Hach, das hat Spaß gemacht. Ich habe (für meine Verhältnisse) sehr flott den zweiten Teil der Reihe um die Schwebende Zitadelle gelesen. Gleich vorweg, die Reihe wurde leider nicht weiterübersetzt. Schade, denn zumindest die ersten beiden Teile gefielen mir sehr gut. Da ich nicht spoilern möchte, werde ich nur grob auf den Inhalt eingehen. Im ersten Buch drehte sich alles um die Reise zur Schwebenden Zitadelle und im zweiten Teil geht es nun weiter nach der Ankunft. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass wir diverse Protagonisten wiedersehen und diese nun weitere Abenteuer bestreiten müssen. Warum gefiel mir das Buch so gut? In dem Buch stecken viele aktuelle Themen, aber nicht mit dem Presslufthammer moralisch verpackt (da muss ich immer an Kuang denken mit „Babel“), sondern mit vielen Grautönen. Oder wie David Hair schreibt: „No one had the sole ownership over being right.“ Es treffen verschiedene Kulturen mit einem unterschiedlichen Wertekanon aufeinander. Und ja, das Thema ethnische Herkunft wird ebenfalls aufgebracht und die Farbe der Haut spielt eine wichtige Rolle - denn spannenderweise nutzen die verschiedenen Völker die Hautfarbe unter anderem zur Abgrenzung, zur Aufwertung der eigenen Person und Abwertung des anderen. Gleichzeitig wird auch deutlich, wie entscheidend es sein kann, welchen Namen man für seinen Gegenüber hat. Sprache prägt und schafft Wirklichkeit. Sehr spannend ist zudem, dass das Matriarchat nicht als inherent positiv gesehen wird, sondern es auch dort Bewegungen gibt, die zu Gewalt führen. Aber all diese Themen sind einfach super verpackt: nicht absolut formuliert, ohne Vorwurf und eher als Teil der Geschichte. Ich hatte nie den Eindruck, ein Buch zu lesen, das mir jetzt noch einmal aufzeigen müsse, wie die Welt funktioniert oder zu funktionieren habe. Und warum gerade ich doch das Problem sei. Neben diesen Themen fand ich aber auch den Ideenreichtum toll, das Magiesystem spannend und wusste es zu schätzen, dass viele Charaktere nicht nur böse oder gut waren. Gerade das ist für mich die Stärke des Buches, nämlich mehr als nur zwei Extrempole zu kennen. Mit etwas mehr als 400 Seiten ist das Buch auch genau richtig von der Länge: Es kam keine Langeweile auf und es wurde in meinen Augen nichts Wesentliches weggelassen, was ich vermisste habe. So kann Fantasy gehen. Ach ja, es gab auch romantische Beziehungen, jedoch als Element der Handlung und nicht als zentrales Thema, um das sich alles dreht. Und auch queere Themen wurden durchaus behandelt, jedoch ebenfalls als Teil des Ganzen und nicht als Fokus. Sehr empfehlenswert und ich hoffe immer noch, dass der Verlag vielleicht doch ein Einsehen hat und die Serie weiter übersetzt.
10. Feb.Feb 10, 2025
World's Edgeby David HairQuercus Publishing
