1. Jan.
Rating:3

Für ein Werk von J.R. Ward erstaunlich geradlinig und schnell erzählt - yay dafür! Rexboone, aka Boone, ist aus den bisherigen Legacy-Bänden schon bekannt. Die "mysteriöse" Person, die als seine Auserkorene auftritt, noch nicht, und super mysteriös ist Helania auch nicht. Sie bleibt ziemlich blass, ist ein Mauerblümchen, typisches Klischee "arm, verwundet, bemitleidenswert, weiß nicht wie heiß sie eigentlich ist". Hier und da gibt sich Ward dann zwar Mühe, das umzukehren, aber das Stereotyp bleibt im Grunde wie immer. Helania war als Kind schwerhörig/gehörlos. Mit ihrer Wandlung hat sich dieser "Defekt" dann aber korrigiert (Achtung, sehr ableistisch!). Dies wird als Hintergrundstory für ihre Schüchternheit verwendet: sie fühlt sich halt unter viel Gesellschaft nicht wohl und ist still, weil sie damals so überwältigt wurde von der Fähigkeit zu hören. Jetzt ist sie manchmal immer noch ängstlich, nicht alles zu verstehen und dadurch aufzufallen und verwendet im Roman manches Mal das Lippenlesen, wenn sie nervös ist. Ähm ja ... ich hoffe, ich muss nicht erwähnen, wie problematisch diese Backstory ist. Seit dem Tod ihrer Eltern, die einfach gar keine Rolle hier einnehmen, sondern einfach weg und tot sind, aber liebevoll und alles waren, gibt es nur Helania und ihre Schwester Isobel, bis diese 8 Monate vor der Handlung ermordet wird. Damit Helania nicht die 0815-Damsel-in-distress ist, wird sie im Klappentext also als mysteriöse Frau geframed, die in die Ermittlungen, die Boone als Helfer von Butch involviert ist, verwickelt ist. Was sie aber tut ist: sie geht jede Nacht in den Club, in dem ihre Schwester ermordet wurde und 'passt auf'. Daher bekommt sie mit, als noch eine Vampirin zu lange fehlt, geht ihr vollkommen blindlings nach, findet die Leiche und ruft die Black Dagger Brotherhood Notfallnummer an. Chapeau, Ward, so schreibt man eine aktive, tiefgründige Heldin :p Die Kriminalgeschichte fand ich eigentlich recht gut. Die Lovestory fand ich dagegen blass. Einige Fäden fallen auch einfach hinten runter. Da wusste Ward wohl selbst nicht mehr, was sie damit bezweckt hat oder wollte so unbedingt ein kürzeres Buch schreiben, dass sie ein paar Auflösungen vergessen hat. Na ja, who cares. Wenigstens haben wir am Ende meine absolute Hasstrope noch untergebracht. Denn natürlich ist Helania schwanger! Nachdem eine Frau hier legitime Gründe auflistet, warum sie absolut nicht schwanger sein will, der Mann das aber als absolutes Glück ansieht und sich höchstens sorgt, dass sie ihm nicht glaubt, dass er sie wirklich aus Liebe 'heiraten' (ich weiß, die heiraten nicht, you know what I mean) will und nicht aus Verpflichtung - NATÜRLICH muss die Frau da die 'Hindernisse' überkommen und sich am Ende auch freuen! WAS FÜR EIN HAPPY END! Egal, dass Boone irgendwann im Mittelteil mal ins Schwitzen wegen der Kindbettsterblichkeit kam. Happy End endet ja vorher oder macht den Mann halt noch tragischer, wenn sie stirbt. ...... Habe spontan noch einen Stern abgezogen beim Schreiben. Hab mich zwar gut unterhalten gefühlt, aber beim genaueren Drüber nachdenken hat dieses Buch wieder so einige Red Flags. Keine Empfehlung, höchstens mit Einschränkungen. Content Notes: Mord, Blut, Erbrechen, Verstümmeln, Folter, Ableismus, (ungewollte) Schwangerschaft

Blood Truth
Blood Truthby J R WardGallery Books
5. Nov.
Rating:4

Meine Lesesucht ist eine Weile her, weshalb meine fleißige Lieblingsautorin schneller Bücher rausgebracht hat, als ich sie lesen konnte. In diesem bestimmten Fall hole ich gerade alles nach, was J.R. Ward an Black Dagger Büchern rausgebracht hat und bin nun beim vierten (und scheinbar letzten) Band zur Spin-Off Reihe Black Dagger Legacy gelandet. Für alle, die Interesse an "Blood Truth" haben: Lest es auf keinen Fall vor "Der Sünder" aus der Original-Reihe, damit versaut ihr euch dieses Buch ziemlich mit Spoilern... Black Dagger Legacy begleitet neue Rekruten des Trainingszentrum der Bruderschaft der Black Dagger, wo neue Vampire für den Krieg gegen die Lesser ausgebildet werden. Eine neue Welt, die in einer bereits vertrauten Umgebung erschaffen wurde und die Brüder als Ausbilder ganz neue Töne anschlagen lässt. In "Blood Truth" steht Boone, Sohn des Altamere, im Vordergrund, der ziemlich mit sich zu kämpfen hat. In diesem Band wird die Handlung aus "Der Erlöser" aufgegriffen, als Boone, ein Rekrut aus dem Trainingsprogramm zu seinem König Wrath geht, weil er befürchtet, dass die Glymera einen erneuten Umsturzversuch plant und sein Vater Altamere dabei im Fokus zu stehen scheint. Für Boone sind die Würfel gefallen und er hat seine Loyalität bewiesen, muss sich nun aber den Folgen dieser Entscheidung stellen. Doch nicht nur die neue Bedrohung durch die Schatten hält die Bruderschaft auf Trap, sondern auch ein mutmaßlicher Serienmörder, der zwei Vampirinnen auf brutalste Weise in aller Öffentlichkeit in der Menschenwelt ermordet hat. Butch nimmt die Ermittlungen auf und gibt Boone direkt Unterricht in Ermittlungs- und Verhörtaktik. Dabei treffen sie auf eine Vampirin, die sich lieber bedeckt halten will, den Mord aber gemeldet hat und die ein ganz eigenes Interesse an diesen Morden hat... Für mich ist dieses Buch ein Fluch und Segen gleichzeitig, denn ich habe ihn erst nach dem 38. Black Dagger Band gelesen und für mich hat die Reihe schon ein paar Bände zuvor einiges an Glanz und Glaubwürdigkeit verloren, obwohl sie eigentlich zu meinen absoluten Lieblingsbuchreihen gehört. Doch "Blood Truth" gehört definitiv noch in die Kategorie "Vor dem unerklärlichen Umbruch" und bietet wieder genau das an, was mir als Black Dagger Fan so gefällt: Einiges an Action, Mord, Verrat, ein paar gewaltige Plot Twists, die sich perfekt entwickeln und ein junges Pärchen, das aus zwei völlig verschiedenen Welten kommt und sich ineinander verlieren kann. Das klassische Prinzip "Genau im richtigen Moment gefunden". Boone als Trainings-Rekrut der Bruderschaft ist kein Unbekannter und seine familiäre Vorgeschichte ein absoluter Horror-Albtraum. Die Glymera ist ein Haufen Müll und das sieht Boone genauso, was ihn so sympathisch macht. Doch nicht nur seine gedankliche Einstellung hebt sich von der vampirischen Aristokratie ab, sondern auch sein breitschultriger Körperbau, der mehr nach Krieger als Adel aussieht. Es ist nicht schwer ein guter Kerl zu sein, wenn man so viele Negativbeispiele jeden Tag erleben muss. Doch Boone ist nicht nur der nette Gentleman von nebenan, sondern neigt auch zu gewissen Aggressionen, die ihn mehrfach in verzwickte Situationen bringen. Leider traut sich die Autorin nicht tiefer in diese Charakterzüge einzutauchen, denn sonst wäre ein Happy End für ihn wohl unmöglich. Seinen Gegenpart nimmt eine zivile Vampirin ein, die ebenfalls eine traurige Familiengeschichte mit sich rumschleppt und sich nachts getarnt auf menschlichen Vampirpartys rumtreibt. Sie ist auf der Suche nach dem Mörder ihrer Schwester und der schwarze Umhang in dieser anonymen Welt ist ihr einziger Schild, denn eigentlich lebt sie sehr zurückgezogen, hat keine Freunde und einen Job, den sie auch von Zuhause aus erledigen kann. Zusammen bilden Boone und Helania ein Paar, das mich von Anfang an gefesselt hat, denn Vertrauen muss man sich erst verdienen. Es ist der Schmerz, den sie beide erleiden mussten, den nur jemand verstehen kann, der selbst durch diese Hölle gegangen ist. Als Leser der Reihe weiß man aber auch, dass die sexuelle Anziehungskraft irgendwann zu stark wird und die Charaktere nicht mehr viel gegen ihre Hormone machen können. Ja, das stört mich auch nach all den Jahren immer noch, aber es ist nun einmal die Art des gebundenen Vampirs, was soll man da machen? ;) Wirklich faszinierend fand ich eine Erklärung, auf die ich unterbewusst immer gewartet habe und bei denen es um das Markenzeichen der Bruderschaft geht: Die schwarzen Dolche. Das nur die Brüder sie tragen dürfen, ist eigentlich klar, das aber Zivilisten für das Tragen dieser bestimmten Waffen sogar die Verbannung, im schlimmsten Fall die Todesstrafe droht, war mir völlig neu und so ein richtig schönes Detail, das man ruhig schon viel früher in der Reihe hätte einbauen können. Es verrät so viel und ist gleichzeitig schlicht. "Blood Truth" bietet einige interessante Wendungen, an die ich nicht ansatzweise gedacht hätte, was beweist, dass Ward immer noch für einige tolle Überraschungen gut ist. Vollgepackt mit Blut, Kampf und Sex ist dieser vierte Black Dagger Legacy Band ein gelungener Abschluss für diese Spin-Off Reihe. Fazit: J.R. Ward kann es noch: blutig, fast schon monströs und gerade so viel davon um die Bruderschaft auf Trap zu halten, ohne das es für den Leser unerträglich wird. Mit "Blood Truth" geht die Black Dagger Legacy Reihe in die vierte und wahrscheinlich letzte Runde und gewährt einen Blick auf Butch O'Neal, wie man ihn lieben muss: Immer bereit für das Richtige bis ans äußerste zu gehen. Sein Wissen über Tatortbegehungen, Spurensammlungen, Verhörtechniken und dem richtigen Instinkt gibt er diesmal an Boone weiter, der bereits im Trainingsprogramm ist. Ansonsten gibt es in diesem Buch nicht viel mehr an Training und die anderen Rekruten Paradise, Craeg und Co. haben nur winzige Gastauftritte. Auch Wrath braucht nicht viel Sendezeit, um deutlich zu machen, wieso er der mächtigste Vampir ist. Seine Anwesenheit, Vishous, Xcors Bande, sie alle geben diesen rauen Ton an, der einfach in jedes Black Dagger Buch gehört (und den ich seit Band einunddreißig schmerzlich vermisst habe). Es ist diese Mischung aus angepissten, genervten, sarkastischen Bemerkungen, die typisch für die Krieger sind und mit schwarzem Humor und dem Wissen, dass sie alles tun würden, um gegen das Schlechte vorzugehen und ihre Lieben zu beschützen, genau den Charme der Black Dagger ausmachen. Das Tempo der Entwicklungen hat den Spannungsbogen genau auf dem richtigen Level gehalten und die Lust am weiterlesen gefördert, trotzdem gab es einige Momente, wo ich mich fragte: Das war es? Mehr gibt es dazu nicht zu sagen? Das glaube ich nicht! Es ist leicht gewesen in die Geschichte reinzukommen, auch wenn die Legacy Bücher bei mir schon eine Weile her sind.

Blood Truth
Blood Truthby J R WardGallery Books