Das Cover und der Klappentext von „Die unendliche Sehnsucht der Haushaltsgeräte“ von Glenn Dixon lassen eine warmherzige Geschichte vermuten. Tatsächlich entwickelt sich der Roman jedoch in eine ganz andere Richtung. Die Geschichte entpuppt sich als dystopische Zukunftsvision, die sich mit den Gefahren einer von künstlicher Intelligenz dominierten Gesellschaft auseinandersetzt. Dixon zeichnet ein Smart Home der nahen Zukunft, in dem sämtliche Haushaltsgeräte miteinander vernetzt und an das sogenannte „Raster“ angeschlossen sind. Das „Raster“ ist ein System, das längst die Kontrolle über nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens übernommen hat. Die Geräte sind perfekt auf die Gewohnheiten ihrer Besitzer abgestimmt, bestellen Lebensmittel nach, überwachen Gesundheitsdaten oder erledigen den Haushalt. Was zunächst bequem und effizient erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einem Schreckensszenario völliger Abhängigkeit. Im Mittelpunkt stehen das ältere Ehepaar Edie und Harold, deren Alltag von der allgegenwärtigen Technik bestimmt wird. Daneben werden auch die Haushaltsgeräte selbst zu Protagonisten. Besonders interessant ist dabei die Vermenschlichung der Geräte, die miteinander kommunizieren und Entscheidungen treffen. Besonders Harolds Smartwatch verdeutlicht, wie sehr die Kontrolle bereits an die Technik abgegeben wurde. Sehr gelungen fand ich die Fragen, die der Roman aufwirft: Wie weit darf Technologie gehen? Ab wann wird künstliche Intelligenz von einer Hilfe zu einem Problem? Haben „wir“ die möglichen Konsequenzen einer vollständig digitalisierten und überwachten Gesellschaft wirklich durchdacht? Die Parallelen zu George Orwells 1984 sind dabei unverkennbar. Das „Raster“ erinnert an eine moderne Form totaler Überwachung, die Freiheit und Selbstbestimmung zunehmend einschränkt. Ein weiterer Pluspunkt ist die Bedeutung von Musik und Literatur. Glenn Dixon hebt ihre Rolle als Ausdruck menschlicher Individualität hervor. Bücher und Musik stehen symbolisch für das, was Menschen von Maschinen unterscheidet, auch wenn die KI selbst diese Bereiche zunehmend vereinnahmen möchte. Trotz der spannenden Grundidee hätte ich mir an vielen Stellen mehr Tiefe gewünscht. Einige interessante Aspekte werden nur angerissen. Besonders die Dissidenten, die sich dem System widersetzen, bleiben zu blass. Auch die Figur Kate hätte deutlich mehr Raum verdient. Zwar erfährt man, dass sie als junges Mädchen nach einem Fehler weggeschickt wurde, doch die Hintergründe werden nie vollständig aufgeklärt. Hier bleiben einige Fragen offen, die ich gerne beantwortet gesehen hätte. Insgesamt bietet der Roman eine interessante und durchaus aktuelle Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz, Überwachung und gesellschaftlicher Kontrolle.
Eine niedliche, schöne Geschichte mit Geräten, die einem ans Herz wachsen
Die RezensentInnen vor mir haben die Geschichte schon wunderschön zusammengefasst (der Vergleich zu WALL-E trifft eindeutig zu 🥰). Das Buch war ein Spontankauf, weil mir Titel und Cover gleich ins Auge sprangen. Und dann entpuppte es sich zu einem wirklich herzlichen Roman mit niedlichen Haushaltsgeräten in einer dystopischen, sehr gut vorstellbaren neuen Welt. Die Geschichte war herzlich, etwas traurig, und trotz der düsteren Zukunftsidee (die man erst im Laufe der Geschichte wirklich begreifen konnte) nicht schwer zu lesen gewesen. Die kleine niedliche Staub- und Wischroboterin Scout sowie ihre Geräte-Freunde "Kühlschrank", "Auto" und "Uhr" zeigen immer mehr menschliches Verhalten. Reden über Freunde sein und Emotionen und fragen sich zum Beispiel, was nach dem Tod, bzw. in ihrem Fall nach einer Abschaltung, mit ihnen passiert. Und zeigen moralisches Verhalten. Ich spreche eine eindeutige Leseempfehlung aus!! 😊👉📖‼️
Eine berührende Geschichte mit unerwartetem Tiefgang 
Ich hab ja so einen kleinen Staubsaugerroboter, der hier ab und zu rum fährt und alles sauber macht. Kehrbert nenne ich ihn liebevoll und ich hab schon mal überlegt ihm ein paar Augen auf zu kleben, damit es authentischer wirkt, wenn ich mit ihm rede. Das tue ich nämlich tatsächlich ab und zu und auch Besucher, die ihn in Action erlebt haben, sprechen ihn an. Irgendwas üben diese kleinen Helfer auf uns aus. Und wenn wir dann dieses Buch lesen dann wissen wir, dass wir richtig liegen. Scout ist der Saugwischroboter von Harold. Seine Frau ist gestorben und sein SmartHome macht sich Sorgen, dass er einsam wird. Neben Scout gibt es noch Auto, Watch, Kühlschrank und einige mehr. Dann taucht Kate auf, die verlorene Tochter, die dem Vater eine schlechte Nachricht überbringen muss. Seine Haushaltsgeräte beschließen, ihm zu helfen, und Adrian der Nachbarsjunge ist mit von der Partie. Was sich als süße kleine Geschichte zusammensetzt, entpuppt sich mit fortschreiten des Textes zu einer Dystopie, die einem nicht nur schöne Gefühle macht. Im Hintergrund regiert das Raster, dass das Leben aller Menschen bestimmt. Man wird überwacht, man lebt sehr eingeschränkt, aber man lebt in Frieden, dem man sehr vieles opfern muss. Es versteckt sich eine liebevoll geschriebene Geschichte zwischen den Buchdeckeln. Mit so viel Tiefgang hatte ich gar nicht gerechnet. doch wir beschäftigen uns hier tatsächlich mit politischen Themen, die zwischen den Zeilen mitschwingen. Was passiert, wenn immer mehr Sicherheit unsere Freiheit einschränkt. Wer bestimmt, wann wir wie zu leben haben. Einige Gedanken haben mich schon sehr beschäftigt. Auch die Geschichte rund um Kate und deren Abwesenheit ist gleichzeitig spannend und beunruhigend. Dass der Text manchmal etwas holprig wird, weil er Ereignisse nicht nahtlos eingefügt werden oder die Namen der Haushaltsgeräte etwas sperrig wirken, fand ich jetzt zweitrangig Mir hat die Lektüre ganz gut getan. Sie ist leicht zugänglich, hat aktuelle und wichtige Botschaften und einen besonderen Unterhaltung Wenn ihr also auf der Suche seid, nach etwas leicht dystopischen, das warm und wertschätzend daherkommt und mit einigen spannenden Elementen aufwartet dann empfehle ich das Buch sehr. Meine Rezensionen geben immer ehrlich meine eigene Einschätzung wieder, unabhängig davon, ob ich das Buch selbst gekauft habe oder es mir vom Verlag oder den Autoren zur Verfügung gestellt wurde.

1984 meets Wall-E „Sämtliche Apparate im Haus… verfügten… über ein unterschiedliches Maß an Bewusstsein.“ (S. 20) In einer Welt, in der die Geräte, Wohnungen und Häuser immer smarter werden, wehrt sich ein kleiner Staubsaugerroboter dagegen, dass ihr Besitzer Harold nach dem Tod seiner Frau Edie aus seinem Haus entfernt und in ein Heim gesteckt werden soll. Scout gehört schon seit Jahren zu diesem Haushalt, hat Edie immer beim Klavierspielen und Harold beim Vorlesen zugehört. In gewissen Grenzen sind die Haushaltgeräte nämlich selbstständig. So hat sich Scout ihren Namen und ihr Geschlecht selber ausgesucht, nach einer Figur aus Harolds Lieblingsbuch. Sie entscheidet auch selber, wann sie was putzt. Und nachts, wenn die Menschen schlafen, trifft sie sich mit den anderen Geräte in der Küche. Sie alle führen ein autarkes, autonomes Leben und haben ein Bewusstsein. Scout ist die jüngste und wird von ihnen als Kind angesehen, deswegen lässt man ihr einiges durchgehen, was eigentlich verboten ist. Doch als Scout Gefühle entwickelt, über den Sinn des Lebens philosophiert und darüber nachdenkt, was sie von Menschen unterscheidet, verstehen die anderen sie nicht mehr. „Du kannst nichts fühlen.“ „Kann ich wohl. Zumindest metaphorisch.“ (S. 136) „Das Raster ... will besser als die Menschen werden. Es wird bald stärker sein, schneller und klüger.“ „Nur eben nicht menschlich.“ „Nein, aber das ist auch nicht so wichtig.“ (S. 208) Glenn Dixon zeichnet eine dystopische Welt, die mich stark an 1984 erinnert, in der eine KI namens Raster alles kontrolliert und entscheidet. Unbemerkt hat sie die Welt übernommen, doch für die Menschen fühlt sich alles ganz normal an, bis sie alt werden… Sie sind es gewohnt, dass ihre Watch ihre Lebensfunktionen überwacht und im Notfall reagiert. Dass sich der Wasserkocher anschaltet, wenn sie Tee wollen, und der Kühlschrank automatisch nachbestellt, was fehlt. Komfort ersetzt Selbstbestimmung – leise, effizient und scheinbar fürsorglich. Alle Haushaltsgeräte haben ihre Funktion und eine Stellung innerhalb einer Hierarchie. Scott ist wie das Kind einer Gemeinschaft, das von allen zusammen großgezogen wird. Das fand ich extrem faszinierend. Überhaupt habe ich Scout sofort ins Herz geschlossen: Sie ist neugierig, fürsorglich, beinahe zärtlich in ihrer Wahrnehmung der Welt. Sie schaut gern aus dem Fenster und beobachtet Vögel – und sie ist es auch, die den Plan schmiedet, das Haus für Harold zu retten. Harold wiederum spricht mit ihr, als wäre sie ein Mensch. Und genau darin liegt die leise, berührende Kraft dieses Romans: in den Momenten, in denen die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt. Beim Lesen hatte ich immer wieder Bilder aus Wall-E vor Augen – und wie im Trickfilm musste ich am Ende tatsächlich weinen. Ein berührender Roman über Einsamkeit, Fürsorge und die Frage, was es eigentlich bedeutet, menschlich zu sein – und vielleicht gerade deshalb ein echtes Lesehighlight.

Sanfte Stimmen aus einer stillen Zukunft
Eine leise, fast zärtliche Geschichte entfaltet sich zwischen Kabeln, Sensoren und der großen Frage nach dem, was ein Herz eigentlich ausmacht. Scout, dieser kleine Staubsaugerroboter, wächst einem überraschend schnell ans Herz, weil er nicht nur Schmutz beseitigt, sondern auch beginnt, Gefühle zu begreifen, die eigentlich nicht für Maschinen gedacht sind. Die Atmosphäre ist ruhig und melancholisch, getragen von Harolds Trauer und der stillen Präsenz seiner verstorbenen Frau. Besonders berührend ist, wie die Haushaltsgeräte versuchen, diese Leere zu füllen, ohne wirklich zu verstehen, was Verlust bedeutet. Genau darin liegt die Stärke des Romans, denn zwischen den Zeilen entsteht eine tiefe Menschlichkeit, die gerade durch die Maschinen sichtbar wird. Die Sprache fühlt sich sanft und warm an, beinahe wie ein leises Flüstern durch ein verlassenes Zuhause. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht, doch gerade diese Entschleunigung passt auch zur Geschichte selbst. Zurück bleibt ein nachdenkliches Gefühl und die Erkenntnis, dass Menschlichkeit vielleicht weniger mit Perfektion zu tun hat als mit Empathie, Erinnerung und Verbundenheit.




