19. Feb.
Rating:5

Nun habe ich ziemlich in einem Rutsch die Trilogie um die Schwebende Zitadelle beendet. Das hat bei mir schon ein bisschen Seltenheitswert, denn normalerweise lese ich Reihen eher mit größeren Unterbrechungen. Mit um die  400 Seiten haben die Bücher aber auch eine „handliche Größe“.   Im Mittelpunkt steht eine Gruppe politischer Flüchtlinge, die von dem Magier Raythe Vyre angeführt werden. Sie verlassen ihre alte Heimat, um einen seltenen Rohstoff zu finden – und auf diese Weise zu Geld und Unabhängigkeit zu kommen. Dabei ist die Geschichte dreigeteilt: die Flucht, die Ankunft in einer neuen Welt und schließlich das Finale im dritten Teil.   Wie auch in den ersten beiden Teilen gefällt mir das Gesamtpaket: das Tempo der Geschichte, das Worldbuilding und auch die Vielfalt sowie Vielseitigkeit der Charaktere. Dadurch, dass das Buch nicht so dick ist und wir „nur“ drei Teile haben, ist die Geschichte sehr kompakt, ohne oberflächlich zu sein. Es gibt keine ausschweifenden Beschreibungen von Landschaften und gleichzeitig auch keine epischen Schlachten über zig Seiten. Wobei, und das muss ich zugeben, der Fokus im dritten Teil tatsächlich kurze Kämpfe und politische Intrigen sind. Doch auch hier liegt wieder die Stärke in der Kürze, sodass ich nicht irgendwann das Bedürfnis hatte, Schlachten zu überblättern. Dennoch kommen auch die Charaktere nicht zu kurz: Es gibt Konflikte bei Raythe und seiner Truppe, ohne dass es melodramatisch wird. Ja, sogar die Liebe spielt eine Rolle, aber als kleiner Baustein des gesamten Plots. So mag ich es. Ich mag, wie David Hair die Kontraste in der Welt darstellt: Wir haben das kalte Eis und mitten im Eis die kleine, ehemals versteckte Welt der Einheimischen – die nun nicht nur mit Neuankömmlingen und deren Kultur konfrontiert werden, sondern mit einem ganzen Reich in der weiten Ferne, das die Bodenschätze plündern will. Und das um jeden Preis und Nachhaltigkeit steht nicht ganz oben auf der Liste.   Gleichzeitig zeigt sich auch, dass eine Kultur per se nicht gut oder schlecht ist, hier geht es vor allem um die Extreme des Matriarchats und des Patriarchats. Allerdings wirklich auf abstrakter Ebene und nicht als Vortrag für den Leser, der belehrt werden muss. Es ist eine Fantasygeschichte mit aktuell politischen Themen, die man wahrnehmen kann, aber nicht muss. Es ist kein Lehrbuch.   Den ersten Teil gibt es noch auf Deutsch, die anderen beiden Teile aktuell ausschließlich auf Englisch, was sehr schade ist und was ich ja bereits das eine oder andere Mal kritisch angemerkt hatte.   Mir hat die Reihe wirklich gut gefallen, eine Mischung aus Fantasy- und Abenteuerroman mit einem interessanten Magiesystem. Wer Lust hat, probiert es wirklich aus. Es lohnt sich.

Sorcerer's Edge
Sorcerer's Edgeby David HairHachette Mobius