23. Mai
Rating:3

Mit „Nur das Allerbeste“ wirft Zoe Dubno einen schonungslosen Blick auf die New Yorker Kunst- und Kulturszene. Die Ich-Erzählerin kehrt nach fünf Jahren zurück nach New York, nachdem ihre Freundin Rebecca verstorben ist. Wieder landet sie in der Bowery Street bei Eugene und Nicole, reichen Mäzenen, in deren Loft sich regelmäßig die junge New Yorker Kunst- und Kulturszene trifft. Der Roman lebt dabei weniger von Handlung. Es sind vielmehr die Gedanken, Erinnerungen und scharfen Beobachtungen der Erzählerin. Gelungen fand ich, wie Dubno diese Welt beschreibt, nämlich als pseudointellektuell, arrogant, oberflächlich und völlig losgelöst vom normalen Leben. Man spürt regelrecht die Verachtung, die diese Figuren allem entgegenbringen, was nicht zu ihrem elitär wirkenden Mikrokosmos gehört. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dass die Ich-Erzählerin selbst nicht frei davon ist. Auch sie hält sich stellenweise für belesener oder reflektierter als die anderen. Vielleicht zu Recht, vielleicht aber auch nicht. Ein Highlight war für mich der Auftritt von „Dr. Beethoven“, der den selbstgefälligen Schriftsteller Alexander verbal auseinandernimmt und erklärt, was Literatur für ihn wirklich bedeutet. Erst dort scheint die Erzählerin überhaupt zu begreifen, mit was für pseudointellektuellen Menschen sie sich umgibt. Auch das Finale mit der jungen Schauspielerin sitzt: Ihre Abrechnung mit der New Yorker Kunst- und Kulturszene bringt die Leere, den schönen Schein und die permanente Selbstinszenierung noch einmal perfekt auf den Punkt. Es war interessant, einen Einblick in diese völlig andere Welt zu bekommen, aber ich war am Ende auch froh, die Tür wieder hinter mir schließen zu können. Die Inhaltslosigkeit, die toxischen Abhängigkeiten und die Oberflächlichkeit waren auf Dauer eher anstrengend als fesselnd. Vor allem, weil es scheinbar nie wirklich um Kunst oder Kultur geht, sondern fast ausschließlich um die eigene Selbstinszenierung. Für alle, die gern einen Blick in die New Yorker Kunst- und Kulturszene werfen wollen, ist das Buch genau das Richtige.

Happiness and Love
Happiness and Loveby Zoe DubnoTransworld Publ. Ltd UK
22. Mai
Ein einziger Absatz voller Verachtung
Rating:3.5

Ein einziger Absatz voller Verachtung

Nur das Allerbeste ist weniger ein Roman als ein literarisch hochgebildeter Zusammenbruch mit Galeriebeleuchtung. Zoe Dubno schickt ihre New Yorkerin zurück in genau jene Kunst- und Künstlerszene, der sie einst sehr bewusst den Rücken gekehrt hat – vermutlich aus Gründen der psychischen Stabilität – und lässt sie dort einen bitterbösen Hassmonolog auf den modernen Kunstbetrieb abfeuern. Sammler, Galeristen, Künstler und all die Menschen, die dreimal „Diskurs“ sagen, um nicht zugeben zu müssen, dass sie eigentlich nur reich sein wollen: Niemand kommt ungeschoren davon. Besonders genüsslich zerlegt das Buch diesen permanenten Zwang, Kunst besitzen zu wollen, ohne sie auch nur ansatzweise zu verstehen. Das ist oft wahnsinnig komisch, erschreckend treffend und so zynisch, dass man sich beim Lesen stellenweise fühlt, als würde man auf einer Vernissage in der Ecke stehen und innerlich allen den Tod wünschen. Gleichzeitig ist das Buch durchaus anstrengend: gefühlt ein einziger Absatz, endlose Sätze, keine Luft zum Durchatmen. Dubno verweigert konsequent jede Form literarischer Gemütlichkeit und treibt die Abrechnung bis an die Schmerzgrenze. Aber genau deshalb funktioniert es so gut. Hinter all dem Sarkasmus steckt keine bloße Verachtung, sondern echte Enttäuschung und entwaffnende Selbstreflexion. Sicher nichts für jeden – aber für Menschen, die Kunst lieben, den Kunstbetrieb manchmal aus tiefster Seele hassen und Literatur mögen, die sich lieber selbst zerlegt, als gefällig zu sein, ist dieses Buch ein ziemliches Fest.

Happiness and Love
Happiness and Loveby Zoe DubnoTransworld Publ. Ltd UK
15. Mai
Rating:4

BEWERTUNG 👍

INHALT Die namenlose Erzählerin beobachtet. Und das scharf und präzise. Sie befindet sich auf einer Party, gemeinsam mit ihren alten Künstlerfreunden. Zu den scharfen Beobachtungen kommen alte Erinnerungen an die Zeit mit diesen Menschen und ihrer verstorbenen Freundin. Es geht um die Künstlerszene in New York mit all ihren schimmernden und schattigen Seiten. EINDRUCK UND FAZIT Der Schreibstil des Buches war herausfordernd. Ich musste mich eine ganze Weile sehr konzentriert einlesen. Zudem kam pures Entsetzen aufgrund von fehlenden Kapiteln und elendig langen Sätzen. Aber wenn man das alles mal beiseite schiebt, fand ich es ganz unterhaltsam. Diese Kunstszene, oberflächlich und arrogant, fand ich gut dargestellt (auch wenn ich den Eindruck hatte, dass die Erzählerin selbst, ebenso ist). Ich fand dennoch die Darstellung von Freundschaften (kann man das so nennen?!), und verlorenen Freundschaften gelungen. Ich werde dieses Buch noch lange im Kopf behalten - und das spricht immer für das Buch! „Eine Freundin, dachte ich. In der Ecke auf dem Sofa, kann für uns der wichtigste Mensch der Welt sein, sie kann uns alle nur denkbaren Sphären öffnen, wir orientieren unsere ganzes Leben an diesen Menschen, haben das Gefühl, er sei Teil unseres inneren Wesens, und wenn etwas Neues passiert, dann haben wir das Gefühl, die Erfahrung sei nicht komplett, bis wir nicht den Freunden davon erzählt haben, bis wir sie noch einmal mit dieser besten Freundin durchlebt haben, dieser Freundin, die uns so gut kennt, dass sie irgendwann keine eigenständige Person mehr ist, sondern eine Erweiterung, unseres Ichs.“ Seite 81

Happiness and Love
Happiness and Loveby Zoe DubnoTransworld Publ. Ltd UK
8. Mai
Interessante Idee und spannende Atmosphäre, aber insgesamt leider zu distanziert und nicht wirklich meins.
Rating:2

Interessante Idee und spannende Atmosphäre, aber insgesamt leider zu distanziert und nicht wirklich meins.

🛋️ 𝘐𝘤𝘩 𝘴𝘢𝘴𝘴 𝘮𝘪𝘵 𝘶̈𝘣𝘦𝘳𝘦𝘪𝘯𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳𝘨𝘦𝘴𝘤𝘩𝘭𝘢𝘨𝘦𝘯𝘦𝘯 𝘉𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘧 𝘥𝘦𝘮 𝘸𝘦𝘪𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘓𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯𝘴𝘰𝘧𝘢, 𝘣𝘦𝘰𝘣𝘢𝘤𝘩𝘵𝘦𝘵𝘦 𝘥𝘪𝘦 𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳𝘦𝘯 𝘎𝘢̈𝘴𝘵𝘦 𝘶𝘯𝘥 𝘣𝘦𝘳𝘦𝘶𝘵𝘦, 𝘩𝘪𝘦𝘳 𝘻𝘶 𝘴𝘦𝘪𝘯. 💭 Cover und Klappentext von 𝘕𝘶𝘳 𝘥𝘢𝘴 𝘈𝘭𝘭𝘦𝘳𝘣𝘦𝘴𝘵𝘦 haben mich sofort angesprochen und ich war wirklich gespannt auf das Buch. Am Ende kam das Buch allerdings ganz anders daher als erwartet. Danke an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar! Im Mittelpunkt steht eine namenlose Erzählerin, die Teil einer selbsternannten Kunstelite in New York ist. Besonders prägend sind dabei vier Figuren: Alexander, ihr Ex-Freund und Schriftsteller, durch den sie überhaupt erst in diese Clique gekommen ist. Nicole, die Kunstkuratorin, für die es wichtiger scheint, Künstlernamen korrekt auszusprechen als echte Menschlichkeit zu zeigen. Eugene, der Ideen klaut, Frauen begrapscht und sich ständig zudröhnt. Rebecca, eine eher erfolglose Schauspielerin, die vielleicht noch am ehesten eine Freundin der Erzählerin ist. Die Gruppe wirkt durchweg unangenehm, überheblich und performativ. Alle scheinen Rollen zu spielen und sich gegenseitig zu beobachten. Kurz nach einer Trauerfeier wartet die Clique im Loft eigentlich nur darauf, dass eine Schauspielerin auftaucht. Besonders auffällig ist die Form: keine Kapitel, keine klassische wörtliche Rede, stattdessen ein einziger Fließtext voller Gedanken, Erinnerungen und Beobachtungen. Dadurch entsteht eine enorme Distanz, die mich gleichzeitig fasziniert und abgestoßen hat. Die Erzählerin wirkt oft unzuverlässig und gleichzeitig selbst genau so abgehoben wie die Menschen, die sie verurteilt. Viel passiert eigentlich gar nicht im Hier und Jetzt der Party. Stattdessen sitzt sie auf dem Sofa, denkt nach, analysiert, erinnert sich an verletzende oder peinliche Situationen und verliert sich in bitteren, teilweise giftigen Gedanken. Ich habe mich beim Lesen ähnlich unwohl gefühlt wie die Erzählerin selbst und vielleicht war genau das die Absicht. Falls ja, wäre das ziemlich clever umgesetzt. Zudem hatte das Buch für mich gerade in der Mitte deutliche Längen. Ich wollte dieses Buch wirklich mögen, vor allem weil der Anfang so vielversprechend war. Insgesamt war es dann aber einfach nicht meins. Gleichzeitig glaube ich, dass es unglaublich spannend für Buchclubs oder Buddyreads sein kann, weil man über vieles diskutieren und interpretieren kann. ⭐️⭐️☆☆☆

Happiness and Love
Happiness and Loveby Zoe DubnoTransworld Publ. Ltd UK
26. Apr.
Rating:4.5

Abrechnung mit dem New Yorker Kulturbetrieb

Ich habe etwas gebraucht, um noch in die Geschichte und den Sprachstil (Stream of consciousness) einzulassen, aber die zweite Hälfte des Buches habe ich verschlungen! Ein Dinner, das komplett aus dem Ruder läuft und eine starke weibliche Person (Spoiler: nicht die Ich-Erzählerin) - was will man mehr?

Happiness and Love
Happiness and Loveby Zoe DubnoTransworld Publ. Ltd UK