
Zur Story:
Okiku ist eine einsame Seele. Seit Jahrhunderten wandert sie durch die Welt und befreit die Geister der Ermordeten. Einst selbst ein Opfer, nimmt sie nun den Mördern mit der Vergeltung, die sie verdienen, das Leben. Doch das Erlösen unschuldiger Geister aus ihren ätherischen Fesseln bringt Okiku keinen Frieden. Sie treibt weiterhin rastlos umher. So verläuft ihr Dasein – bis sie Tark begegnet. Unter der Haut des launischen Teenagers windet sich das Böse, gefangen durch eine Reihe kunstvoller Tattoos. Während seine Nachbarn ihn fürchten, weiß Okiku, dass der Junge kein Monster ist. Tark muss von der Bosheit befreit werden, die an ihm haftet. Es gibt nur ein Problem: Wenn der Dämon stirbt, stirbt auch sein Wirt. — „The Girl from the Well“ verspricht eine düstere Atmosphäre im Stil japanischer Horrorfilme, bleibt am Ende aber leider hinter den Erwartungen zurück. Wer auf echten Grusel hofft, wird hier enttäuscht. Trotz der vielversprechenden Prämisse kommt keine wirkliche Horror-Stimmung auf. Das Buch schafft es nicht, den Leser das Fürchten zu lehren. Die Geisterdame agiert eher als stille Stalkerin. Sie beobachtet viel, tritt aber wenig aktiv in Erscheinung, was der Spannung deutlich schadet. Positiv hervorheben muss man allerdings die Einblicke in die japanische Folklore – die waren interessant und haben dem Ganzen zumindest etwas Tiefe gegeben. Das allein reicht nur eben nicht, um den fehlenden Gruselfaktor auszugleichen. Die Geschichte ist insgesamt okay, aber eben auch nicht mehr. Für Folklore-Fans und YA-Leser einen Blick wert, für Horror-Liebhaber jedoch zu harmlos. Das Potenzial der japanischen Geisterwelt wurde hier leider nicht voll ausgeschöpft.



