
Grausiges, ästhetisches Spektakel
Von makaberer, überbordender Eleganz sind sowohl der Zeichenstil, der an Schönheit und Feinheit seinesgleichen sucht, als auch die Handlung, deren Abgründe angesichts des vermeintlich edlen Settings umso tiefer und grausiger wirken. Selten bilden Story und Kunst eine derartige untrennbare und fließende Einheit wie bei „Innocent“. Die Bühne ist zunächst historisch ziemlich solide: vorrevolutionäres Frankreich auf dem Weg zur Revolution, einige reale Persönlichkeiten, die Familie Sanson, Henker von Paris über Generationen hinweg, die kleinen Details der prunkvollen Mode. Der erste Band ist ganz dem tragischen Konflikt des heranwachsenden Charles-Henri Sanson gewidmet, der sich strengsten Erwartungen stellen muss und zugleich mit der eigenen Moral zu kämpfen hat. Sein sanftes Wesen, gezeichnet von tiefem Mitgefühl, steht im extremen Kontrast zur blutigen Brutalität, die ihm aufgezwungen wird. Wie Charles muss sich wohl auch der Leser erst einmal mit der Grausamkeit abfinden, die er hier noch erleben wird – in der Hoffnung, dabei nicht völlig abzustumpfen. Ein wunderschönes, schreckliches Drama.




