3. Okt.
Rating:2.5

Als Hörbuch gehört - der Sprecher ist 'ne Wucht!

Seit meiner Jugend habe ich eigentlich keine Thriller mehr gelesen. Nun bin ich zufällig auf Like als Hörbuch gestoßen. Stell dir vor, ob du operiert oder therapiert wirst, hinge davon ab, wie viele Likes du für dich gewinnen kannst. Dieses dystopisch anmutende Gedankenexperiment ist die Ausgangslage des Thrillers. Es geht um einen Vater, der bereit ist, alles zu tun, um seine todkranke Tochter zu retten. Das klingt erst mal nach einem soliden Thrill- und Actionstoff. Zweiteres ist auch gut im Roman enthalten! Der Thrill kommt eher dadurch zustande, dass sich, je weiter man in der Geschichte voranschreitet, immer mehr "Lücken" in der Geschichte schließen. Das ist einerseits cool und unterhalend, andererseits muss ich sagen, dass mich das, wenn ich es gelesen hätte, stark irritiert hätte. Denn: Die Kapitel sind teilweise anachronisch durchbrochen, dabei handelt es sich nicht immer um Rückblicke verschiedener Figuren , sondern viemmehr die Perspektiven erlebter Situationen, die der Protagonist, der Vater Jack, schon durchlebt hat. Man wird zwischendurch also etwas im Geschehen zurückgeworfen. Und dabei entwickelt sich die Geschichte durch das Auflösen des Kerngeheimnisses (weit) weg von der Problematik der Ausgangssituation (die Kritik am Gesundheitssystem und dem dystopischen Like-System) zu einem utopischen Aspekt (zwar immer noch medizinisch, aber eben weniger gesellschaftskritisch). Dieser Aspekt führt zwar durchaus zu dem Thrill, aber weg vom Titel, sodass ich mir den Zusammenhang zwischen diesen beiden Problemen für die Story stelle. Es scheint, als wäre das dystopische Elemnt rein für die Action reingebracht worden. Bei der Hauptfigur Jack hat mich seine Einstellung zu den sozialen Medien bzw. der "neuen Technik" irritiert. Er hat, wie immer wieder betont wird, nichts damit "am Hut". Erzähltechnisch wohl sinnvoll, damit die Leserschaft mit ihm gemeinsam den Komplott aufdecken kann, aber von der Figurengestaltung für mich schwierig, weil ich weder sein Alter noch wann die Story (ob jetzt oder in der nahen Zukunft) spielen soll, einschätzen konnte. Internet und Smartphones gibt es inzwischen auch schon seit 20 Jahren und länger für die Allgemeinheit zugänglich, in den USA ja noch länger. Die Story ist durchaus unterhaltend, aber ich hatte nicht die gleichen Thrillmomente wie bei einem Fitzek, McFadyen oder Morrell. Was aber absolut großartig ist, ist def Sprecher des Hörbuchs: Omid-Paul Eftekhari! Er hat wirklich die Geschichte gespielt! Nicht nur seine bewegte Stimme, auch das Hauchen oder Röcheln eines letzten Atemzugs "erzählt" er. Und er macht es großartig! Mein Fazit: Da ich lange keine Thriller mehr gelesen habe, habe ich vielleicht auch nicht mehr so den Bezug zu diesem Genre - was mich aber gestört hat, war dass Ausgangssituation und Entwicklung gefühlt wenig miteinander zu tun hatten und ich hier mir die Frage gestellt habe, warum das erzählisch fürs Worldbuilding so gewählt wurde Demnach hatte für mich Titel und Story auch nicht so den Zusammenhang (und das ist mir persönlich wichtig). Unterhaltend ist der Thriller allemal, ich glaube aber nicht, dass er mich, wenn ich ihn gelesdn hätte, tatsächlich bei der Stbge gehalten hätte. Als Hörbuchfassung kann ich ihn aufgrund des Sprechers sehr empfehlen.

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LIKE: Thrillerby Andrew HollandIndependently published