Habe noch nie so lange für ein Buch gebraucht und war zwischendurch am überlegen, es abzubrechen. Das Theme und die Story wären absolut spannend. Die Art wie es geschrieben ist und die unnötigen Zwischenthemen machen das Buch für mich jedoch zu einem der Schlechtesten.
Man merkt dem Buch in jeder Zeile an, dass hier Journalisten am Werk waren. Der Stil gleicht eher einer ausführlichen Dokumentation als einem klassischen Kriminalroman.
Die Herausforderung: Durch die Fülle an Akteuren, Ermittlern und Beteiligten kann man als Leser leicht den Überblick verlieren. Es erfordert eine hohe Aufmerksamkeit, die vielen Handlungsstränge zusammenzuhalten.
Die Wirkung: Auch wenn die sachliche Schreibweise anfangs gewöhnungsbedürftig ist, unterstreicht sie die Ernsthaftigkeit des Themas. Es geht hier nicht um Unterhaltung, sondern um Fakten.
Das Thema: Harter Tobak und Systemkritik
Das Buch ist nichts für schwache Nerven. Die Schilderungen von sexuellem Missbrauch und die Tatsache, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, machen die Lektüre schwer verdaulich.
Besonders eindringlich arbeitet das Buch heraus:
Den immensen Druck, den die Polizei auf Opfer ausüben kann.
Die sozialen Folgen und den Druck des Umfelds.
Die erschreckenden Missstände innerhalb der Ermittlungsbehörden.
Die Autoren untermauern ihre Ausführungen mit unzähligen Zahlen, Daten und einem umfangreichen Quellenverzeichnis. Das macht das Werk zu einem lehrreichen Sachbuch für alle, die verstehen wollen, wie das Justizsystem in solchen Fällen (oft katastrophal) funktioniert.
Einblicke in die Psyche des Täters
Ein besonderes Highlight der Erzählung ist die Beleuchtung der Täterperspektive. Der Einblick in die Gedankenwelt eines Mannes, der mit seinen inneren Dämonen ringt und diesen Kampf letztlich verliert, bietet einen faszinierenden, wenn auch erschreckenden Mehrwert.
Fazit: Eine Frage der Präferenz
„Falschaussage“ ist ein wichtiges, tiefschürfendes Buch.
„Für Leser mit einem großen Interesse an investigativer Recherche und Systemkritik ist es eine absolute Empfehlung. Wer jedoch einen flüssigen, spannungsorientierten Thriller sucht, könnte an der trockenen Faktenlastigkeit und der emotionalen Schwere scheitern.“
Für mich persönlich war es aufgrund des Schreibstils und der Thematik leider nicht das richtige Leseerlebnis, doch die Qualität der Aufarbeitung ist unbestreitbar.
Ein wirklich sehr gutes Buch. Eine wahre Geschichte über einen Serienvergewaltiger, der in Wohnungen eindringt, um fremde Frauen zu vergewaltigen und zu erniedrigen. In einem Fall wird dem Opfer nicht geglaubt während dessen die Polizeiarbeit in einem anderen Bezirk auf Hochtouren läuft. Sehr spannend mit sehr vielen Hintergrundinformationen über das Ermittlern von Sexualstraftaten.
Marie ist 18 und hat Jahre voller Misshandlungen, Pflegefamilien und Heimen hinter sich. Jetzt endlich hat sie eine eigene Wohnung, Arbeit und Freunde, ein normales Leben. Eines Nachts wird sie Opfer eines Vergewaltigers. Die Polizei ist skeptisch, denn Maries Aussage weist Unstimmigkeiten auf. Zudem berichtet die Pflegemutter von Maries sonderbaren Verhalten direkt nach dem Überfall. Für die Behörden steht fest: Marie hat gelogen. Die ermittelnden Beamten zwingen sie dazu, eine Falschaussage zuzugeben. Und weil das ein Verbrechen ist, wird die junge Frau angezeigt. Die Akte wird geschlossen.
Drei Jahre später ermittelt eine Polizistin in einem Vergewaltigungsfall in einem anderen Bezirk. Sie stellt fest, dass es Parallelen zu einem anderen Fall gibt. Sie arbeitet fortan mit einer Kollegin aus jenem Bezirk zusammen. Sie kommen einer ganzen Reihe von ähnlichen Fällen auf die Spur. Jetzt gilt es, den Serienvergewaltiger zu fassen.
Falschaussage ist kein Roman, liest sich aber so spannend wie mancher Thriller. Die Autoren schreiben sehr detailliert über die Reaktionen auf die Vergewaltigungsanzeige einer jungen Frau, zitieren aus Polizeiberichten und versuchen zu erklären, wie alles so schiefgehen konnte.
Im Nachwort schreiben die Autoren, dass sie unabhängig voneinander angefangen hatten, an dieser Story zu arbeiten. Einer schrieb über die Fehler bei den Ermittlungen der einen Polizeidienststelle, der andere über die sorgfältige Arbeit der Ermittler auf der Jagd nach dem Serienvergewaltiger. So gesehen, ist das Buch eine Studie darüber wie man es falsch bzw. richtig macht.
Dieses Buch kann frau nur mit geballten Fäusten und zu Berge stehenden Haaren lesen. Die Mauern aus Zweifel und Beschuldigungen, gegen die Opfer auch heute noch anrennen müssen, sind immer noch zu hoch. Die beiden Journalisten erklären, wieso das so ist. Sie beschreiben aber auch die Fortschritte, die Ermittlungsbehörden etc. in den letzten Jahren gemacht haben. Bleibt zu hoffen, dass diese Fortschritte - und dieses Buch - Früchte tragen.
Fazit: Nur in Verbindung mit einem Beruhigungstee lesen.
P. S. Es gibt zu dem Buch eine sehenswerte Netflix-Serie, Unbelievable (die ich ganz entgegen meiner sonstigen Serien-Gewohnheiten sogar zweimal gesehen habe)
Ich finde True Crime ja schon ziemlich spannend, obwohl es mich auch jedes Mal aufs neue schockt.
Im Buch gibt es parallel mehrere Geschichten. Anfangs ist das wirklich schrecklich verwirrend. Jedes Mal, wenn ich mal ein paar Tage nicht weiter lesen konnte, war ich wieder völlig raus und musste erstmal wieder querlesen. Das ist leider nicht änderbar, da nunmal verschiedene Verbrechen zugrunde liegen. Aber der Schreibstil war sehr angenehm und ich kam gut durch die Seiten.
Zu den Protagonisten möchte ich diesmal eigentlich gar nicht so viel sagen, weil einfach einiges an Ermittlern und Opfern mit im Spiel war. Aber es war mir durchaus möglich mich gut in die meisten hinein zu fühlen. Teilweise habe ich sogar richtig mitgelitten.
Fazit:
Ich sags euch. Besonders am Anfang hat mir das Buch einige schlaflose Nächte beschert. Es gibt einfach wenig angsteinflößenderes, als wenn jemand ohne Einbruchsspuren in deine Wohnung einsteigt. Jedes mal, wenn ich wieder anfangen wollte, war ich mega raus, weil ich Schwierigkeiten hatte, die Tatorte und Ofter zu unterscheiden. Es gab einfach so viele Namen und Facts.
Daher habe ich beschlossen zwischendurch die Serie mit meinem Freund zusammen zu schauen. Das hat es definitiv um einiges erleichtert. Trotzdem war das Buch wesentlich detailreicher, als die videografische Umsetzung. Die Serie hat mich zudem kurz sehr verwirrt, weil die Ermittler in der Serie Decknamen haben. Wer sich für True Crime interessiert, sollte hier tatsächlich lieber zum Buch, als zur Serie greifen, denn das hat viele zusätzliche Informationen und Hintergründe zu bieten.
Trotzdem bin ich so hin und her gerissen, wie ich es bewerten soll. Denn den Inhalt kann man ja schwerlich bei wahren Tatsachen bewerten, denn sie sind eben so passiert.