
⭐️⭐️⭐️✨️ Spoiler!
The Age of Innocence oder Blueprint für Miscommunication Ich bin ehrlich, dieses Buch hat mich emotional kaum berührt. Die Charaktere fand ich nur so halb interessant, vieles blieb für mich auf Distanz. Dabei werden eigentlich große Themen angesprochen, Gleichberechtigung, gesellschaftlicher Druck, Scheidung als Skandal und die Doppelmoral der Elite. Aber wirklich gepackt hat es mich nicht. Diese New Yorker Oberschicht hält sich für moralisch überlegen und kultiviert, schaut auf Europa herab, obwohl sie selbst europäische Wurzeln hat. Gleichzeitig verhalten sie sich unglaublich engstirnig. Viel Fassade, viel Kontrolle und wenig echte Freiheit. Inhaltlich dachte ich mir oft, es wäre einfach nichts passiert, wenn Archer und Ellen einmal klar ausgesprochen hätten, dass sie Gefühle füreinander haben. Dieses permanente Andeuten, Zögern und Ausweichen war wahnsinnig frustrierend. Archer heiratet May, obwohl er innerlich längst woanders ist, und ich fand das ziemlich egoistisch. Nur weil man verlobt ist, muss man doch nicht in eine Ehe gehen, wenn man eine andere liebt. Aber fairerweise bleibt er ihr treu. Trotz innerer Kämpfe. Selbst nach Mays Tod bleibt Ellen am Ende nur ein Traum. Und genau das ist wohl die eigentliche Tragik, nicht fehlende Liebe, sondern fehlender Mut. Ich hätte dem Buch eigentlich 3 Sterne gegeben. Aber Edith Wharton war 1921 die erste Frau, die den Pulitzer Prize for Fiction gewonnen hat, und sie wurde dreimal für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Das war ein riesiger Durchbruch für Frauen in der Literatur. Dafür und für die gesellschaftliche Bedeutung des Romans gibt es von mir 3,5 Sterne. PS Wenigstens hat mein Exemplar eines der schönsten Cover überhaupt.



