Auf Arbeit hat sie sich krank gemeldet und nun ist sie drauf und dran den Ehemann der Geliebten ihres Mannes auszuspionieren. Nie hätte sie vermutet, dass sie sich in ihn verliebt. Was als Rachefeldzug begann, endet mit einer stürmischen Affäre und ihrer Selbstfindung. Evelyn hat nicht länger das Gefühl, die brave Ehefrau sein zu müssen, seit sie weiß, dass ihr Mann sie betrogen hat. Seit jener Nacht, in der er sie aus dem Bett klingelte und sie bat seinen Unfall zu vertuschen, steht ihre Welt Kopf. Er war mit seiner Geliebten unterwegs und dabei haben sie ein Teenagermädchen überfahren. Doch zur Polizei gehen kann sie nicht, denn dann würde ihr Mann, der berühmte Psychiater in Schwierigkeiten geraten, denn die Andere ist nicht nur seine Geliebte sondern auch seine Patientin. Dem Titel und der Beschreibung nach hatte ich bei dem Buch etwas völlig anderes erwartet. Irgendwie mehr Thriller und Spannung, doch ich bekam einen Roman, über die Emanzipierung einer Ehefrau, mit ein bisschen Aufregung. Es ist nicht so, dass ich die Geschichte nicht mochte, im Gegenteil, mit jedem Schritt, den Evelyn zu sich selbst macht, mochte ich die Hauptfigur mehr. Nur war meine Erwartungshaltung eine andere. Es hat halt ein bisschen etwas von Midlifecrisis, der Sohn ist eigenständig und verlässt bald das elterliche Nest, der Mann hat eine Affäre und die gehörnte Ehefrau stellt fest, dass sie zwischen der Erfüllung der Bedürfnisse der Beiden sich selbst verloren hat. Durch den neuen Mann, der wirkliches Interesse an ihr und ihrer Kunst hat, blüht sie wieder auf. Ich konnte das total gut nachvollziehen. Es ist auch super beschrieben, dieses Gefühl, wenn da plötzlich jemand ist, der dir seine ganze Aufmerksamkeit schenkt. Nur als sie dann darum bettelt, ihr Liebhaber möge seine Frau verlassen, weil sie ihn liebe, war das für mich als Leser ein Schritt zurück von der emanzipierten Frau, die sie geworden war. Das Ende war dann irgendwie zu einfach für meinen Geschmack, aber um keine losen Enden zu haben, absolut notwendig. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre der tote Teenager überflüssig gewesen, eine Frau die sich selbst wieder entdeckt, reicht durchaus als Plot und dieser Prozess kann ganze Bücher füllen, ohne künstlich einen Spannungseffekt einzubauen.
Das Buch ist mir vor allem ins Auge gestochen, da es mit Girl on the Train und Gone Girl verglichen wurde. So ganz treffend finde ich den Vergleich leider nicht. Die Story ist in zwei Zeitebenen aufgeteilt, die sich jeweils abwechseln. In Davor und Danach knnen wir Hauptfigur Evelyn dabei begleiten, wie sie den Unfall ihres Mannes erlebt, womit der Stein quasi ins Rollen gebracht wurde. Evelyns vermeintlich schnes, wenn auch recht langweiliges Leben, beginnt zu zerbrechen. Evelyn wird als eine sehr logische Frau dargestellt, die ihre Handlungen sehr durchdenkt. Durch die gelftete Affre ihres Mannes blht sie jedoch zu neuem Leben auf und entdeckt pltzlich Zge an sich, die sie seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hat. Man knnte quasi sagen, dass man als Leser beobachten kann, wie Evelyn wieder von neuem Leben erfllt wird. Die Entwicklung ihrer Figur erscheint recht plausibel und konsequent. Von der Story an sich war ich recht angetan, jedoch hab ich im Gesamten vielleicht doch etwas mehr erwartet. Letztlich geht es tatschlich doch hauptschlich um die zwischenmenschlichen Beziehungen, als um jene verhngnisvolle Nacht selbst. Auch kam der Schluss dann doch etwas pltzlich. Insgesamt recht solide, jedoch nicht vergleichbar mit den besagten zwei Romanen. Fr mich htte es durchaus noch etwas mehr Dramatik und Verstrickungen geben drfen.

