
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Mein neues Lieblings-Duo!
Als ich letztes Jahr den ersten Band dieser Oxford-Krimireihe gelesen habe, war ich begeistert von den Figuren, die Simon Mason hier erschaffen hat - dieses brilliante Duo, das so unterschiedlich ist wie Tag und Nacht, hatte es mir gleich angetan. Und auch im zweiten Roman ist meine Sympathie für die beiden weiter gewachsen. Der smarte und gutaussehende DI Raymond Wilkins und sein rotzfrecher, hemdsärmeliger On/off-Kollege Ryan Wilkins sind ein unfreiwilliges Team, das sich im Laufe mehrerer Ermittlungen immer mehr zu schätzen lernt. Auch wenn sie aus völlig unterschiedlichen Schichten kommen, bemerken sie im Laufe der Zeit, dass sie sich in vielerlei Hinsicht doch ähnlich sind - oder zumindest einen gewissen Respekt füreinander aufbringen und die Stärken des anderen zu schätzen wissen. Diese vorsichtige Annäherung anhand kleiner Details beschreibt der Autor so gut, dass ich schnell mein Leserherz an die beiden verloren habe. Aus meiner Sicht eines der besten und „dynamischsten“ Duos, die ich in den letzten Jahren in Krimis entdecken durfte! Der Kriminalfall, den die beiden diesmal lösen müssen, hat mir sogar noch besser gefallen als im ersten Band. Eigentlich geht es um zwei Fälle, die sich jedoch schnell als miteinander verbunden herausstellen: zum einen verschwindet ein 4jähriges Mädchen spurlos aus einer Kindertagesstätte. Die Suche nach der Kleinen wird zum Wettlauf gegen die Zeit. Zum anderen wird ein entfernter Bekannter von Ryan tot aufgefunden… und es verdichten sich die Hinweise, dass er irgendwie in das Verschwinden des kleinen Mädchens verwickelt war. DI Ray Wilkins bekommt den Fall übertragen und will beweisen, dass es ihm trotz schwieriger privater Situation (seine Frau ist mit Zwillingen schwanger und hat eine sehr schwierige Schwangerschaft) gelingt, berufliche und private Herausforderungen unter einen Hut zu bekommen. Doch das klingt einfacher als es ist. Ryan hingegen bekommt die Chance, wieder in den Polizeidienst zurückzukehren, sieht für sich aber selbst kaum Perspektiven, da er relativ realistisch einschätzt, dass sich kaum ein möglicher Vorgesetzter seine Unkontrolliertheit und seine Aufmüpfigkeit antun würden… Doch im Zuge der Ermittlungen kreuzen sich die Wege von Ray und Ryan immer wieder - und letztlich schaffen sie es gemeinsam, den Fall zu lösen. Aus meiner Sicht ist dieser Roman rundum gelungen und hat alles, was ein guter (englischer) Krimi braucht: einen clever gestrickten Fall, unverwechselbare und sympathische Charaktere (denen man auch die eine oder andere Charakterschwäche nachsieht) und einen Tonfall, der den Figuren auf den Leib geschneidert ist. Durch die differenziert dargestellten Hauptfiguren erhält das Buch mehr Tiefe, als man von einem durchschnittlichen Kriminalroman erwarten würde und auch die gesellschaftlichen Einblicke (insbesondere in Ryans Lebenssituation) sorgen für einen kritischen Unterton. Ich habe mit dem „doppelten Wilkins“ ein neues Dreamteam entdeckt, das ich jedem Krimifan unbedingt ans Herz legen möchte… Lernt die beiden kennen (und lieben!) Ich jedenfalls bin spätenstens nach diesem zweiten Band überzeugter Fan und hoffe, dass es noch viele Fälle für Ray und Ryan geben wird! PS. Noch eine kleine Triggerwarnung. Die Themen schwierige Schwangerschft/schwierige Geburt werden sehr ausführlich und eindringlich geschildert. Wer darauf sensibel reagiert, könnte insbesondere das letzte Drittel des Buches als belastend empfinden.


