Zwischen Tempel und Steppe
Liria ist zurück in Myolis. Zurück im Tempel der Mutter Meer. Zurück in ihrer Heimat. Nur fühlt sich nichts mehr nach Zuhause an. Was einst vertraut und sicher war, wirkt plötzlich kalt und grausam – allen voran der Hohepriester, ihr früherer Lehrmeister. Statt Schutz erwartet sie Manipulation: Er will sie für seinen Feldzug gegen die Völker der Steppe instrumentalisieren. Geborgenheit? Fehlanzeige. Liria lernt die dunkle Seite von Myolis kennen – und ahnt, dass hinter der frommen Fassade mehr steckt. Noch bevor sie die Maske ihrer alten Welt vollständig lüften kann, erfährt sie: Thrakon lebt. Band 2 startet deutlich rasanter und stellt Liria vor eine klare Entscheidung: zurück in ihr altes, fremdbestimmtes Leben – oder alles hinter sich lassen und ein Kind der Steppe werden. War sie im ersten Band noch ein Blatt im Wind, beginnt sie nun, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Die Entwicklung von der gehorsamen Tempelschülerin und Sklavin hin zu einer Frau, die ihren eigenen Weg geht, ist spürbar und stark umgesetzt. Dieser Band wirkt wie ein Katalysator für ihre Selbstbestimmung – und das macht richtig Spaß zu lesen. Natürlich steht auch diesmal die Beziehung zwischen Liria und Thrakon im Zentrum. Doch gerade diese Liebe ist mehr als nur Romantik – sie ist Motor der Handlung, Antrieb für Mut, Zweifel und Veränderung. Auch die Nebenfiguren – alte Bekannte wie neue Gesichter – überzeugen, und man fiebert durch jede Seite mit. Vielleicht kein literarisches Schwergewicht. Aber eine packende Geschichte über Wandel, Toleranz und die Kraft der Liebe. Und manchmal ist genau das alles, was man braucht.

