Das Buchcover von „Jillian“ ist mir sofort ins Auge gesprungen und ich wusste, dieses Buch muss ich lesen, obwohl ich gar nicht wusste, worum es eigentlich geht. Aber oft sind es genau diese Bücher, die einen am meisten überraschen. Und so war es auch hier. In „Jillian“ treffen wir auf zwei Frauen, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Megan ist 24, zynisch, verbittert, genervt von ihrem Job und den Menschen um sie herum. Jillian hingegen ist fast das genaue Gegenteil, ständig überdreht, unbeholfen, naiv und irgendwie vollkommen überfordert mit sich und der Welt. Beide arbeiten in derselben Arztpraxis, und während Megan innerlich vor Frust zerfällt, scheint Jillian einfach nur durchs Leben zu stolpern. Doch unter der Oberfläche brodelt bei beiden eine tiefe Unzufriedenheit, Einsamkeit und Verzweiflung, die Halle Butler schonungslos und mit bitterbösem Humor offenlegt. Der Schreibstil ist trocken, scharf und oft sarkastisch. Genau das, was dieses Buch so besonders macht. Ich liebe, wie Butler Alltägliches so präzise beschreibt, dass man gleichzeitig lachen und den Kopf schütteln muss. Es ist unbequem, stellenweise fast schon unangenehm ehrlich, aber auch unglaublich fesselnd. Ich habe das Buch an einem Stück gelesen, weil ich einfach wissen wollte, wie diese beiden Frauen mit ihrem Chaos umgehen. Oder eben nicht. „Jillian“ ist kein Wohlfühlroman, sondern ein bitterböses Porträt moderner Einsamkeit, voller schwarzem Humor, Verzweiflung und schonungsloser Beobachtungen. Ein Buch, das lange nachhallt und das ich garantiert nicht so schnell vergessen werde.
14. Nov.Nov 14, 2025
Jillianby Halle ButlerOrion Publishing Co
