauen. Hat bei mir leider nicht den Hype ausgelöst, den es bei anderen hat.
Und da reden immer alle von Cora und Will. Dabei hat das Buch soviele Charaktere zu bieten.
Ansonsten: das Ende hätte sich noch mehr nach Ende anfühlen können. Obwohl es ein schön unkonventionelles Ende war und tolle "last words" hatte.
Funke ist nicht übergesprungen. Vllt auch wegen der vielen Charaktere und Motive. Und deutlich zu wenig Schlange. Aber Perry hat nen feinen Stil.
Im Jahr 1893 trifft Cora Seaborne, eine sehr vernünftige Frau und Naturwissenschaftlerin, auf den Pfarrer William, der mit seinem strengen Glauben auf den ersten Blick das totale Gegenteil darstellt. Beworben wurde "Die Schlange von Essex" mit dem Themenschwerpunkt Glaube vs. Wissenschaft, der mich sehr interessiert hat. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht.
Die Charaktere waren mir auf keinen Fall extrem genug. Cora und William stehen ansatzweise schon für wissenschaftliche und geistliche Ansichten, jedoch hatte ich mir Cora eher als aufstrebende und überzeugte Wissenschaftlerin vorgestellt, die mit Thesen und deren Beweisen nur so um sich wirft und religiöse Belange für lächerlich hält. William hingegen war in meinen Erwartungen ein erzkonservativer und engstirniger Geistlicher, der nicht einmal von den offensichtlichsten wissenschaftlichen Erkenntnissen etwas hält. Einen hitzigen Schlagabtausch nach dem anderen habe ich erwartet, in der Realität sind aber sowohl Cora als auch William eigentlich zwei sehr weltoffene und aufgeschlossene Menschen, die höchstens auf eine sehr harmlose Art und Weise aneinander geraten.
Dem gegenüber steht Williams Frau, die erkrankt und nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne ist. Sie liegt fiebrig im Bett und ihre Fantasien gehen schon eher in eine sehr esoterische Richtung, die mir gar nicht gefiel und die ich auch irgendwie im Gesamtkontext nicht so richtig einordnen konnte, da auch ihr gegenüber Cora und William sehr zurückhaltend sind und die Fieberträume zum Großteil hinnehmen. Im Übrigen hielt ich auch von der im Klappentext schon angedeuteten Liebesgeschichte nicht mehr viel, als ich von Williams kranker Frau las. Sowieso konnten mich die Gefühle nicht packen, die Charaktere wirkten alle sehr unnahbar und Emotionen kamen bei mir keine auf.
Um den Titel des Buches aufzugreifen, möchte ich nun noch auf das Geheimnis um die Schlange von Essex eingehen. Insgesamt hat sich die Auflösung für meinen Geschmack viel zu lange gezogen. Es waren viel zu viele abergläubische Aspekte involviert, die ich so nicht erwartet hatte und die mich auch nicht überzeugen konnten. Sarah Perry schreibt außerdem noch an einigen Nebenschauplätzen über die Arbeit in der Medizin und im sozialen Wohnungsbau in London gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Kapitel rund um den Doktor, seine Eingriffe und die Skepsis der Gesellschaft gegenüber seinen gewagten Thesen haben mich schon eher interessiert und sein Schicksal ist mir auch relativ nah gegangen. Den Rest der Geschichte und auch das Wohnungsbauprojekt fand ich leider etwas belanglos und so kann ich den Hype auch nicht ganz nachvollziehen.
Weniger Wissenschaft vs. Glaube, sondern viel mehr ein Buch zusammengewürfelt aus einer Prise Aberglaube, ein bisschen Wirtschaft und Medizin im viktorianischen England. "Die Schlange von Essex" konnte meinen Erwartungen leider nicht gerecht werden und mich nicht überzeugen.
(Juni 2018)
Rezension | Die Schlange von Essex von Sarah Perry Beschreibung
London 1893.
Die junge Witwe Cora Seaborne zieht es nach dem Tod ihres Mannes aus der Hauptstadt nach Essex. In Begleitung ihres Sohnes Francis und ihrer Freundin Martha möchte die begeisterte Naturwissenschaftlerin nach Fossilien suchen
.
In Essex kommen Cora Seaborne Gerüchte über eine unheimliche Schlange zu Ohr, die ihr Unwesen in dem Küstenort Aldwinter ihr Unwesen treiben soll. Natürlich entfachen diese Geschichten Coras Neugier und so geht die Reise weiter nach Aldwinter. Dort gerät sie als Anhängerin der Wissenschaft mit dem Pfarrer William Ransome aneinander.
Meine Meinung
Sarah Perry ist es mit ihrem Roman „Die Schlange von Essex“ gelungen gleich mehrere wichtige Buchpreise in England (wie z. B. den Britischen Buchpreis) zu gewinnen. Durch diesen Überraschungserfolg und dem ansprechend gestalteten Buchcover wurde meine Neugier geweckt.
"Das Pendel schwingt von einem Jahr ins andere, und das Gesicht der Tiefe verfinstert sich." (Die Schlange von Essex, Seite 13)
Ich liebe die klassischen Romane von Jane Austen, Oscar Wilde und Co. und habe mich sofort in den poetischen und altertümlich anmutenden Schreibstil von Sarah Perry verliebt, der mich so sehr an die Werke der großen Weltliteratur erinnert hat. Das gelungene Setting im nebelverhangenen Essex hat direkt Bilder vor dem inneren Auge projiziert, was einfach perfekt zur Gothic Novel Note des Romans passt.
"»Sie haben bestimmt von der Schlange von Essex gehört, die einst der Schrecken von Henham und Wormingford war und vor Kurzem erst wieder gesichtet wurde?«" (Die Schlange von Essex, Seite 56)
Das Geheimnis und die Gerüchte um die Schlange von Essex sind Kern- und Angelpunkt der Geschichte. Dennoch steht nicht unbedingt die Schlange im Mittelpunkt, sondern die Menschen die sich in der unmittelbaren Umgebung des Geschöpfs bewegen und leben. Sehr eindrucksvoll und mit viel Liebe zum Detail hat Sarah Perry ihren Charakteren Leben eingehaucht, so dass man fast das Gefühl hat die Personen würden direkt vor einem stehen.
Das Augenmerk liegt auf der jungen Witwe Cora Seaborne die sich der Wissenschaft verschrieben hat und nicht gerade als Frau des Londoner Stadtlebens daher kommt, sondern eher wie das blühende Leben vom Lande erscheint die am liebsten bequeme Kleidung trägt. Durch den Landpfarrer William Ransom der dem direkten Gegenteil von Coras Weltanschauungen entspricht, kommt Dynamik und eine knisternde Atmosphäre ins Spiel. Die beiden fühlen sich trotz der Umstände, dass William bereits verheiratet und ein Mann Gottes ist, unweigerlich zueinander hingezogen. Dies äußerst sich durch eine wunderbare Freundschaft in der Dinge wie Glaube, Liebe und wissenschaftliches besprochen und erörtert wird.
"»Ich bin durstig, so war es immer – mich dürstet nach allem. […]«" (Die Schlange von Essex, Seite 156)
Leser die eine spannende und temporeiche Lektüre bevorzugen, werden mit dieser Geschichte nicht glücklich werden. Sarah Perrys Roman lebt von der einmaligen Sprache (wirklich jede Seite ist ein Gedicht) und den zwischenmenschlichen Verstrickungen die typisch für einen Roman über das viktorianische Zeitalter sind. „Die Schlange von Essex“ ist ein ruhiges und tiefschürfendes Leseerlebnis, dass einen mit Haut und Haar erfasst.
Dieses Buch ist etwas ganz besonderes. Vor allem Freunde der klassischer Literatur oder Liebhaber des viktorianischen Zeitalters dürften mit Sarah Perrys Roman „Die Schlange von Essex“ gut beraten sein.
Fazit
Es spricht soviel Herz uns Seele aus diesem Buch – einfach umwerfend!
Bewertet mit 3 Sternen
Zuerst einmal, ich durfte diese Buch im Rahmen einer Leserunde lesen.
Von der Leseprobe und dem Klappentext unheimlich angetan, machte ich mich voller Freude an die Lektüre des Romans und wurde gleich von meiner Leseerwartung runtergeschraubt.
Ich hatte unglaubliche Schwierigkeiten überhaupt in die Geschichte einzufinden, hatte mit den vielen Personen meine Probleme und auch die Story selber konnte mich nicht überzeugen.
Mit dem zweiten Abschnitt wurde es ein bisschen besser, auch die Spannung stieg an und ich wollte unbedingt erfahren wie es mit Cora, Martha und Francis weitergeht im Essex, genauer Aldwinter.
Dort lernte sie den Pastor Will und seine Frau Stella kennen und lieben. Und da waren wir auch bei meinem größten Problem. Irgendwie kam die Story nie so richtig in Fluss, mir fehlte der tote Faden und durch den ständigen Perspektivwechsel bzw. die ständig wechselnden Protagonisten, die die Geschichte erzählten kam bei mir keine Leselust auf.
Ich las verschiedene Stellen zweimal und hatte trotzdem oft das Gefühl, das wichtigste geht an mir vorüber und ich habe es einfach nicht verstanden.
Vielleicht war es in meinem Fall die Leserunde mit einem Abschnitt pro Woche, die mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen hat, aber wahrscheinlich hätte ich das Buch auch nicht besser verstanden, wenn ich es in einem Rutsch gelesen hätte.
Ich fand den Schreibstil schon besonders schön, es wurde ganz toll mit den Worten gespielt. Was mit besonders gut gefiel, waren die Briefe zwischen den Charakteren die sehr informativ und unterhaltend waren.
Im großen und ganzen ein besonderes Buch, welches mich entweder zur falschen Zeit erreicht hat, oder ich tatsächlich nicht verstanden habe.
Ich möchte mich trotzdem herzlich beim Bastei-Lübeck Verlag für das Leseexemplar und die Leserunde bedanken. Schade, dass mich das Buch nicht erreichen konnte.
Der Roman bleibt weit hinter meinen Erwartungen zurück. Die Geschichte plätschert vor sich hin. Zuweilen kommt der rote Faden komplett abhanden, da zu viele Nebenschauplätze bespielt werden, die den Hauptstang der Handlung schwächen, weil dieser nicht genügend Raum findet. Die Geschichte um Cora & Will wird letztlich nicht auserzählt; beide Hauptcharaktere bleiben mir seltsam fremd. Es wirkt als ob ich eine Rohfassung eines Romans gelesen hätte, mit dem die Autorin vieles wollte, aber am Ende die Kraft nicht hatte. Es mangelt an Spannung und Tiefgang. Einziger Pluspunkt: die bildhafte Sprache, welche es schafft, dass ich mich bis zum Ende durchhangle.
Für mich ein absolutes Highlight! Sprachgewaltig, poetisch, nachdrücklich, zeitkritisch und voller facettenreicher Liebe und spannend bis zum Schluss. Ein besonderes Buch für das man sich Zeit zum genießen nehmen sollte. Die Sprache ist dem historischen Hintergrund angepasst und nicht ganz einfach.
Es ist eine der Geschichten die ich ,,gefühlt" habe. Setting, Gerüche und alle Emotionen waren für mich greifbar und fast körperlich spürbar.
Wir befinden uns im viktorianischen England. Cora, gerade Witwe geworden, verlässt mit ihrem autistischen Sohn und seiner Gouvernante London und zieht nach Essex, wo sie ihrer Leidenschaft, den Naturwissenschaften, frönen kann.
Schon bald hört sie nicht nur von der legendären "Essex Serpent", einem Seeungeheuer, das Menschen beeinflusst und tötet, sondern trifft auch auf den Pfarrer William, zu dem sie eine besondere Freundschaft entwickelt.
Dieses Buch ist geprägt von seinen sehr speziellen, stark überzeichneten Charakteren und der sinnbildhaften Verkörperung der Zeit, in der sie leben. Da ist der Kirchenmann, seiner Frau stets treu ergeben, der nicht an ein gottloses Wesen wie die Essexschlange glauben kann. Da ist die junge Dame aus der höheren Gesellschaft, die - befreit von den gesellschaftlichen Pflichten als Ehefrau - auf die Suche nach dem natürlichen Ursprung alles Lebens geht und in der Schlange eine bislang unentdeckte Tierart vermutet. Da sind der Arzt und sein Freund, die Anästhesie und neuartige Operationen erforschen und vorantreiben. Da ist die Kinderfrau, die sich für die Unterschicht einsetzt. Figuren voller Symbolik, in sich schlüssg, dennoch berechenbar.
Es steckt sehr viel Liebe zu Details in dieser Geschichte, viel Wissen über den historischen Hintergrund, ein wunderbarer Schreibstil - doch leider hat die Autorin so stark mit Bildern und Metaphern gearbeitet, dass ich mich beim Lesen oft in den Deutschunterricht versetzt fühlte und nicht so recht in das Geschehen eintauchen konnte.
Wer Spannung sucht, liegt mit diesem Roman falsch.
Wer interessante Persönlichkeiten, eine etwas düstere Atmosphäre und bedeutungsvolle Verwicklungen mag, wird Gefallen an "The Essex Serpent" haben.
Ein historisch tiefgründiges Leseerlebnis: ruhig, poetisch und eigenwillig.
London, 1893. Nach dem Tod ihres Mannes verlässt die nun frischgebackene Witwe Cora Seaborne die britische Hauptstadt und reist gemeinsam mit ihrem Sohn Francis und dem Kindermädchen Martha an die englische Ostküste nach Essex. Dort möchte die begeisterte Naturwissenschaftlerin nach Fossilien suchen. Vor Ort kommen der jungen Frau jedoch schnell Gerüchte über eine geflügelte Seeschlange zu Ohren, die in dem Küstenort Aldwinter ihr Unwesen treiben soll und deren Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Gepackt von Neugierde und der Hoffnung auf einen wissenschaftlich bedeutenden Fund begibt sie sich in das kleine, vom Unheil des mythischen Lindwurms verfolgte, Städtchen und lernt dort durch Bekannte den ortsansässigen Pfarrer William Ransome und seine Familie kennen. Während Cora als Anhängerin der Thesen Charles Darwin's die Situation aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet, beruft sich Will auf seinen Glauben an Gott. Glaube und Wissenschaft prallen unablässig aufeinander und erschaffen etwas für beide Unvorhergesehenes.
Obwohl ich dieses Buch bereits seit Sommer 2021 zu meinen gelesenen Büchern zählen kann, habe ich bis jetzt mit mir gehadert, meine Leseeindrücke ansprechend in Worte zu fassen. Hat die Autorin doch ein literarisches Werk geschaffen, welches man entweder lieben lernt oder aber keinen Zugang dazu findet. Am Anfang fiel es mir schwer alle Charaktere der Geschichte auseinander zu halten, insbesondere dadurch, dass die Perspektive zwischen den Figuren immer wieder hin und her wechselt und man sich plötzlich an neuen, unbekannten Orten befindet. Die perspektivische Vielfalt reicht hier von den Hauptcharakteren Cora Seaborne und William Ransome bis hin zu Freunden beider Parteien, Nachbarn sowie deren Kindern. So bleibt man als Leser zwar ordentlich in Bewegung, aber es finden auch immer wieder kleine Brüche statt, die den Lesefluss gerade zu Beginn beeinträchtigen und einem das Gefühl geben, dass dem ganzen ein roter Faden fehlt. Hat man sich jedoch nach ein paar Hürden an den eigenwilligen Stil dieses Buches gewöhnt, ist es etwas ganz Besonderes und lässt sich nur schwer zur Seite legen. Das liegt unter anderem daran, dass die Geschichte sprachlich von der Autorin einfach ausgezeichnet umgesetzt wurde. Ich habe mich augenblicklich in Sarah Perrys altertümlich anmutenden Schreibstil verliebt, der wirklich nahezu jede Seite in ein kleines Gedicht verwandelt und der Geschichte so eine unantastbare Tiefgründigkeit verleiht. Sehr eindringlich, lebhaft und detailliert sind die Beschreibungen, teilweise sogar poetisch. Viele Zitate habe ich mir deshalb im Nachhinein aufgeschrieben, um mich ihrer immer wieder aufs neue zu erfreuen und zu erinnern. Dennoch spaltet dieses Buch wohl die Gemüter, wie bereits zu Anfang erwähnt. Entweder man mag es oder man mag es nicht. Mich jedoch hat es vollkommen eingenommen sowohl zum lachen als auch zum weinen gebracht und im allerletzten Kapitel, auf der allerletzten Seite sprachlos zurückgelassen. Mit Tränen in den Augen konnte ich nicht begreifen, was ich da gerade gelesen hatte und war gleichermaßen verwundert wie verwirrt, dass die Geschichte zuende und ich gerade an der letzte Zeile, dem letzen Satz angelangt war. "Die Schlange von Essex" ist ein ruhiges und tiefschürfendes Leseerlebnis, dass einen mit Haut und Haar erfasst. Mehr kann ich dazu einfach nicht sagen (...) Lesempfehlung, Lieblingsbuch und ein absolutes Jahreshighlight!
5/5 ⭐
A wonderful read for those who like character-driven books, not quite 5 stars for me, since I get along better with plot-driven books. Loads of symbolism, which I loved.
London in den 1890ern. Cora Seaborne ist seit Kurzem verwitwet. Da sie von ihrem Mann unterdrückt wurde, hält sich die Trauer in Grenzen, vielmehr genießt Cora ihre wiedererlangte Freiheit. Als sie von einem Untier hört, das in der Nähe von Colchester sein Unwesen treiben soll, der sogenannten "Essex Serpent", reist sie mit ihrem elfjährigen Sohn nach Essex, um der Sache nachzugehen. Im Dorf Aldwinter, das von der Schlange heimgesucht werden soll, freundet sie sich mit der Pfarrersfamilie Ransome an.
Ich ging mit höchsten Erwartungen an dieses Buch heran, denn es ist inhaltlich genau mein Ding und zwei meiner Lieblings-Booktuber kürten den Roman zu ihrem Buch des Jahres 2016. Was mir nicht klar war, ist, wie stark das Buch von seinen Charakteren geprägt ist, die Handlung tritt hinter die Charakterentwicklung zurück. Da mir Bücher, die "plot-driven" sind, eher liegen, war das Buch schließlich doch kein 5-Sterne-Buch für mich, hat mir aber gut genug gefallen, um 4 Sterne von mir zu erhalten.
Was mir sehr gut gefallen hat, war der das Buch durchziehende Symbolismus, am deutlichsten natürlich verkörpert durch die Essex Serpent, die Essex-Schlange, selbst. Das mysteriöse Wesen scheint das Unglück ins Dorf zu bringen, es steht für den Aberglauben, den dessen Pfarrer Will bekämpft, aber auch Cora Seaborne ist im übertragenen Sinne die Essex-Schlange, denn sie bringt ebenfalls Unruhe in das Dorf und stellt eine Versuchung für Will dar, der seine Frau doch eigentlich liebt, aber in Cora seinen intellektuellen Gegenpart findet.
Auch die Farbe Blau spielt eine wichtige Rolle, Sarah Perry weist im Nachwort darauf hin, dass ihr hierfür das Buch Bluets von Maggie Nelson als Inspiration diente (das werde ich dann wohl auch noch lesen).
Die Auflösung gefällt mir gut, sie ist relativ klar, lässt aber dennoch Raum für eigene Interpretationen.
Insofern handelt es sich um sehr gutes Buch, die Lektüre macht Spaß und wer Bücher liebt, die den Schwerpunkt auf die Charakterzeichnung legen, wird es großartig finden.