3,5☆ – Diese kurze Winternovelle war ruhig, magisch und sehr atmosphärisch. Sie spielt in einem verschneiten Wald und verbindet Folklore, Natur und Magie miteinander ❄️
Besonders gut hat mir gefallen, wie die Tiere dargestellt wurden, jedes mit seiner eigenen Stimme und Charakter, und wie sehr die Liebe der Hauptfigur zu ihnen – und zur Natur selbst – die Geschichte geprägt hat. Die Illustrationen waren wunderschön und haben viel zur Gesamtstimmung beigetragen - es ist wie ein kleines Kunstwerk, und allein die Bilder durchzublättern fühlt sich winterlich magisch an ✨
Allerdings war die Geschichte etwas zu kurz, um mich vollständig mitzureißen. Gerade als ich mich auf die Stimmung einließ, war die Geschichte schon zu Ende, und es hat sich angefühlt, als ob etwas fehlt.
Dennoch ist es eine schöne, stimmungsvolle Novelle – perfekt für einen ruhigen Winterabend, wenn man Lust auf etwas kurzweiliges und magisches hat 🐻
Wir haben hier eine sehr ungewöhnliche, aber auch sehr schöne Weihnachtsgeschichte, die uns lehrt, dass die Natur, Menschen und Tiere zusammengehören und dass es sich lohnt, etwas Größeres zu lieben und zu verfolgen als andere Menschen. Das schmale, aber wunderschön illustrierte Buch sollte gelesen werden zusammen mit dem Album „50 Words of Snow“ von Kate Bush. So entfaltet es seinen Zauber noch besser.
»'In winter', said Merowdis, lost in her thoughts, 'the wood is supposed to be asleep. That is what people say. But I don't think it's true. In spring and summer the trees and creatures are preoccupied. Everyone is busy. In winter there is silence'. There was silence. But not an empty silence.
'In winter the wood is listening', said Merowdis«
Susanna Clarke kann epische Fantasy (“Jonathan Strange & Mr. Norrell”), “Piranesi” steht noch immer ganz oben auf meiner Leseliste. Das Hauptgenre dieser nur selten publizierenden Autorin aber sind Short Stories. Ihre neueste, “The Wood at Midwinter”, die nur knapp 50 Seiten umfasst, war eine Auftragsarbeit für BBC Radio, die 2022 gerne eine weihnachtliche Story von Clarke haben wollten. Anschließend wurde sie als Einzeltitel im Hardcover publiziert. Mit wunderschönen Illustrationen von Victoria Sawdon. Ein bibliophiles Kunstwerk ist dieses schmale Büchlein allemal. Doch was erzählt uns die Geschichte?
Sie berichtet von einer jungen Frau, Merowdis. Statt mit ihrer wohlhabenden Großfamilie, ist Merowdis lieber mit ihren Tieren zusammen. Sie hält Hunde, unzählige Katzen, einen Papagei, ein Frettchen und ein Schwein. Aber auch ungewöhnliche Haustiere wie Spinnen und Wildvögel fliegen bzw. krabbeln in ihrem Zimmer aus und ein. Merowdis ist aber am liebsten im Wald, wo ihre Schwester Ysolde, die sie noch am ehesten versteht, immer mit der Kutsche hinbringt. So auch an einem Midwinter-Tag kurz vor Weihnachten. Merowdis kann mit Tieren und Bäumen sprechen. Susanna Clarke sagt im Nachwort ihrer Novelle, dass ihre Protagonistin heutzutage wohl als neurodivergent zu bezeichnen wäre. “She has long since given up the idea that anyone else will understand the things that are importatant to her.” (S. 58)
Wir erfahren, dass Merowdis nicht den ihr zugedachten Mann ehelichen möchte. Sie möchte frei sein, aber andererseits wünscht sie sich auch ein Kind: “The child must come in midwinter. A midwinter child in the arms of a Virgin. A child to bring light into the darkness. A child to heal all wounds.” (S. 24) Wer oder was das Kind ist, würde zu viel verraten. Es ist der Höhepunkt und die Pointe der Geschichte. Nur so viel: Es ist eine Sache, die im Bereich des Fantastischen angesiedelt ist und wahrlich eine “unerhörte Begebenheit”.
“The Wood at Midwinter” ist ein zauberhaftes allegorisches Wintermärchen. Typisch für Susanna Clarke ist, dass sie sich von vielerlei Quellen inspirieren und diese zu einem faszinierenden literarischen Konglomerat verschmelzen lässt: heidnische Naturreligion und Christentum, viktorianische Literatur, Mythologie und Fantasy, Fabel. Wirklich interessant ist außerdem das Nachwort, in dem Clarke ihre Novelle selbst analysiert und literarisch in ihrem Œuvre verortet. Eine Poetologie sozusagen. Hier wird auch gesagt, dass ihre Geschichten sich gegenseitig inspirieren und dass Merowdis zur selben Welt gehört wie “Jonathan Strange and Mr Norrel”. Wenn das nicht ein Grund ist, diesen opulenten Fantasy-Klassiker mal wieder aus dem Regal zu holen. Ich muss aber jetzt erstmal “Piranesi” lesen. Aber Midwinter ist und bleibt von nun an die Zeit von Merowdis - und das ist auch gut so.
„Saints do shocking things. It’s what makes them saints.“
Merowdis Scot ist eine Tochter einer großen Familie, in die sie niemals zu passen schien.
Während ihre Eltern sie gut verheiraten wollen, hat „Liebe“ für Merowdis eine tiefere, spirituellere Bedeutung: sie findet nur Akzeptanz und Frieden bei ihren Haustieren und den Tieren und Bäumen im nahegelegenen Wald.
Doch Merowdis größter Wunsch ist ein eigenes Kind zu haben.
Und so geht sie eines Winterabends los, um sich und ihren innigsten Wunsch dem Wald und seinen Bewohnern anzuvertrauen…
⭐️⭐️⭐️
Definitiv nicht, was ich erwartet habe!
Die Kurzgeschichte ist sehr atmosphärisch und die Erzählweise poetisch.
Die Illustrationen lassen das Buch wie ein Märchen wirken, tatsächlich geht es aber tiefsinnig um Diversität und Perspektiven, die Entfremdung zwischen Mensch und Natur und die Erkenntnis, das Liebe viel größer ist, als was die Menschen kulturell bereit sind zu akzeptieren.
Vielleicht keine Geschichte für Jedermann…