Könnte eine schöne Geschichte über die Suche nach Familie & sich selbst sein, wäre da nicht ein großes „Aber“.
Als die Designerin Melissa plötzlich mehrere Häuser erbt und sich auf die Reise von Kalifornien zur idyllischen Kleinstadt Jasper Lake macht, ahnt sie noch nicht, dass dies nicht nur eine Reise zu ihren Wurzeln wird, sondern eine Reise zu sich selbst. Ein Buch über die Bedeutung von Wurzeln, Familie & Vergebung. Leider fügt die Autorin ab der Hälfte des Buches noch ein anderes Thema hinzu: Glaube bzw. besser gesagt „Christ:in sein“. Ich habe die erste Hälfte des Buches sehr genossen. Eine sympathische Protagonistin mit einem komplexen Charakter. Eine schöne Geschichte generell um die Suche nach ihrer Familie. Diese ist wirklich toll und spannend erzählt, super ausgearbeitet und authentisch. Hier hätten es 5 Sterne sein können. Leider kommt dann auf eine sehr unauthentische Weise durch die Hintertür plötzlich das Thema „Christ:in sein“ hinzu, was in dem Klappentext und auch in der ersten Hälfte des Buches kein Thema war. Und so wirkt es wie ein aufgezwungener Aufbau, der nicht zur Geschichte passt. Ab da hätte es noch ein Buch darüber werden können, dass man mit Liebe & Toleranz Brücken baut. Dass Menschen gut so sind wie sie sind. Dass man geliebt wird wie man ist. Dass man sich nicht verändern muss um geliebt zu werden. Als ich beim Lesen dann gemerkt habe, dass das hier in eine ganz andere Richtung geht, wurde ich richtig wütend darüber, wie die Autorin es schafft Intoleranz in wohlig heimeligen wirkenden Schafspelz zu verpacken. So großes Potenzial leider verschenkt und so bleibt für mich eine schöne Geschichte mit einem faden Beigeschmack. Spoiler: Was soll die Moral von dem Buch sein? Man wird nur geliebt, wenn man Christ ist? Man muss sich verändern um geliebt zu werden? Liebe kann nur bestehen, wenn Beide exakt den gleichen Glauben haben? Ich will in eine Welt leben, wo Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher Religion existieren und existieren dürfen. Gabriel so: Ach, jetzt hast du den gleichen Glauben wie ich. Ist ja super, dann können wir ja jetzt zusammen sein? Ernsthaft? Und hier sind es ja noch nicht mal wirklich unterschiedliche Religionen. Da wäre keine Brücke, sondern nur ein Sprung zur Toleranz nötig. Aber Toleranz sucht man in dem Buch halt leider vergeblich. Ein Stern für die tolle Geschichte. Ein Stern für die Themen Familie & Vergebung. Ein Stern Abzug für den schlechten Klappentext. Ein Stern Abzug für die unauthentische Charakterentwicklung bezüglich Glaube von Melissa. Ein großer Stern Abzug für das Publizieren von Intoleranz.


