Ein großartiges Buch über Resilienz, Widerstand & Selbstermächtigung
Nahr befindet sich in Einzelhaft in einem israelischen Gefängnis. In Rückblenden erzählt sie von ihrem Leben – sie wächst als Kind palästinensischer Flüchtlinge in Kuwait auf, heiratet jung einen Palästinenser, wird aber bald von ihm verlassen. Als sie mit ihren Tanzkünsten Aufmerksamkeit auf sich zieht, steht sie vor der Frage, wie weit sie gehen wird, um eine bessere Zukunft für sich und ihre Familie zu schaffen. Im Irakkrieg muss ihre Familie erneut fliehen, diesmal nach Jordanien, doch Nahr beschließt, in die eigentliche Heimat Palästina zurückzukehren, wo sie viel mehr findet, als sie sich je erträumt hätte – nicht nur das gut gehütete Geheimnis ihre (Ex-)Manns, sondern vor allem Liebe, Freundschaft, Zugehörigkeit, Tradition, Zusammenhalt etc. Doch die Bedrohung und Unterdrückung durch die israelische Besatzungsmacht ist stets präsent. Dieser Roman ist unglaublich brutal (TW: sexuelle Gewalt), zugleich aber auch wunderschön und einfühlsam erzählt. Nahrs Bemühungen um Emanzipation und Selbstermächtigung im ersten Teil des Buches werden im zweiten Teil durch den Widerstand der Menschen in Palästina und ihren Kampf um ein friedliches Leben im Einklang mit ihrem Land und ihren Traditionen ergänzt; es entsteht eine facettenreiche Geschichte, die zugleich feministisch, politisch und gesellschaftskritisch ist. Susan Abulhawa schafft es sehr authentisch und überzeugend das individuelle Schicksal einer Frau, ihre Wünsche, Hoffnungen und Träume mit der politischen und gesellschaftlichen Situation im Nahen Osten, insbesondere Palästina zu verknüpfen und hat so ein Buch geschrieben, dass mich auf vielen Ebenen berührt und mitunter zu Tränen gerührt hat. Besonders einprägsam waren für mich die Beschreibungen der Einzelhaft – ein Aspekt der von der Autorin tatsächlich sehr genau recherchiert wurde, wie aus dem Nachwort hervorgeht.





